Zurück in die Kindheit

Beim Modellbau in Bad Sooden-Allendorf werden Männer zu Lokführern

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Der harte Kern der Modellbauer: Uwe Neuenroth (von links), Stefan Gernhuber, Heinrich Brencher und Karl-Heinz Barthel in der zur Werkstatt umfunktionierten Garage an der Waldisstraße in Allendorf.

Bad Sooden-Allendorf. Als kleiner Bub, erinnert sich Karl-Heinz Barthel, habe er „lange bitten und betteln müssen“, bis er die heiß begehrte, aber „ziemlich teure“ Märklin-Eisenbahn erhalten habe.

Heute kann sich der 54-Jährige in seine Kindheit versetzen, wann immer er das möchte. Dann spielt er nicht nur den Lokführer, sondern gern auch mal den Kapitän.

Barthel ist im „richtigen“ Leben Maler und Verputzer und obendrein einziges noch aktives Gründungsmitglied und Vorsitzender des Modellbauclubs Bad Sooden-Allendorf, der vor 17 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Neben Barthel gehören auch der gelernte Maler Uwe Neuenroth (53), der 36-jährige Tischler Stefan Gernhuber („Handwerker sind bei uns goldrichtig“) und der pensionierte Zollbeamte Heinrich Brencher (63), der schon als Zehnjähriger seine eigene Eisenbahn kreisen ließ, zum harten Kern des Clubs, der 15 aktive Mitglieder und einige treue Helfer zählt.

Mit nur einer Lok, drei Waggons und einem Schienenkreis mit einem Durchmesser von gerade mal 1,50 Meter hat alles begonnen. Heute packen die Modellbauer die Anhänger von vier Autos voll, um ihre 300 Quadratmeter große Anlage samt Zubehör zu verstauen und drei Mal im Jahr zum Schwanenteich in Sooden zu transportieren, wo die Stadt das Gewässer für die Schiffe der Marke Eigenbau und eine Rasenfläche für die Eisenbahn-Anlage zur Verfügung stellt.

Locker drei Stunden dauert dann der Aufbau – und geht mächtig ins Kreuz. Denn pausenlos müssen sich die Modellbauer ganz tief bücken, um 200 Meter Schienen passgenau zu verlegen. Aus 250 Einzelteilen mit einer Länge zwischen fünf Zentimetern und 1,80 Meter besteht allein die Gleisanlage. Mehrere hundert Deko-Teile kommen hinzu, angefangen vom großen Bahnhof über kleine Häuser bis zu maßstabgerechten Bäumen und menschlichen Figuren.

Traditionell beim bevorstehenden Brunnenfest an Pfingsten, konkret am Samstag, 3. Juni, präsentieren sich die Modellbauer wieder vor heimischer Kulisse. Jungs und Mädels können dann auch wieder ihren „Bootsführerschein“ machen, indem sie die Schiffsmodelle auf dem Schwanenteich ihre Runde drehen und ohne Havarie in die Hafenanlage zurückkehren lassen.

Urkunde als Lohn

Lohn für die kleinen Kapitäne: eine Urkunde mit Namen und Datum. Lohn für die Modellbauer: strahlende Kinderaugen und glückliche Eltern.

Eine langjährige Freundschaft verbindet die Badestädter Modellbauer mit den Kollegen aus Göttingen sowie dem Mini-Truck-Team aus Rosdorf, dem sie erst kürzlich die eigene Anlage präsentierten. (zcc)

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