Erst vergrößert, dann verkleinert

Die Kirche im Dorf lassen: Das Gotteshaus in Orferode wurde 1824 errichtet

Pfarrerin Sara Wehowsky steht im Altarraum der Orferöder Kirche. Vor der Renovierung 1967/68 war hier unter anderem eine Holzverkleidung zu sehen. Heute dominieren Sandstein und helle Farben.
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Pfarrerin Sara Wehowsky steht im Altarraum der Orferöder Kirche. Vor der Renovierung 1967/68 war hier unter anderem eine Holzverkleidung zu sehen. Heute dominieren Sandstein und helle Farben.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jedes hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Mit Orferode beginnen wir heute unsere Serie.

Orferode – Um 1820 war die alte Dorfkirche von Orferode endgültig zu klein geworden. Hundert Jahre zuvor hatte man sich noch damit beholfen, weitere Bänke einzubauen sowie Kanzel und Altar zu versetzen, um Platz zu schaffen. Doch 1823/24 wurde neu gebaut, ein klassizistischer Saalbau mit stolzen 350 Plätzen entstand. Sie wurden auch gebraucht, da das Dorf im Meißner-Vorland Mitte des 19. Jahrhunderts rund 570 Einwohner hatte. Kurz zuvor hatte Pfarrer Ernst Christian Simon eindringlich die finanzielle Notlage seiner Kirchen in Orferode und Kammerbach geschildert.

Geld für den Neubau

Sein Hilferuf scheint gewirkt zu haben. Damit der Kirchenbau finanziert werden konnte, spendeten mit Christoph Kreger und Dionysus Böttner zwei wohlhabende Weinhändler am Ort großzügige Summen. Kurfürst, Landgraf und die kirchliche Landeskollekte steuerten ebenfalls etwas bei. Ihr Übriges tat schließlich eine Hilfssteuer auf Branntwein, die eine gute Summe einbrachte. Und so konnten im Dorf wieder große Hochzeiten der wohlhabenden Familien ohne Platzmangel gefeiert werden.

Außenansicht: Die Orferöder Kirche samt Kirchturm. Dieser wurde zwischen 1967 und 1968 erneuert.

Alte Kirche war schmal

Wie der Vorgängerbau ausgesehen hat, weiß heute niemand mehr. Historiker wie Dr. Karl Kollmann können nur noch Rückschlüsse ziehen. So wurden 1993 bei Heizungsarbeiten in der Kirche Grundmauern entdeckt, die darauf hindeuten, dass die alte Kirche nur 4,90 Meter breit gewesen war. Je weiter man zurückgeht, umso weniger ist bekannt. Zuerst war Orferode unter dem Namen „Arnolffrodt“ 1195 erwähnt worden. Das Kloster Germerode besaß hier einen Hof.

Pfarrer ab 1276 im Ort

„Wann zum ersten Mal eine Kirche errichtet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis“, schreibt Kollmann in der Ortschronik. „Jedoch kann man von der Erwähnung eines Orferöder Pfarrers (Hermanus de Arnolverod) in den Jahren 1267 und 1268 auch auf das Vorhandensein einer Kirche schließen.“ Erster evangelischer Pfarrer könnten Konradt Sandrock aus Allendorf oder sein Sohn Nikolaus zwischen 1536 und 1570 gewesen sein. Aus dem Jahr 1580 ist schließlich das älteste Kirchenbuch erhalten.

Musikinstrument aus Kassel: Pfarrerin Sara Wehowsky vor der Orgel, die in Sandershausen gebaut wurde.

Teilung 1967/68

Während die Kirche im 19. Jahrhundert eigens vergrößert worden war, standen 1967/68 umfassende Baumaßnahmen an, um die Kapazität wieder zu verringern: Der Saal wurde durch eine Trennwand geteilt und im Westteil ein beheizbarer Gemeinderaum und darüber ein Jugendraum eingerichtet. Bei der Abnahme der Holzverkleidung kam der heutige Sandsteinaltar wieder zum Vorschein. Eine neue Orgel wurde von der Firma Bosch in Sandershausen bei Kassel bestellt, Dach und Turmknauf wurden erneuert.

1987 wurden schließlich Toiletten und eine Teeküche eingebaut und 1993 das Kircheninnere beim Einbau der Heizung neu gestaltet.

Kulturerbe: Die Glocke aus dem Jahr 1686.

Heute aktive Gemeinde

Seit 2019 betreut Pfarrerin Sara Wehowsky die Kirchengemeinde Orferode-Dudenrode mit insgesamt fünf Kirchen in Dudenrode, Hilgershausen, Kammerbach, Orferode und Weißenbach mit einer Dreiviertel-Pfarrstelle. „In Orferode kann ich auf die Hilfe der aktiven Gemeinde immer zählen, wenn ich sie brauche“, sagt die Pfarrerin.

Angebote nur virtuell

Auch in Orferode entstanden in der Pandemie kreative Gottesdienstformate, wie die Video-Weihnachtsandacht, die die Gemeinde zu Hause am Bildschirm sah.

(Kristin Weber)

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