Privater Konflikt wird auf Landesebene getragen

Bürgermeister Hix schwärzt Landtagsabgeordneten Landau bei CDU-Landeschef an

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Die beiden Streithähne mit Ministerpräsident Volker Bouffier: Unser Foto entstand beim Erntefest 2013 in Bad Sooden-Allendorf und zeigt Wirt Christian Pelikan (von links), Bürgermeister Frank Hix, den heutigen hessischen Innenminister Peter Beuth, Ministerpräsident Volker Bouffier und Landtagsabgeordneten Dirk Landau.

Von Stefan Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Mit einem Brandbrief hat sich Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix (CDU) an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier in dessen Eigenschaft als CDU-Landesvorsitzender gewandt, um ihn über „die Vorgänge“ mit dem Bad Sooden-Allendorfer CDU-Landtagsabgeordneten Dirk Landau „zu informieren“. Zugleich droht Hix in dem Schreiben indirekt an, aus der Partei auszutreten.

Heftigster Vorwurf in dem Brief: Landau soll den pädagogischen Leiter des Bad Sooden-Allendorfer Sportinternats auf einem öffentlichen Parkplatz bezichtigt haben, seinen Schülern Drogen zu verkaufen. Der Vorfall wurde Hix vom Internatsleiter berichtet.

Landau gefährde den Ruf des Leiters ebenso wie den des Sportinternats erheblich, schreibt Hix. Als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Internats müsse er seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachkommen und wolle zudem Schaden von der Einrichtung abwenden, um deren Zukunft aus finanziellen Gründen gerade gekämpft wird.

Hix schildert in dem Schreiben an Bouffier, das er in Kopie auch an den Generalsekretär der CDU Hessen, die Vorstände von CDU-Kreisverband und CDU-Stadtverband sowie die CDU-Stadtverordnetenfraktion von Bad Sooden-Allendorf schickte, noch weitere „Handlungsweisen“ Landaus. So soll er von dem Abgeordneten unter anderem für ein Ordnungswidrigkeitsverfahren der Stadtverwaltung verantwortlich gemacht worden sein. Ferner habe Landau versucht, negative Stimmung gegen ihn und die Stadt zu machen.

Landau wollte gegenüber unserer Zeitung auf die Vorwürfe in dem Schreiben nicht eingehen. Er halte den Brief „inhaltlich für abenteuerlich“ und „vom Zeitpunkt und vom Adressatenkreis her für verwunderlich“. Die Angelegenheit werde schon bald im CDU-Kreisvorstand diskutiert. Der erwarte, dass er vorher öffentlich nicht mehr dazu sage. 

CDU-Gremien wollen zwischen Streithähnen schlichten

Eine Antwort auf seinen Brief an den CDU-Landesvorsitzenden Volker Bouffier hat Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix bis gestern noch nicht erhalten. Ob er überhaupt eine bekommt? Das ließ Christoph Weirich, der Pressesprecher der CDU Hessen, in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung an Bouffier offen. Weirich erklärte, dass es sich „offensichtlich um einen privaten Konflikt zwischen zwei Personen“ handele. „Dies ist keine Angelegenheit der Landespartei“, sagte er. „Wir“ – und damit meine er „die CDU Hessen“ – „gehen aber davon aus, dass sich beide Seiten um einen konstruktiven Weg zur Konfliktlösung bemühen werden.“ 

In der Vorstandssitzung der CDU Werra-Meißner am Donnerstag würden der Brief und der Konflikt zwischen Hix und Landau thematisiert, kündigte Kreisvorsitzende Lena Arnoldt an. Sie bedauere die ganze Sache und dass es soweit gekommen sei. Als CDU-Kreisvorsitzende werde sie alles daran setzen, „wieder Einigkeit herzustellen“. Eine Einladung zu einem „grundsätzlichen Gespräch“ haben Hix und Landau auch schon vom neuen CDU-Stadtverbandschef Björn Wiechern und vom Badestädter CDU-Fraktionsvorsitzenden Georg von Lüninck erhalten. Beide halten den Weg, sich an den Ministerpräsidenten zu wenden, für falsch und verurteilen zugleich die in dem Brief geschilderte öffentliche Anschuldigung gegen den Internats-Leiter. 

Nun wolle man versuchen, eine Einigung zu finden und in der CDU zu Frieden zu kommen, sagte Wiechern. Und von Lüninck findet den Vorgang „ziemlich blöd von beiden“. Beide hätten etwas falsch gemacht und es jetzt übertrieben. Letztlich schade die Sache nicht nur der CDU, sondern der gesamten Kommunalpolitik. 

Es sei nicht geplant gewesen, den Konflikt in der Öffentlichkeit auszutragen, bedauerte Hix. Wie er sagte, wollte er mit dem Brief einen „Schlussstrich ziehen, um uns auf die Arbeit zum Wohle der Stadt konzentrieren zu können“. Statt die Zustände in der Stadt öffentlich schlecht zu machen, sollte Landau sich lieber um Unterstützung zum Bewältigen der vielen Aufgaben kümmern, verwies Hix auf Einträge Landaus bei Facebook, die laut dem Brief „geeignet sind, sowohl die Stadt als auch meine Arbeit in ein schlechtes Licht zu rücken“. 

Da Landau mehrere Gesprächsangebote seinerseits nicht angenommen habe, habe er nun keine andere Möglichkeit mehr gesehen, begründete er den Brief. Zum Inhalt seines Schreibens wollte Hix nicht Stellung nehmen. 

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