Badestädter ist süchtig nach Ausdauersport

Er liebt lange Distanzen: Ultraradsportler Stephan Schulz stellt Sportart vor

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Süchtig nach Ausdauersport: Ultraradsportler Stephan Schulz aus Bad Sooden-Allendorf.

Wenn jemand erzählt, dass er 100 Kilometer am Stück Fahrrad gefahren ist, dann ringt einem das normalerweise gehörigen Respekt ab. Nicht so Stephan Schulz.

Der Bad Sooden-Allendorfer hat sich bei dieser Distanz gerade einmal warm gefahren. Schulz ist Ultraradsportler. Da kann eine Tour schon mal die 1000-Kilometer-Marke knacken.

„Meine Leidenschaft fürs Radfahren begann schon in der frühen Jugend“, erinnert sich der 52-Jährige. Mit zwölf Jahren hatte er sich von seinem ersten selbst verdienten Geld sein erstes Rennrad gekauft. „Kurz danach fing ich schon an, mir mit Freunden aus alten Teilen Bikes zusammenzubauen, mit denen wir dann auch durchs Gelände fahren und die Gegend rund um Bad Sooden-Allendorf unsicher machen konnten“, sagt Schulz.

Als der gelernte Landmaschinenmechaniker dann mit 22 Jahren zum Reitsport wechselte und erfolgreich an Spring- und Vielseitigkeitsturnieren teilnahm, wurde das Rad für mehr als ein Jahrzehnt zur Nebensache. Unmittelbar nach der Jahrtausendwende jedoch packte es ihn plötzlich wieder. Neben dem Rennrad, auf dem er dann auch schon mal Touren von bis zu 200 Kilometern Länge fuhr, begeisterte er sich auch immer mehr für das Mountainbike. Von den Langdistanzen gebissen wurde Schulz 2008. Als Protest gegen die Werraversalzung hatte er zusammen mit einem befreundeten Ultraradsportler die „Tour de Salz“ organisiert, die die Teilnehmer an einem Tag über 275 Kilometer vom thüringischen Eisfeld (bei Coburg) bis nach Hann. Münden führte – und das auf dem Mountainbike. „Vier Jahre später sind wir dann schon über 500 Kilometer von der Werraquelle bis zur Fuldaquelle gefahren“, erzählt Schulz. Vom Ausdauersport-Fieber gepackt, folgte 2013 ein Abstecher zum Laufen. Nach der Teilnahme am Bilstein-Ultra-Marathon in Großalmerode über 54 Kilometer zwangen ihn erhebliche Rückenprobleme jedoch zur Rückkehr aufs Rad.

Ultraradsportler Stephan Schulz mit seiner Medaille, die er für die Teilnahme am „Race across Germany“ über 780 Kilometer erhielt.

„Trotz der Rückenschmerzen bin ich jede Woche etwa 350 Kilometer gefahren“, erzählt Schulz. „Als ich die Probleme 2016 Dank eines Spezialisten in den Griff bekam, habe ich wieder richtig Gas gegeben.“ Obwohl zu diesem Zeitpunkt beinahe 50 Jahre alt, kannte sein Ehrgeiz nun keine Grenzen mehr. Beim „Race across Germany 2017“ von Aachen im Westen bis Görlitz im Osten über 780 Kilometer saß Schulz 36,5 Stunden im Sattel. 2018 fuhr er innerhalb von sechs Wochen Rennen über 200, 300, 400 und 600 Kilometer, um sich für den Ultra-Klassiker Paris-Brest-Paris zu qualifizieren. Dort gehen im August rund 6000 Teilnehmer aus der ganzen Welt an den Start, um in maximal 96 Stunden 1200 Kilometer auf dem Rad zurückzulegen. „Da herrscht jedes Mal regelrechte Volksfeststimmung und da möchte ich in diesem Jahr unbedingt dabei sein“, sagt Schulz. Warum sich der 52-Jährige diese Strapazen antut, weiß er selbst nicht so genau. „Es hat sicher damit zu tun, dass man die eigenen Grenzen entdecken will“, sagt er. Irgendwann würden bei derart langen Distanzen die Beine sowie keine Rolle mehr spielen. „Da macht es dann nur noch der Kopf.“

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