Brustkrebs: Ärzte gaben ihr drei Jahre

Patientin findet Hilfe in onkologischer Ambulanz der Sonnenberg-Klinik

Regelmäßig am Tropf: Die 77-jährige Brustkrebs-Patientin erhält von Chefarzt Dr. Zahner eine Infusion zur Stärkung ihrer Knochen.
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Regelmäßig am Tropf: Die 77-jährige Brustkrebs-Patientin erhält von Chefarzt Dr. Zahner eine Infusion zur Stärkung ihrer Knochen.

Hermine Müller wird in der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf bei einer Krebserkrankung geholfen.

Bad Sooden-Allendorf – Mammakarzinom: Die Schock-Diagnose erhielt Hermine Müller (Name von der Redaktion geändert), da war sie gerade mal 43 Jahre jung. Weil der Brustkrebs auch noch streute und Metastasen das Skelett angriffen, gaben die Ärzte ihr nur noch drei Jahre. Die prognostizierte Lebenserwartung hat die 77-Jährige aus Eschwege weit übertroffen.

In der onkologischen Ambulanz der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf ist die zierliche Frau Stammgast. Alle fünf Wochen hängt sie dort knapp zwei Stunden am Tropf. Die Infusionen stärken ihr Knochengerüst. Das ist auch nötig. Frakturen hat sie schon an Schulter, Rippen und Becken erlitten.

Wie Hermine Müller hofft auch der Chefarzt der Klinik, Privatdozent Dr. Johannes Zahner, dass diese Ambulanz dem 270-Betten-Haus noch lange erhalten bleibt.

Eine Bedrohung sieht der Mediziner in einem „sehr starken Fachkräftemangel“. Die sei zwar augenblicklich nicht so groß, weil viele Patienten aus Furcht vor dem Coronavirus ihre Reha-Maßnahmen hinausschöben und folglich für die Belegung der Klinik noch viel Luft nach oben sei. Aber: „Bei voller Auslastung werden wir Versorgungsschwierigkeiten bekommen.“

Im Ansatz habe sich das Problem schon jetzt gezeigt, als es ein Jahr gedauert habe, bis die Stelle einer medizinisch-technischen Assistentin habe besetzt werden können – von einer Mitarbeiterin im mehr als 60 Kilometer entfernten Ludwigsau. Täglich verbringt die Pendlerin über zwei Stunden im Auto. 180 Beschäftigte, davon die Hälfte in Teilzeit, zählt die Klinik aktuell. Und ihrem Chef schwant schon, was auf ihn zukommt, wenn das Haus nach dem Corona-Spuk wieder voll belegt ist: „Dann benötige ich 180 Vollzeitstellen plus 30 weitere.“ Im Jahr rund 1000 Patienten, davon die allermeisten aus dem Werra-Meißner-Kreis, suchen zur Nachbehandlung die onkologische Ambulanz auf, kommen im Schnitt dreimal, in der Regel zur Chemotherapie nach Brust-, Prostata-, Magen- oder Darmoperationen.

Überwiegend seien es Senioren, weil einerseits Tumoren eine häufige Erkrankung im hohen Lebensalter seien, andererseits es in der Region vergleichsweise wenige junge Menschen gebe, die zumeist auch gesund seien. Müsse die Ambulanz irgendwann wegen Personalmangels schließen, wäre das, so Dr. Zahner, „schon sehr blöd“. Patienten müssten dann ausweichen nach Kassel, Göttingen, Eisenach oder Bad Hersfeld: „Umständlich und für die alten Leute eine Tagesreise.“

Behandelt werden in der Ambulanz der Sonnenberg-Klinik, die neben der Onkologie eine neurologische Abteilung hat, auch Patienten mit Bluterkrankungen, aber ohne Tumor. Beispielsweise bei Eisenmangel werden sie mit Infusionen versorgt, welche die Blutbildung stimulieren. Ein seltener Fall der Bluterkrankung ist dem Chefarzt bei einem 70-jährigen Patienten begegnet. Dessen große Leidenschaft war das Tennisspielen. Als der erfuhr, nie wieder die Filzkugel über das Netz schlagen zu können, lehnte er eine Behandlung ab – und war wenige Monate später tot. Zahner: „ Wir können dem Patienten nur gewisse Optionen anbieten. Aber entscheiden kann nur er selbst.“ (Chris Cortis)

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