Unfall auf Autobahn

Ehepaar aus Bad Sooden-Allendorf entgeht auf A7 nur knapp Unglück

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Ist auf sein Auto angewiesen: Der ehemalige Polizist Dieter Rudolph neben seinem mittlerweile reparierten Renault Espace.

Bad Sooden-Allendorf. Ohne zu blinken hat sich auf der Autobahn ein Fahrzeug vor das Auto von Dieter Rudolph geschoben - und sofort stark abgebremst. Der Mann reagierte geistesgegenwärtig. 

Auch wenn das alles nun schon ein paar Tage her ist – das, was er und seine Frau kürzlich auf der A7 erleben mussten, beschäftigt Dieter Rudolph noch heute. Wenn er von dem Unfall erzählt, von dem Glück, das sie hatten, sprudelt es nur so aus ihm heraus.

Dieter und Eugenia Rudolph waren auf dem Rückweg von Vellmar nach Hause, nach Bad Sooden-Allendorf. Das Paar ist auf sein geräumiges, 17 Jahre altes Auto angewiesen – Eugenia ist schwerbehindert, sie sitzt im Rollstuhl. Zwischen Kassel-Nord und Staufenberg sei er auf die linke von drei Spuren gewechselt, um zu überholen, erinnert sich ihr Mann. Es sei viel los gewesen auf der Autobahn an diesem Tag, vor allem viele Lastwagen seien unterwegs gewesen.

Nach etwa 100 Metern auf der Überholspur sei plötzlich ein weißer Kombi von der mittleren Spur nach links rübergezogen, ohne zu blinken, und habe dann gebremst, völlig unerwartet. „Dann bin ich auch voll in die Bremse gegangen“, berichtet der 70-Jährige, der sein Auto gegen die Betonwand in der Mitte der Autobahn lenkte. „Ansonsten hätte es mit Sicherheit Verletzte gegeben.“ Auf der Rückbank des Kombis vor ihm habe er drei Personen ausmachen können.

„Und dann flogen die Fetzen durch die Gegend“, sagt Rudolph. Auf der linken Seite seines Autos wurden Räder, Felgen und Lack beschädigt. In der Werkstatt eines Freundes habe er die Spuren des Unfalls mittlerweile beseitigen lassen können – neue Winterräder brauche er nun trotzdem.

Nachdem die beiden eine Weile auf der linken Spur in ihrem Auto gewartet hätten, habe ein Lastwagen auf dem Standstreifen auf gleicher Höhe gehalten. „Benzin oder Diesel?“ habe der polnische Fahrer ihn gefragt, nachdem er tatsächlich über die Autobahn zu ihnen gekommen war, sagt Dieter Rudolph. Als ihm klar geworden sei, was passiert war, habe der Mann knapp mit „Mach ich schon“ geantwortet und sich mitten auf die Autobahn gestellt, sodass die anderen Fahrzeuge stehen blieben und Dieter Rudolph sein Auto auf den Standstreifen habe lenken können. „So ein netter, freundlicher Typ“, sagt der über seinen Helfer, der ihn noch kurz umarmt habe, bevor er weitergefahren sei.

Der weiße Kombi jedoch sei zu diesem Zeitpunkt schon lange weg gewesen. „Als ich nach dem Aufprall auf die Wand aufgeblickt habe, war das Auto nicht mehr zu sehen“, sagt Dieter Rudolph.

Die Polizisten, die kurz darauf gekommen seien, hätten dann auch alles aufgenommen. Jetzt werde wegen Unfallflucht ermittelt, sagt Rudolph, der hofft, dass der Flüchtige zumindest ein schlechtes Gewissen hat.

Das rät die Polizei: Vollbremsung und dann nicht das Lenkrad verreißen

Natürlich ist keine Gefahrensituation auf der Autobahn wie die andere. Allerdings gibt es einige Verhaltensregeln, die helfen können, Schlimmeres zu verhindern.

In einer Situation wie der Dieter Rudolphs empfiehlt Andreas Teune von der Autobahnpolizei Göttingen zunächst eine Vollbremsung. „Dabei voll durchtreten und nicht zögern – den Rest macht dann die Autotechnik.“ Vor allem aber sei es wichtig, das Lenkrad nicht zu verreißen – eine Reaktion, die immer wieder der Grund für eine Kollision mit anderen, unbeteiligten Fahrzeugen sei. Das eigene Auto gerate dann nämlich schnell ins Pendeln und außer Kontrolle. 

Ist ein Aufprall trotz Vollbremsung nicht mehr zu verhindern, rät Andreas Teune „auf Lücke“, also zwischen Fahrzeug und Leitplanke zu lenken. Sollte dieses nicht möglich sein, sei ein direkter Aufprall auf das nächste Fahrzeug dank Airbag immer noch sicherer als eine seitliche Kollision mit anderen. 

Bei einer solchen böten die Systeme des eigenen Autos keinen Schutz mehr und Unbeteiligte würden gefährdet.

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