Aufgeben ist für ihn ein Fremdwort

Extremsportler Joey Kelly zu Besuch im Grenzmuseum Schifflersgrund

Joey Kelly vor Bagger, mit dem vor 38 Jahren ein Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze bei Bad Sooden-Allendorf scheiterte.
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Beeindruckt vom Grenzmuseum: Unter dem Surren der TV-Kamera lässt sich Joey Kelly von Wolfgang Ruske jenen Bagger zeigen, mit dem vor 38 Jahren ein Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze bei Bad Sooden-Allendorf scheiterte.

Die Kämpfernatur hat er von seinem Vater. Von Niederlagen lässt er sich nicht unterkriegen. Und Aufgeben kennt er schon gar nicht. Joey Kelly, legendäres Mitglied der Kelly Family, ist der Pop-Star mit dem längsten Atem.

Bad Sooden-Allendorf/Sickenberg – Der 47-jährige Extremsportler, der bei klirrender Kälte zu Fuß schon bis zum Südpol vorgedrungen ist oder bei brütender Hitze den Sahara-Wüstenlauf hinter sich gebracht hat, erkundet gegenwärtig per pedes das so bezeichnete „Grüne Band“, das sich als einstiger Todesstreifen zwischen Deutschland West und Deutschland Ost über 1400 Kilometer durch 150 Naturschutzgebiete schlängelt.

Es ist die zweite von vier Etappen zu allen Jahreszeiten. Am Mittwoch machte Joey Station im Grenzmuseum Schifflersgrund zwischen Bad Sooden-Allendorf und dem thüringischen Sickenberg.

Eine Stunde lang ließ er sich von Wolfgang Ruske als Gründer des ersten Museums dieser Art auf deutschem Boden die martialischen und stummen Zeugen der vor 30 Jahren überwundenen deutschen Teilung zeigen. Begleitet von einem RTL-Fernsehteam, machte er Halt vor dem Schaufelbagger, mit dem im März 1982 der Arbeiter Heinz-Josef Große aus dem thüringischen Thalwenden den Metallgitterzaun überwand, ehe er wenige Meter vor Erreichen bundesdeutschen Territoriums von DDR-Grenzern erschossen wurde.

In der Hessenhalle des Grenzmuseums war Joey Kelly am Abend Ehrengast einer Informationsveranstaltung, in der Zeitzeugen zu Wort kamen, wie Karl-Heinz Wehr, der heute in Bad Sooden-Allendorf lebt und als 17-jähriger angehender Förster in Heiligenstadt sieben DDR-Bürgern zur Flucht in den Westen verhalf.

Auch diesmal ist Joey Kelly wieder unterwegs ohne einen Cent in der Tasche und übernachtet in einem alten VW-Bully, den als Begleitfahrzeug sein 20-jähriger Sohn Luke steuert.

Vor zehn Jahren durchquerte er Deutschland von der Nordsee bis zu den Alpen, ernährte sich auch von Weinbergschnecken oder von einem Hasen, der von einem Auto überfahren worden war. Über den Mann mit dem eisernen Willen habe jemand mal gesagt: „Wer mit Joey Kelly trainiert, freut sich aufs Sterben.“

Eingefädelt hatte die Veranstaltung aus Anlass der Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren Tobias Helbing, der seit Jahren mit Kelly bekannt ist und als Eichsfelder eine Bäckereikette betreibt mit Niederlassungen in Thüringen, Niedersachsen und Hessen.

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