Corona-Krise im Werra-Meißner-Kreis

Angehörige klagt über mangelnden Schutz in Seniorenheim - Leitung weist Vorwürfe zurück

Brennpunkt für Corona-Infizierung: Weil mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Bewohner des Seniorenzentrums Nettling Bad Sooden-Allendorf mit dem Covid-19-Virus infiziert wurden, drohte dort bis vor Kurzem ein Personalnotstand. 
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Brennpunkt für Corona-Infizierung: Weil mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Bewohner des Seniorenzentrums Nettling Bad Sooden-Allendorf mit dem Covid-19-Virus infiziert wurden, drohte dort bis vor Kurzem ein Personalnotstand. 

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Die Tochter eines Bewohners des Seniorenzentrums Nettling hat nun die Heimaufsicht in Kassel informiert. Ihr Vater sei ohne Schutzausrüstung behandelt worden sein. 

  • Das Coronavirus breitet sich im Werra-Meißner-Kreis weiter aus
  • Auch die Seniorenheime in der Region hat das Virus schon erreicht
  • Nun erhebt die Tochter eines Heimbewohners schwere Vorwürfe gegen ein Seniorenheim

Witzenhausen - Heftige Vorwürfe erhebt die Tochter eines Bewohners des Seniorenzentrums Nettling (Werra-Meißner-Kreis) gegen die geschäftsführende Heimleitung: Da werde „schlampig gearbeitet“. 

Das beklagt Barbara Sponsel aus Bad Sooden-Allendorf. Trotz der Corona-Gefahr hätte niemand von den Mitarbeiterinnen in der Einrichtung bis Anfang April Mundschutz und Handschuhe getragen. Das habe sie selbst gesehen, sagt sie.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Mit Bronchitis ohne Schutzausrüstung behandelt 

Besonders störte sie das Fehlen von Mund- und Handschutz, als ihr Vater vor gut zwei Wochen mit Bronchitis im Bett gelegen habe. Da sei er auch von einer Alltagsbetreuerin besucht worden, bei der später die Infizierung mit Covid-19 festgestellt worden sei.

Vor zehn Tagen fiel dann auch der Corona-Test bei dem Senior positiv aus. Der 87-Jährige kam nach vier Tagen aus dem Krankenhaus zurück ins Heim; ihm geht es – nach Auskunft der Tochter – gut.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Heimleiter weist Vorwürfe zurück

 Gerd Kniese, Geschäftsführer und Heimleiter des Seniorenzentrums Nettling (

Werra-Meißner-Kreis

), verweist bezüglich der Vorwürfe darauf, dass das Robert-Koch-Institut – die deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten – zum damaligen Zeitpunkt das Tragen von Schutzmasken und Handschuhen gar nicht empfohlen habe. Er selbst habe angewiesen, dass Mitarbeiterinnen mit Schnupfen und Husten einen Mundschutz tragen sollten – die meisten hätten das auch gemacht.

Als „Falschinformation“ weist Kniese ferner die Behauptung von Barbara Sponsel zurück, er habe dem Personal die Herausgabe von Schutzutensilien verweigert. „Das stimmt nicht“, sagt er. Sie sagt wiederum, dies von mehreren Mitarbeiterinnen persönlich erfahren zu haben.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Maßnahmen laufen erst Ende März

Kniese berichtet aber auch, dass Ende März sämtlicher Mundschutz – und ebenso übrigens auch das Desinfektionsmittel – „abhanden gekommen“ sei. In Verdacht hat er diesbezüglich sein Personal. Der gestohlene Bestand sei von ihm aber wieder aufgefüllt worden.

Laut Kniese tragen aktuell alle Mitarbeiterinnen Mundschutz, auch jene, die bereits von Corona genesen und damit jetzt immun seien.

Barbara Sponsel hat jedenfalls, wie sie sagt, die ganze Sache bei der Betreuungs- und Pflegeaufsicht Hessen angezeigt.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Lage entspannt sich langsam

„Es entspannt sich“ – So äußerte sich Heimleiter Gerd Kniese vom Seniorenzentrum Nettling am Mittwochnachmittag zur personellen Lage in dem einzigen im Werra-Meißner-Kreis von Corona-Infizierung betroffenen Alten- und Pflegeheim. Die Zuversicht, den Betrieb weiterhin aus eigener Kraft stemmen zu können, schöpft er aus den positiven Meldungen auf seinen Hilferuf vor wenigen Tagen. Vier junge Pflegefachkräfte hätten sich gemeldet und seien mittlerweile eingestellt worden. Eine weitere Pflegekraft wolle sich am Donnerstag vorstellen. 

Außerdem könnten die ersten Mitarbeiterinnen, denen für 14 Tage Hausquarantäne verordnet worden war, wieder nach und nach in den Dienst kommen. 

Für Mittwoch standen laut Kniese insgesamt 31 Mitarbeiterinnen zur Verfügung, für heute geht er von 34 aus. Nicht alle sind in der Pflege eingesetzt, sondern beispielsweise in der Küche. Um die rund 100 Bewohner zu betreuen, sei die Pflege „extrem runtergefahren worden“, nur das Nötigste werde gemacht. Die Pflegefachkräfte werden derzeit beim Verteilen von Essen und Trinken durch die Reinigungskräfte unterstützt.

Weitere Neuigkeiten zum Coronavirus im Werra-Meißner-Kreis sind im News-Ticker zu finden. 

Auch das Open-Flair in Eschwege (Werra-Meißner-Kreis) wurde nun im Zuge der Corona-Krise abgesagt. 

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