Schaden ist noch nicht reguliert

Baum stürzte auf Zelt: Angler im Rechtsstreit mit der Stadt Bad Sooden-Allendorf

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Gespanntes Warten auf die Entscheidung des Gerichts: Dieta und Wolfgang Seebach in den Resten ihres zerstörten Zeltes, das von einer aufwendig verarbeiteten Holzkonstruktion getragen wurde.

Bad Sooden-Allendorf. „Eine Ruine“, stöhnt Wolfgang Seebach. An seinen Forellenteichen zwischen Bad Sooden-Allendorf und Asbach hockt der Fischwirtschaftsmeister mit seiner Frau Dieta in den Trümmern seines Zeltes, das ein umstürzender Baum vor 15 Monaten komplett zerstört hat.

Bis heute ist der Schaden, den der 74-Jährige auf knapp 20.000 Euro beziffert, noch nicht reguliert. Die Angelegenheit beschäftigt seit Langem Rechtsanwälte und inzwischen auch das Gericht, das jetzt einen Sachverständigen einschalten will.

Die Sache ist etwas verzwickt. Denn: Die alte Eiche, die seinerzeit wie aus dem Nichts umstürzte, stand gegenüber auf einem städtischen Grundstück. Und das 32 Quadratmeter große Zelt, das ihr zum Opfer fiel, schützte Angler nicht nur vor Regen. Zu Ausbildungszwecken traf sich dort regelmäßig auch der Nachwuchs der Binnenfischer. Die Frage aller Fragen: Ist die Stadt für den Schaden haftbar zu machen?

Aus Gleichgewicht gebracht

„Ja“, meint Seebach. Denn ein Baumsachverständiger habe ihm bescheinigt, die etwa hundert Jahre alte Eiche mit einem Stammumfang von bis zu zweit Metern habe „in einer erkennbaren Patenschaft zu einer Buche“ gestanden. Anders ausgedrückt: Die Bäume hätten sich gegenseitig berührt. Und wegen ihres schnelleren Wachstums habe die Buche die Eiche aus dem Gleichgewicht gebracht und schließlich vom Hang über die Straße auf sein Grundstück stürzen lassen.

Dabei hatte der Baum nicht nur das Telefonkabel durchtrennt, das dort als Oberleitung geführt wird, Zaun und Hecke des Seebach-Areals auf einer Länge von sechs Metern platt gemacht, sondern auch im Inneren des Zeltes erhebliche Schäden angerichtet. Vor knapp drei Monaten scheiterte ein Gütetermin vor Gericht. Es hatte vorgeschlagen, die reinen Materialkosten in Höhe von 12.000 Euro mögen sich die Parteien teilen.

Schamloses Angebot

Während die Stadt „nach anfänglichem Zögern“ diesem Vergleichsvorschlag zugestimmt habe, lehnte Seebach ab. „Schamlos“ fand er dieses Angebot. Schließlich gehe es um sein Geschäft, das dort aus sieben Zuchtteichen und einem Angelteich besteht. Und seine erhebliche Arbeitskraft sei überhaupt nicht berücksichtigt.

Definitiv entscheiden will das Gericht nach Vorliegen des Gutachtens, für das Seebach nach eigenen Angaben mit 1300 Euro in Vorleistung gehen musste.

Die Versicherung der Stadt Bad Sooden-Allendorf wollte sich mit Hinweis auf das schwebende Verfahren nicht zum konkreten Fall äußern. Ein Sprecher teilte auf Anfrage lediglich mit, wenn ein Baum umstürze, sei dessen Besitzer nicht automatisch für Schäden haftbar, sondern nur dann, wenn ein nachweisbares Verschulden vorliege.

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