Bewohnern und Personal mit Corona infiziert

Emotionaler Facebook-Aufruf: Bürgermeister stoppt Schließung von Seniorenheim in Corona-Hotspot

Corona-Hotspot: Das Senioren- und Pflegeheim Rosengarten in Sooden. Unser Bild zeigt die Vorderansicht von der Straße aus.
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Corona-Hotspot: Das Senioren- und Pflegeheim Rosengarten in Sooden. Unser Bild zeigt die Vorderansicht von der Straße aus.

Dramatische Entwicklung in einem Seniorenheim: Fast alle Bewohner und Mitarbeiter wurden positiv getestet. So verhindert der Bürgermeister die Schließung.

  • Weil das Seniorenheim in Bad Sooden-Allendorf das Personal aufgrund von Corona-Infektionen ausgeht, drohte die Schließung.
  • Doch Bürgermeister Frank Hix startete einen Aufruf via Facebook - mit Erfolg.
  • Das Seniorenheim in Bad Sooden-Allendorf muss nicht schließen.

Bad Sooden-Allendorf – Wegen der hohen Zahl an infizierten Mitarbeitern standen für den Tagdienst am Montag lediglich fünf Beschäftigte zur Verfügung. Und am Abend stand die Evakuierung kurz bevor.

Erst kurz nach 19 Uhr konnte Bürgermeister Frank Hix doch noch Entwarnung geben. Er hatte eine Stunde zuvor über die sozialen Medien einen Hilferuf per Video veröffentlicht, ob jemand ganz kurzfristig einspringen könne. Nach letzten Informationen kurz vor Redaktionsschluss wollten zwei Großalmeröder sofort die Nachtschicht übernehmen.

Seniorenheim in Bad Sooden-Allendorf drohte wegen Corona zu schließen

Bis zum Nachmittag war schon fraglich, ob die Betreuung der Senioren im privat geführten Haus „Rosengarten“ überhaupt aufrecht erhalten werden kann. Am späten Nachmittag warf Heimleiterin Michaela Sippel, selbst seit dem Wochenende erkrankt und unter den Symptomen leidend, das Handtuch: Für die Nachtwache stand ihr keine Mitarbeiterin mehr zur Verfügung.

Auch ihre letzte Hoffnung, dass drei zwar als positiv getestete, aber zunächst symptomfreie Beschäftigte mit Genehmigung des Gesundheitsamtes eingesetzt werden könnten, zerstob am Nachmittag. Die Mitarbeiterinnen hatten inzwischen deutliche Anzeichen der Erkrankung.

Bad Sooden-Allendorf: Erste Corona-Infektion wurde in Vorwoche bekannt

Nachdem eine Bewohnerin am Dienstag voriger Woche wegen Atemnot ins Krankenhaus nach Witzenhausen kam und das Coronavirus in dem Heim festgestellt worden war, wurden alle Mitarbeiter und Bewohner getestet. Die meisten Testergebnisse standen Ende vergangener Woche aber noch aus.

Klar war zunächst nur, wie Heimleiterin Sippel am Freitag auf Anfrage berichtete, dass fünf von 14 Mitarbeiterinnen infiziert und in häusliche Quarantäne geschickt worden waren. Über das Wochenende starb dann eine mit dem Virus infizierte Bewohnerin. Und die Ergebnisse lagen nun vor – sie waren ernüchternd: 23 der 26 Bewohner sind angesteckt, ebenso 14 Mitarbeiterinnen.

Heimleitung von Seniorenheim in Bad Sooden-Allendorf: „Das ist ein Super-Gau!“

„Das ist ein Super-Gau“, sagte Michaela Sippel, die Leiterin und Inhaberin des privat geführten Seniorenheims „Rosengarten“, am Montagmittag am Telefon – hörbar mitgenommen, nicht nur durch die Erkrankung, die sie sich auch eingefangen hat. Sie sorgte sich um ihre restlichen Mitarbeiterinnen, die bereits am Limit seien.

Außerdem sorgte sich Sippel um vier Bewohner, die im Krankenhaus in Witzenhausen auf der Corona-Station behandelt werden. Bei einer schwer kranken Frau befürchtete sie das Schlimmste. Das alles treffe sie schon tief.

Wegen der sich schon am Wochenende abzeichnenden Krise hatte die Heimleiterin schon am Sonntag die Stadt alarmiert; das Soziale Krisenmanagement der Stadt Bad Sooden-Allendorf wurde tätig und bildete ein Krisengremium für den Corona-Hotspot. So wurde dann unter anderem organisiert, wie die Versorgung der Heimbewohner aufrecht erhalten werden könnte.

Seniorenheim in Bad Sooden-Allendorf: Krisenstab sorgt für Unterstützung

Dazu war Christian Pelikan, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes und zugleich Gastronom in der Badestadt, angesprochen worden. Wie Sippel berichtete, sicherte Pelikan selbst zu, Frühstück und Abendessen für die Heimbewohner vor die Tür stellen zu wollen. Das Mittagessen wird von einer anderen Senioreneinrichtung in Bad Sooden-Allendorf geliefert.

Ferner wurde im Krisenstab am Sonntag beraten, wie am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung erläutert wurden, wie die medizinische und pflegerische Versorgung sichergestellt werden könnte. An der Konferenz beteiligten sich danach neben dem Bürgermeister, dem Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes und einer Verantwortlichen des Sozialen Krisenmanagements Vertreter der ortsansässigen Rehakliniken, von Kirchengemeinden, Hospizdienst und Demenzbetreuung. Auch Vertreter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie des Landkreises wurden einbezogen. (Stefan Forbert)

Die Entwicklung der Corona-Fallzahlen im Werra-Meißner-Kreis gibt es in unserem News-Ticker.

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