Eltern der Schüler sollen für kostendeckenden Betrieb aufkommen 

Bad Sooden-Allendorfs Parlament dreht Sportinternat den Geldhahn zu

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Überfüllte Zuhörertribüne: Auf riesiges Interesse stieß in Freitagssitzung de Badestädter Parlaments die Debatte über die Zukunft des Sportinternats.

Bad Sooden-Allendorf. Bad Sooden-Allendorfs Stadtverordnete stimmen für weniger finanzielle Unterstützung an das Sportinternat. Bürgermeister Frank Hix hat einen "Plan B".

Erwartungsgemäß hat das Badestädter Parlament dem Sportinternat an der Rhenanus-Schule den Geldhahn zugedreht und in seiner Freitagssitzung mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die defizitäre Einrichtung ab kommendem Schuljahr nicht mehr aus städtischen Mitteln zu bezuschussen. Konkret reduzierten die Stadtverordneten den laut Schutzschirmvertrag erlaubten Verlustausgleich von 50.000 Euro um die Hälfte und folgten damit einem Antrag von Grünen und SPD, wonach ab diesem Sommer die Eltern der Schüler für den kostendeckenden Betrieb aufkommen sollen.

War’s das jetzt mit dem Internat? Nicht unbedingt. Denn unmittelbar nach der Sitzung, die bis 23.30 Uhr dauerte, präsentierte Bürgermeister Frank Hix (CDU) auf HNA-Anfrage einen „Plan B“, wie die jetzt fehlenden 25 000 Euro doch noch zusammengebracht werden können, machte aber gleichzeitig deutlich, dass in der Zukunft dann tatsächlich die Eltern gefordert seien.

Vor knapp 100 Zuhörern, die sich wegen Überfüllung der Tribüne bis auf die Empore des Hochzeitshaussaals verteilten, entwickelte sich eine zeitweise äußerst harte Debatte, in der sich Hix schützend vor das Internat stellte, das früher einmal auch unter dem Aspekt, die gynmnasiale Oberstufe zu erhalten, mit beinahe 300.000 Euro jährlich von der Stadt gefördert worden sei. Eine Schließung würde für die Schüler, die auch Einwohner der Stadt seien, „eine unheimliche soziale Härte“ bedeuten. Hier gehe es auch um Vertrauensschutz, warnte der Bürgermeister vor möglichen Schadenersatzklagen der Eltern.

Befürworter verteidigten den Antrag von Grünen und SPD. Angesichts eines immer noch defizitären Haushalts von aktuell gut 1,36 Millionen Euro und eines immensen Schuldenberges von mehr als 57 Millionen bleibe - so leid es ihnen tue - gar nichts anderes übrig, als jetzt auch ans Sportinternat ranzugehen.

Es komme darauf an, die ohnehin etwa durch Grundsteuern und Kita-Gebühren gebeutelten Bürger nicht weiter zu belasten. „Wir ziehen jetzt die Reißleine“, warf Martin Herrmann (Grüne) dem Bürgermeister eine verfehlte Haushaltsführung sowie einen Mangel an politischer Verantwortung, Teamfähigkeit und Kompromissbereitschaft vor. Hix verteile Geschenke und tue so, „als könnten wir uns alles leisten“.

Es sei schwer genug, die im Schutzschirmvertrag bis zum Jahr 2020 geforderte „schwarze Null“ zu erreichen und mindestens drei Jahre zu halten, befürchtete SPD-Fraktionschef Peter Hieronimus bei Nichterfüllung dieser Vorgaben hohe Regressforderungen des Landes. FDP-Mann Dr. Hartmut Dunkelberg rechnete vor, zwischen 2010 und 2014 sei die jährliche Belastung einer „Modellfamilie in Bad Sooden-Allendorf“ um mehr als 1100 Euro gestiegen.

Georg von Lüninck von der CDU und Lorenz Faßhauer von den Freien Wählern sprachen sich dafür aus, Land und Bund stärker in die Pflicht zu nehmen.

Zur Rettung des Sportinternats will Bürgermeister Frank Hix nun versuchen, die Eltern der aktuellen Internatsschüler dazu zu bewegen, höhere Gebühren zu zahlen, die in jedem Fall schon jetzt für neue Internatler fällig würden. Außerdem plant Hix, die vom Stadtparlament gestrichenen 25.000 Euro mit der Hilfe eines Fördervereins aufzubringen. Darüber hinaus habe sich der Internatsleiter Ralf Gedeck bereit erklärt, bis Jahresende auf 25 Prozent seines Monatsgehalts zu verzichten.

Gegenwärtig sind für einen Internatsplatz für Kost und Logis monatlich 850 Euro zu brappen.

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