Investor äußerst sich doch noch zu plötzlichem Aus

Ekkehart Eymer: Hotel in Bad Sooden-Allendorf war nicht wirtschaftlich

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Seit Jahren Streitpunkt zwischen Stadt und Besitzer: Das Hotel am Kurpark in Bad Sooden-Allendorf.

Ekkehart Eymer bricht nun doch sein langes Schweigen zur Lage in der Parkresidenz in Bad Sooden-Allendorf und zu der plötzlichen Schließung, die vor zwei Wochen die Mitarbeiter und Stadt überraschte.

Bei einem Besuch in der HNA-Redaktion kündigte der Lübecker Investor an, eine Fachfirma mit der Erstellung eines neuen Nutzungskonzeptes beauftragen und das Hotel dann verkaufen zu wollen.

Ekkehart Eymer, Lübecker Investor und Honorarkonsul

Eymer gab an, das Hotel Ende April aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen zu haben, da sowohl die aktuellen Zahlen als auch eine Verträglichkeitsanalyse erkennen ließen, dass „eine schwarze Null“ frühestens in fünf Jahren zu erwarten sei. So lange könne er nicht warten, so Eymer: „Privatunternehmen leben von Gewinnen, nicht von Verlusten.“ Er sei nicht bereit, so lange mit Löhnen, Nebenkosten sowie den Kosten für laufende Kredite in Vorleistung zu gehen.

Nach HNA-Recherchen war dieser Umstand aber bereits vor der Wiedereröffnung des Hotels im November klar: Die Verträglichkeitsanalyse datiert auf März 2018; Hoteldirektorin Diana Brehm hat Eymer nach eigenen Angaben stets hingewiesen, dass man drei bis fünf Jahre brauche, um solide Gewinne zu erwirtschaften. Warum er dennoch das Hotel wiedereröffnete und in Renovierungen eine fünfstellige Summe investierte, erklärte Eymer nicht.

Er schreibt indes in einer Stellungnahme, dass die Stadt den Daueraufenthalt von Senioren in der Parkresidenz nicht genehmigt habe. Das habe sein Einnahmemodell torpediert: Die Residenz hatte das dauerhafte Wohnen im Hotel zu Preisen zwischen monatlich 2700 und 3900 Euro angeboten. Diese Einnahmen blieben aus, weil niemand das Angebot in Anspruch nahm – laut Brehm waren 20 Zimmer für Dauergäste vorgesehen, laut Eymer sogar 40 der 89 Zimmer.

Tatsächlich ist es so, dass Eymer bei der Bauaufsicht des Kreises eine Nutzungsänderung in eine reine Seniorenresidenz beantragt hatte. Die Stadt sprach sich dazu in einer Stellungnahme für den Erhalt des Hotels aus, letztlich lehnte der Kreis die Änderung ab. Dagegen reichte Eymer Klage ein – und eröffnete zwei Monate später das Hotel wieder.

Zur Lage der Hotelmitarbeiter sagt Eymer, dass die ausgebildeten Fachkräfte in der Gastronomie „größte Chancen“ auf neue Jobs hätten. Einigen wenigen Mitarbeitern sei eine Weiterbeschäftigung in den Balzerborn-Kliniken angeboten worden.

Das Ermittlungsverfahren in Lübeck gegen ihn (HNA berichtete) habe mit der Schließung des Hotels nichts zu tun. Eymer erwartet, dass das Verfahren wegen des Verdachts des Veruntreuens von Löhnen eingestellt werde, da er zum fraglichen Zeitpunkt nicht für Personalangelegenheiten zuständig war.  

Das sagt Kreissprecher Jörg Klinge

"Ekkehart Eymer hat beim Verwaltungsgericht Kassel am 13. September 2018 eine Klage gegen den Werra-Meißner-Kreis erhoben“, schreibt Jörg Klinge, Sprecher des Werra-Meißner-Kreises, auf eine Anfrage unserer Zeitung. 

„Seine Klage richtet sich gegen die von der Bauaufsicht des Kreises negativ beschiedene Bauvoranfrage zur Nutzungsänderung des Kurparkhotels in eine Altenpflegeeinrichtung. Die Klage ist bis heute trotz gerichtlicher Aufforderung nicht begründet worden, wird vom Kläger also gegenwärtig nicht aktiv betrieben. Deshalb hat der Kreis noch gar nicht auf die Klage inhaltlich erwidert.“ Eine mündliche Verhandlung oder sogar ein Prozessende durch Urteil sei aus den vorgenannten Gründen gegenwärtig noch gar nicht abzusehen, so der Kreissprecher.

Das sagt Bürgermeister Frank Hix

Die Entwicklungen rund um das Hotel am Kurpark seien für Bad Sooden-Allendorf äußerst schädlich, sagt Bürgermeister Frank Hix auf Anfrage. Es litten nicht nur der Tourismus und die Auslastung des Kultur- und Kongresszentrums, sondern auch der örtliche Einzelhandel und die Dienstleister. 

Die Stadt brauche das Hotel am Kurpark – deshalb habe man sich gegenüber dem Kreis gegen eine Umwandlung in eine reine Seniorenresidenz ausgesprochen. Hoteldauergäste hätte man aber tolerieren wollen, falls diese Kurtaxe gezahlt hätten und nicht im Hotel gepflegt würden, so der Bürgermeister. 

Hix bestätigt, dass die Stadt 2017 von Eymer eine Verträglichkeitsanalyse für den Hotelstandort verlangt und ihm über den Heilbäderverband auch geeignete Gutachterbüros genannt habe. Die Qualität der vorgelegte Studie habe aber weder ihn, noch Magistrat oder Fraktionschefs überzeugt. Unter anderem, weil die Gutachter offenbar nie selbst die Stadt besucht und mit Praktikern vor Ort gesprochen hätten.

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