Coronavirus

Studierende in Bad Sooden-Allendorf haben Angst um Familien in China

Sorgen sich um ihre Familien: Zhang Weiran (von links), Chen Yajing, He Xin und Liu Jingsi (ganz rechts), hier mit Diploma-Präsidentin Michaela Zilling, Betreuerin Wang Li und Studienbereichsleiterin Sylke Umbach.
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Sorgen sich um ihre Familien: Zhang Weiran (von links), Chen Yajing, He Xin und Liu Jingsi (ganz rechts), hier mit Diploma-Präsidentin Michaela Zilling, Betreuerin Wang Li und Studienbereichsleiterin Sylke Umbach.

Weil in Bad Sooden-Allendorf viele Studierende aus China leben, fürchten sich einige Badestädter vor einer Ausbreitung des Coronavirus. Wir haben mit vier Studierenden gesprochen.

  • Studierende in Bad Sooden-Allendorf sorgen sich um ihre Familien in China.
  • Vier chinesische Studierende machen Anfeindungen zu schaffen.
  • Ihre Kommilitonen sind wütend über die Sprüche.

Wenn Liu Jingsi das Hauptgebäude der Diploma-Hochschule in Bad Sooden-Allendorf betritt, desinfiziert sie sich an einem bereitstehenden Spender die Hände. Das ist für die chinesische Studentin in der Grippesaison völlig normal. Ihre Eltern daheim in Wuhan müssen sich dagegen derzeit nicht nur vor der Grippe, sondern auch vor dem neuen Coronavirus schützen.

Der Markt, auf dem das Coronavirus erstmals übertragen worden sein soll, liege ganz in der Nähe ihrer Wohnung, sagt Liu. Um das Coronavirus zu stoppen, müssten ihre Eltern wie alle Menschen in Wuhan in der Wohnung bleiben, die Schule ihres jüngeren Bruders ist geschlossen. 

Angst vor Coronavirus: Studierende machen sich Sorgen um ihre Familien in China

„Die Lage ist schlimm“, sagt die junge Frau, die gerade erst ihr Studium an der Diploma aufgenommen hat und nun tausende Kilometer von ihrer Familie entfernt in Bad Sooden-Allendorf sitzt. „Ich mache mir große Sorgen“, sagt Liu. Regelmäßig hält sie mit den Eltern Kontakt, meistens über Anrufe und die Handy-App „Wechat“.

„Wir können vor hier aus ja auch nicht helfen“, meint Chen Yajing. Ihre Mutter in der ebenfalls vom Coronavirus betroffenen Region Hubei bleibe freiwillig zuhause, um sich nicht anzustecken. Die Familie von Student He Xin lebt in der Provinz Chongqing, wo es ebenfalls viele Coronavirus-Fälle gibt. Einkäufe bestelle sie derzeit vor allem über das Internet, denn es dürfe nur eine Person pro Familie ihre Wohnanlage verlassen – und das auch nur mit einem Berechtigungsschein. 

Coronavirus in China: Familien bleiben zuhause

Auch die Familie von Zhang Weiran bleibt derzeit zuhause – obwohl sie 1200 Kilometer von Wuhan entfernt in Peking lebt. „Es geht immer nur einer einkaufen, um einen Mundschutz zu sparen“, sagt Zhang. Mittlerweile seien die in China kaum noch zu bekommen. Ein Diploma-Student habe deshalb kürzlich für 2000 Euro Mundschutz-Packungen in Eschwege gekauft und zu seiner Familie nach Wuhan geschickt, berichtet Wang Li, die an der Diploma die chinesischen Studierenden betreut.

Anders als in Deutschland ist es in China viel üblicher, einen Mundschutz zu tragen, um sich vor Grippeviren oder Smog zu schützen, sagen die Studierenden. Auch Kreis-Sprecher Jörg Klinge mahnt zur Besonnenheit: Ein Mundschutz sei kein Zeichen, dass der Träger eine ansteckende Krankheit habe. Es gehöre in Asien zum guten Ton, sich und andere damit zu schützen. 

Coronavirus: Kommilitonen ärgern sich über Misstrauen in Bad Sooden-Allendorf

Dass einige Menschen in Bad Sooden-Allendorf Angst haben, sich bei ihnen mit dem Coronavirus anzustecken, dass sie dumme Sprüche dazu im Supermarkt zu hören bekommen – das macht die vier Studierenden betroffen. 

Viele ihrer Kommilitonen seien wütend gewesen, als sie hörten, dass eine Zahnarztpraxis in der Badestadt vorerst keine Chinesen mehr behandeln will, sagt Wang Li. Wenn man nur wenig wisse über eine Krankheit, sei Angst normal, sagt Chen Yajing. Sie wünscht sich aber, dass sich die Menschen besser über die Krankheit informieren – und nicht die Studierenden pauschal vorverurteilen.

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Von Friederike Steensen

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