Ein wissenschaftliches Gutachten soll her

Bad Sooden-Allendorfs Stadtverordnete wollen erst weitere Forschung zu Rädlein

+
Straße des Anstoßes: Der Johannes-Rädlein-Weg in Bad Sooden-Allendorf. 

Bad Sooden-Allendorf – „Die Angelegenheit Rädlein“ soll mit einem Gutachten aufgearbeitet werden. Dafür entschieden sich Bad Sooden-Allendorfs Stadtverordnete einstimmig am Freitag während ihrer Sitzung im Hochzeitshaus.

Vorangegangen waren Erkenntnisse über die unrühmliche Vergangenheit des Lehrers und Dichters Rädlein während der NS-Zeit (HNA berichtete). Für das Gutachten sollen Angebote eingeholt und gleichzeitig ermittelt werden, welche Kosten für die Straßen-Umbenennung entstehen. Außerdem sollen die Anwohner des Wegs in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.

Der Entscheidung vorausgegangen war eine halbstündige, intensive Debatte, die Bürgermeister Frank Hix mit Bezug auf HNA-Veröffentlichungen zu Rädlein eröffnete: „Nach allem, was bisher da zu lesen ist, war Rädlein nicht nur ein Mitläufer, sondern ein aktiver Unterstützer.“ Daher beantrage der Magistrat, alle Fakten in einem wissenschaftlichen Gutachten zusammenzutragen. „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, hat der Name keinen Platz mehr als Straßenbezeichnung.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Hieronimus ergänzte, dass auch eine rechtliche Aufarbeitung geschehen müsse. Zudem solle man sich die Beweggründe der Altvorderen anschauen, warum die Straße nach Rädlein benannt wurde.

Dem widersprachen die Fraktionsvorsitzenden von FWG und Grünen. Lorenz Faßhauer (FWG) sagte, alle arbeiten in diesem Fall in eine Richtung. „Wir wollen aber nicht unnötig Geld herausschmeißen.“ Daher sei er gegen ein Gutachten. Martin Herrmann (Grüne) ergänzte, allein die Ämter Rädleins würden für die Aberkennung des Straßennamens vollständig ausreichen. Zwar sei auch er für eine wissenschaftliche Aufarbeitung, „aber wir brauchen uns nicht hinter einem Gutachten verstecken.“ Vielmehr solle das Parlament politisch entscheiden. „Wir können noch viel erforschen, aber da können wir schon längst über die Namensänderung beschlossen haben.“

Dem widersprach FDP-Fraktionsvorsitzender Dr. Hartmut Dunkelberg. Dass ein Gutachten nötig sei, zeige allein die Auswertung eines HNA-Berichts über eine Rede Rädleins im Jahr 1939. Während im Artikel Rädlein wörtlich zitiert werde, handele es sich im Originaltext um indirekte Rede. Es könne sein, dass der Berichterstatter 1939 seine eigenen Formulierungen habe einfließen lassen, so Dunkelberg. Sein Amtskollege von der CDU, Georg Freiherr von Lünink, ergänzte, eine wissenschaftliche Begutachtung sei notwendig, um eine sachliche Bewertung zu finden.

Schlussendlich stimmten nur Grüne und FWG für ihren Antrag, auf das Gutachten zu verzichten. Die Mehrheit votierte dagegen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.