Die Kirche im Dorf lassen: Die spätbarocke Kirche wurde 1598 erbaut

Die Kirche in Kleinvach wurde dem Erzengel Michael geweiht

Ansicht von hinten: Der später gebaute Treppenaufgang ist nur vom Gutshaus aus zugänglich.
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Ansicht von hinten: Der später gebaute Treppenaufgang ist nur vom Gutshaus aus zugänglich.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jedes hat mindestens eine Geschichte zu erzählen. Heute steht die Kirche in Kleinvach im Fokus.

Kleinvach – Ende des 16. Jahrhunderts diente Dr. Tobias von Hombergk, ein gelehrter Jurist, am Hofe des Landgrafen Moritz in Kassel als dessen Hauslehrer und Ratgeber, er wurde sogar der Leiter des Hofrats. Für seine Verdienste wurde von Hombergk mit dem Gut in Kleinvach belohnt.

Das verfallene Gutshaus in dem kleinen Fischerdorf an der Werra ließ er im spätbarocken Stil wieder aufbauen, so dass es heute beinahe aussieht, wie eine Miniaturausgabe des Eschweger Landgrafenschlosses. Für seine Gutsarbeiter und Bauern aber errichtete der fromme Protestant eine Kirche. Heute noch ist die Jahreszahl 1598 neben dem Wappen mit drei kleinen Bergen am Portal der Kirche zu lesen.

Engel hält Wacht

Die Kirche, ein flach überdeckter Saalbau, wurde dem Erzengel Michael geweiht. Und obwohl der Landesherr allen Kirchenschmuck missbilligte, wurde versteckt in einer Nische im Inneren eine thronende Engel-Figur angebracht, die nur von der Männer-Empore aus zu sehen ist.

In der Widmung unterstellte Tobias von Hombergk das Gotteshaus dem Schutz des kriegerischen Engels Michael. In der Festschrift „400 Jahre St. Michael“ haben der ehemalige Pfarrer Ernst Günther Lippmann und weitere Autoren die wichtigsten Details zum Kirchenbau festgehalten. 1903 wurde die Kirche um 5,6 Meter nach Osten erweitert und damit vergrößert.

Der Kirchenstand der Familie von Hombergk wurde auf die Empore verlegt. Die Männer, die bis dahin oben saßen, mussten nun unten links sitzen, die Frauen unten rechts.

Erneuerungen

Allerdings war bereits 50 Jahre vorher ein eigener Treppenaufgang von außen zur Empore angebaut worden, der vom Gutshaus aus zugänglich war. 1967 bekam die Kirche einen neuen Fußboden, der aber 1991 noch einmal umfänglich erneuert und abgedichtet werden musste. 1969 und 1982 wurde die Kirche von außen und von innen erneuert. Damals wurde auch eine Wetterfahne nach alter Vorlage angebracht und darin einige Schriften und Gegenstände aus der Geschichte des Ortes eingeschlossen. 1993 stürzte die Lehmdecke über der Orgel ein und musste erneuert werden. Zum 400-jährigen Jubiläum 1998 erhielt die Kirche ein neues Buntglasfenster hinter dem Altar, das von der Glaskünstlerin Christiane Schwarze-Kalkoff entworfen wurde.

Heute: Radwegekirche

Zuletzt wurde die Kirche 2019 saniert. „Unsere Kirche ist schlicht, hell und freundlich gestaltet“, sagt Pfarrer Dr. Daniel Bormuth. „In unserer reizüberfluteten Zeit ist der Anblick eine Wohltat.“ Er hält sich gerne in der kleinen Kirche auf. Und auch andere können dies tun, denn da die Kirche am Radweg liegt, ist sie von April bis Oktober täglich geöffnet.

Allerdings ist der Bau nicht die einzige Kirche in Kleinvach. Am Waldfriedhof liegt die Andreaskapelle, einst die Kirche des Ortes Wettingen, der heute nicht mehr existiert. Ihre Erbauung geht ins Mittelalter zurück, als um 1300 die Herren von Dörnberg das Gut und das Land besaßen.

Um 1600 baute Tobias von Hombergk die Kirchenruine wieder auf und machte sie zu seiner Begräbniskapelle. Nach ihm wurden noch 48 weitere Mitglieder seiner Familie in der Kapelle beigesetzt.

Von Kristin Weber

Tradition: Sonntags werden im Gottesdienst die Namen aus dem Taufbuch verlesen.
Klein und besonders: Der Innenraum mit Blick zum Altar und dem neuen Buntglasfenster von 1998.

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