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Ein Glücksfall für die Stadt Bad Sooden-Allendorf

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Von: Christoph Cortis

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Sie gehören zum harten Kern des FAZ-Teams: Anja Pawlikowski (von links) und Esther Rebbig (beide Vorstand), Albina Prozenko (Integrationslotse), Annette Ruske-Wolf (Leiterin der Einrichtung) und Amelie Neuenroth (Vorstand).
Sie gehören zum harten Kern des FAZ-Teams: Anja Pawlikowski (von links) und Esther Rebbig (beide Vorstand), Albina Prozenko (Integrationslotse), Annette Ruske-Wolf (Leiterin der Einrichtung) und Amelie Neuenroth (Vorstand). © Chris Cortis

„Ich hätte nie gedacht, dass es mal so sein wird, wie es heute ist.“ Das sagt Annette Ruske-Wolf über das Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf, das unter maßgeblicher Beteiligung der Diplom-Pädagogin am 9. Dezember 1997 von einer privaten Elterninitiative gegründet worden ist.

Bad Sooden-Allendorf – Nach 25 Jahren hat sich das FAZ, wie es kurz genannt wird, längst zu einer unverzichtbaren Anlaufstelle im sozialen Netzwerk gemausert: ein Glücksfall für die Stadt.

„Solidargemeinschaft für Familien“, bringt die Leiterin der Einrichtung das Selbstverständnis des FAZ auf den Punkt. Als gemeinnützig und mildtätig anerkannt, habe sich der Verein zur Aufgabe gemacht, Familien zu entlasten, zu stärken und in die Gesellschaft zu integrieren. Dazu trügen kulturelle und kreative Angebote für Erwachsene, die Förderung frühkindlicher Bildung sowie zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen für Alleinerziehende, Flüchtlingsfamilien und Menschen in Krisensituationen bei.

An sechs Tagen in der Woche hält das FAZ bei knapp 200 Besuchern mehr als 30 Angebote vor. Die reichen von der offenen Sprechstunde über Krabbelgruppe, Sprachkurse, Babymassage, Eltern- und Frauencafé, Lese- und Singkreis, Arbeit im Gemeinschaftsgarten bis hin zum Theaterspiel, um nur einige Beispiele zu nennen.

Großer Wert wird auf die Integration von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund gelegt. Waren es nach dem Zerfall der UdSSR zunächst vornehmlich Spätaussiedler etwa aus Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan, kamen später Flüchtlinge unter anderem aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder Eritrea hinzu.

Aktuell sind es hauptsächlich Mütter mit Kindern aus der Ukraine, wo nach dem Überfall durch Russland ein erbarmungsloser Krieg herrscht. „Bei uns ist jeder willkommen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung“, sagt Ruske-Wolf.

Gefördert vom Land Hessen, beschäftigt das FAZ drei Pädagoginnen. Ehrenamtliche Kräfte sind pro Woche 150 Stunden lang im Einsatz. Ebenfalls ehrenamtlich agiert ein pädagogischer Beirat, dem auch eine Ärztin, eine Psychologin und eine Hebamme angehören. Darüber hinaus ist der Verein dankbar für eine Vielzahl von Kooperationspartnern.

Im örtlichen Jugendzentrum teilte sich das FAZ zunächst die Räume mit der Jugendpflege, ehe der Umzug ins Zentrum der Allendorfer Altstadt erfolgte. In der Weberstraße stellten die Eltern von Annette, Wolfgang und Elisabeth Ruske, dem Verein ein gemütliches Fachwerkhaus zur Verfügung, das zuvor von einem älteren Herrn bewohnt war.

Viele Jahre später wurde das FAZ um ein Nachbargebäude erweitert, für dessen Ankauf die Stadt 160 000 Euro Förderung von der Europäischen Union erhielt. Über 3000 ehrenamtlich geleistete Stunden investierten die Vereinsmitglieder in die Sanierung dieses Hauses.

Erst vor zwei Jahren ist das Familienzentrum für seine hervorragende Arbeit mit dem hessischen Familienpreis ausgezeichnet worden. Den zweiten Preis gab es vor Kurzem für das FAZ-Projekt „Fluchtgegenstände“, eine Ausstellung, die noch bis zum Jahresende im Grenzmuseum Schifflersgrund zu sehen ist.

Und wie kam es zur Gründung des FAZ? Genau genommen wurde aus der Not eine Tugend geboren. Nach der Geburt ihres Sohnes Paul suchten Annette Ruske-Wolf und ihr Mann Sebastian Wolf in Bad Sooden-Allendorf vergeblich nach einem Krippenplatz für ihren Filius. Das war die Initialzündung. Inzwischen ist Paul so alt wie das FAZ und selbst Vater eines Sohnes. (zcc)

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