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Science Fiction in Nordhessen: Service-Roboter bedienen in Gaststätte

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Von: Stefan Forbert

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Die vom Bella-Bot aus der Küche an den Tisch gefahrenen Speisen werden Julia Gerstenberg und Sascha Gros aus Kleinvach von Hotelfachfrau Doreen Kaps serviert.
Dienstbarer Geist im Restaurant: Die vom Bella-Bot aus der Küche an den Tisch gefahrenen Speisen müssen sich Julia Gerstenberg und Sascha Gros aus Kleinvach nicht selbst nehmen, sie werden von Hotelfachfrau Doreen Kaps serviert. © Stefan Forbert

In Bad Sooden-Allendorf erwartet die Gäste eine Bedienung der ganz besonderen Sorte: In einem Hotel kümmern sich Roboter um das Wohl der Besucher.

Ahrenberg – Sie heißen „die Bellas“ und warten ruhig auf ihre Einsätze: Zwei Service- und Transportroboter übernehmen seit wenigen Wochen im Hotel-Restaurant Ahrenberg hoch oberhalb Bad Sooden-Allendorf Dienste wie ein Hilfskellner. Sie bringen die Bestellungen aus der Küche an die Tische. Dort übernehmen Restaurantfachfrauen, also „richtige“ Servicekräfte, die Teller mit den dampfenden Speisen und legen sie den Gästen vor. Und Geschirr nehmen die sogenannten Bella-Bots gleich mit zurück zur Spülküche.

Fehlender Nachwuchs und Mangel an Fachkräften in der Gastronomie haben Silke Stöber-Meyer, die Chefin von Hotel und Restaurant Ahrenberg, zu der nicht ganz günstigen Anschaffung – jeder ihrer Roboter aus chinesischer Fabrikation kostete knapp 20.000 Euro – bewogen. Personal, versichert sie, sollen die Maschinen nicht ersetzen, stattdessen die Mitarbeiter entlasten. Auch die Gäste sollen davon profitieren, denn um die könnten sich die Servicekräfte so mehr kümmern.

Die Restaurantfachfrauen brauchen die Bestellungen nun nur noch einbongen und könnten auf Speisen und Getränke warten. Das ineffiziente Warten am Pass in der Küche und an der Theke fällt jetzt weg, nennt Stöber-Meyer eine wichtige Verbesserung. Und sie müssten nicht mehr so schwer tragen. Bis zu 40 Kilogramm können einer „Bella“ aufgebürdet werden, das ist beim Abräumen einer großen Tafel besonders hilfreich.

Bad Sooden-Allendorf: Dank Robotern geht „alles etwas flotter“

„Früher mussten wir auch noch das Besteck vorsortieren“, freut sich auch Servicekraft Doreen Kaps über den unkomplizierten Helfer, der bemüht nicht im Weg stehen will. Aber das ist wie alles andere auch eine Sache der Programmierung. GPS-gesteuerte Fahrwege, Wartebereiche, Haltezonen – alles wurde robotergerecht markiert und eingegeben.

Anfangs, räumt die Geschäftsführerin ein, sei das Personal wegen der neuen dienstbaren Geister skeptisch gewesen. Um die Arbeit so einfach wie möglich zu machen, sei der Betrieb insgesamt digitaler geworden. Doch nach wenigen Wochen überwiegt die positive Einstellung. „Wenn man jemandem zum Helfen hat, ist das sehr unterstützend“, findet Doreen Kaps.

Die Hotelfachfrau im Service ist seit 25 Jahren im Hotel-Restaurant Ahrenberg. Gerade beim Abräumen einer großen Gesellschaft habe man die Vorteile schnell erkannt: „Schon ging es etwas flotter“, sagt sie. Auch eine Kollegin freut sich, dass ihr so Wege erspart bleiben. Wichtig findet sie, dass den Gästen das Essen aber noch selbst serviert wird.

Roboter-Bedienung in Bad Sooden-Allendorf: Gemischte Gefühle unter den Generationen

Die Meinung über „Bella“ bei den Gästen sei sehr unterschiedlich. Während sich die ältere Generation noch nicht so mit der technischen Neuerung anfreunden könne, kommt sie gerade bei den Kindern gut an. Julia Gerstenberg und Sascha Gros aus Kleinvach, die jüngst zum Essen auf dem Ahrenberg waren, fanden „Bella“ gleich ein „cooles Ding“ – „Das amüsiert mich“, befand die Kleinvacherin.

Das liegt auch an einer witzigen Eigenschaft, die man mit einer Maschine nicht unbedingt verbindet, aber sogar dem Personal Spaß macht: Streichelt man dem Roboter über den „Kopf“, macht er – passend zu dem Katzengesicht auf dem Display – „miau“. Am Tisch kann Bella „Hier kommt Ihre Bestellung“ sagen und, wenn ein Gast Geburtstag hat, sogar das passende Ständchen singen.

So ganz Maschine sind die beiden Bellas also nicht. Hin und wieder streicheln auch die Mitarbeiter in der Küche den neuen Kolleginnen über ihre „Ohren“ – doch wenn zu lange, verzieht das Katzengesicht selbiges. Bei in den USA angebotenen ähnlichen Servicerobotern habe dieser Niedlichkeitsfaktor gefehlt, begründet Silke Stöber-Meyer ihre Wahl dieser Bella-Bots: „Die anderen waren sehr anonym, ohne Gesicht und Töne“. Bahnt sich also ein „Generationswechsel“ in der Gastronomie an – von der singenden Winzerin und dem pfeifenden Wirt zum maunzenden Kellnerroboter? (sff)

Dass Roboter in der Gastronomie eine enorme Hilfe sein können, zeigte auch eine Veranstaltung des Unternehmens Gastrodina in Korbach.

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