Kurzarbeit für Mitarbeiter

Coronakrise: Klinik Werraland in Bad Sooden-Allendorf zahlt jeden Tag drauf

 Leere Betten im „Werraland“ (rechts): Klinik-Chefin Dorothee Junkermann sieht das Haus in einer schwierigen Situation.
+
 Leere Betten im „Werraland“ (rechts): Klinik-Chefin Dorothee Junkermann sieht das Haus in einer schwierigen Situation.

Auch die Kur- und Rehakliniken in Bad Sooden-Allendorf leiden unter der Coronakrise. Das Eltern-Kind-Heim "Klinik Werraland" musste seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Wir waren dort.

Im Zwei-Zimmer-Apartment deutet Dorothee Junkermann (58) mit traurigem Blick auf ein Bett. Es ist leer wie die anderen 119 in der Klinik Werraland in Bad Sooden-Allendorf.

„Der letzte Patient hat uns am 31. März verlassen“, sagt die Chefin des Zentrums für Familiengesundheit, das im vergangenen Jahr sein 140-jähriges Bestehen feiern konnte. Und: „Wann und wie es weitergeht, wissen wir nicht.“ Das Haus, in dem aus allen Teilen Deutschlands Mütter, Väter und Kinder Entlastung, Therapie und Hilfe finden, wenn die Familie aus dem Gleichgewicht geraten ist, wurde von der Coronakrise besonders hart getroffen.

Den Einschränkungen des Infektionsschutzgesetzes folgend, wurde die Klinik zum 1. April geschlossen. Sie tat das in eigener Verantwortung, weil es im Gegensatz zu anderen Bundesländern eine behördliche Anordnung in Hessen nicht gegeben hat. Und genau das ist der Grund, warum die Betriebsausfallversicherung jetzt nicht greift: „Hätte das Land uns zur Schließung aufgefordert, wären wir abgesichert gewesen.“

Die Keimzelle des Heilbades ( links): Seit mehr als 140 Jahren besteht die Klinik Werraland in Bad Sooden-Allendorf. 

Immerhin: Auf Drängen auch von Landrat Stefan Reuß und des heimischen Bundestagsabgeordneten Michael Roth schob Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erst in diesen Tagen ein 730 Millionen Euro schweres Hilfspaket nach, von dem neben Physiotherapeuten und Logopäden auch Eltern-Kind-Kliniken profitieren sollen.

Für das „Werraland“ bedeutet das, dass Berlin 60 Prozent des Ertragsausfalls ersetzt für jedes Bett, das nicht belegt ist. Weil aber das überwiegend 67-prozentige Kurzarbeitergeld für das gesamte Personal aus 70 Beschäftigten von dem Zuschuss abgezogen wird, bleibt unter dem Strich ein Minus.

Anders ausgedrückt: Die Klinik zahlt jeden Tag drauf. Das sei aber nur für einen beschränkten Zeitraum durchzuhalten, spricht Junkermann von einer „schwierigen Situation“. „Wir unterstützen alle aktuellen Einschränkungen und finden sie auch richtig“, betont die 58-Jährige ausdrücklich. Ganz wichtig sei aber eine klare Aussage, wann die Klinik wieder Patienten aufnehmen dürfe, appelliert sie an die Landesregierung, die auf einen Hilfeschrei noch nicht einmal geantwortet habe: „Wir fühlen uns sehr allein gelassen.“ Demgegenüber unterstütze das „Werraland“ Kreis und Land, indem es sich bereit erklärt habe, Patienten aufzunehmen, die nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht nach Hause entlassen werden könnten.

Trotz aller Nöte gibt sich Junkermann optimistisch: „Wir haben schon zwei Weltkriege überstanden und werden auch diese Krise überleben. Ich weiß nur nicht, wie.“ Wichtig sei, dass die Beschäftigten ihre Zuversicht behielten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.