Pflegepersonal wird knapp

Drei Bewohner sind mit Corona infiziert: Zimmerquarantäne im Seniorenzentrum Nettling

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Erstes von Corona betroffenes Altenheim im Kreis: Drei Bewohner und zwei Mitarbeiterinnen des Seniorenzentrums Nettling in Allendorf sind nachweislich infiziert.

Im Werra-Meißner-Kreis sind drei Bewohner des Seniorenzentrums Nettling in Bad Sooden-Allendorf positiv auf das Coronavirus getestet worden. 

Bad Sooden-Allendorf – Auch im Werra-Meißner-Kreis ist ein Altenpflegeheim von der Infizierung mit dem Covid-19-Virus betroffen. Drei Bewohner des Seniorenzentrums Nettling in Bad Sooden-Allendorf wurden, nachdem sie über das Wochenende schon ins Krankenhaus nach Witzenhausen gebracht worden waren, positiv getestet. Den infizierten Senioren – zwei Frauen und ein Mann im Alter um die 80 Jahre – gehe es „den Umständen entsprechend gut“, berichtete Geschäftsführer Gerd Kniese.

Überdies sind zwei Mitarbeiterinnen des Seniorenzentrums infiziert, bestätigte Kniese am Dienstag auf Anfrage. Eine Pflegefachkraft sei schon seit ein paar Tagen im Krankenstand gewesen, da es ihr nicht gut ging. Die andere, eine Alltagsbetreuerin, habe sich durch Zufall – weil ihr Zahnarzt eine Behandlung ohne vorherigen Test abgelehnt hatte – testen lassen. Mit Ausnahme von etwas Husten sei sie völlig gesund gewesen, so der Heimleiter.

Die Betreuerin war noch bis Ende voriger Woche im Dienst. Alle Personen, mit denen sie in Kontakt war – im Seniorenheim betreute sie sieben Bewohner intensiver – seien ermittelt und unter Zimmer- beziehungsweise Hausquarantäne gestellt, berichtet der Heimleiter. Natürlich auch die beiden Mitarbeiterinnen selbst.

Zudem hat das Kreisgesundheitsamt angeordnet, dass alle 105 Heimbewohner vorerst in ihren Zimmern bleiben müssen. Gewartet wird auf die Auswertungen der Tests, die seit Montagvormittag nach und nach bei allen 100 Mitarbeitern der Einrichtung durch das Gesundheitsamt vorgenommen wurden. Die Ergebnisse dürften noch in dieser Woche vorliegen, hieß es gestern auch seitens des Landkreises.

Bezüglich einer Reinigungskraft, die am Wochenende getestet worden war, weil sie in den Zimmern der betroffenen Senioren gearbeitet hat, lag laut Kniese das Ergebnis gestern Nachmittag bereits vor: negativ.

Wegen Krankmeldungen und häuslicher Quarantäne muss derzeit ein Drittel der sonst zur Verfügung stehenden 54 Pflegekräfte bei Nettling den Betrieb aufrecht erhalten.

Seniorenzentrum braucht Unterstützung

Weil sich 40 Mitarbeiterinnen des Seniorenzentrums Nettling krank gemeldet haben und nun auch noch zwölf weitere Pflegekräfte wegen der Corona-Fälle vorsorglich unter häusliche Quarantäne gestellt wurden, geht der Heimleitung so langsam das Personal aus. „Wir stehen kurz vor dem Mitarbeiter-Notstand“, sagt Geschäftsführer Gerd Kniese. 

Eng ist es vor allem im Bereich der Pflege, wo nach seinen Angaben vom Dienstag ein Drittel des Gesamtpersonals den Schichtbetrieb aufrecht erhält. Und von den 18 fielen nun noch zwei vorläufig aus, sagte er am Nachmittag. 

In dem einen von insgesamt vier Wohnbereichen, der wegen der Quarantäne-Anordnung besonders betroffen ist, konnten sich gestern von den 14 zuständigen Mitarbeiterinnen nur noch zwei um die 35 Bewohner kümmern. Sie erhielten aber Unterstützung durch Kolleginnen von anderen Stationen. Immerhin habe ihm auch sein Bundesverband Unterstützung durch Aushilfen zugesagt, so Kniese. Dennoch freut er sich, sollten jetzt Interessentinnen auch kurzfristig mithelfen wollen. Diese können sich melden unter Tel. 0 56 52/95 55 19. 

Es sei eine Frage der Zeit gewesen, bis trotz aller Schutzmaßnahmen das Virus „bei uns ankommt“. Er hätte sich, wie Kniese sagt, den Beginn des Testens auf Infizierung schon vor zwei Monaten, spätestens vor vier Wochen gewünscht.

Kreis kann jetzt selbst präventiv Tests veranlassen

Nach sechswöchigem Bemühen vermeldeten Landrat Stefan Reuß und sein Vize Dr. Rainer Wallmann am Dienstag, dass man zur Prävention verstärkt Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen testen lassen könne, um die besonders gefährdeten Bewohner der Einrichtungen zu schützen. Der Landkreis hat – „auf eigene Kosten“ – Laborkapazitäten erschlossen, um selbst Analysen von Covid-19-Abstrichtests vornehmen lassen zu können.

Zusätzliche Testkapazitäten seien von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen nicht eingerichtet worden, beklagen Reuß und Wallmann. Nun endlich könnte sukzessive bei Verdachtsfällen und vorbeugend bei Beschäftigten in besonders von Ansteckung bedrohten Einrichtungen getestet werden. Gerade das Personal, das rein und raus geht, stelle das größte Risiko dar. „Das wollen wir frühzeitig erkennen“, so der Sinn der Initiative.

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