Familienbildungsstätte bildet zum Pflegebotschafter aus

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Fortbildung: Gudrun Fern (links) und Dorothea Lichau-Eysert qualfizierten sich als Pflegebotschafter, hier mit Projektkoordinatorin Astrid Baumbach (Mitte).

Bad Sooden-Allendorf. 4,2 Millionen Menschen versorgen ihre schwerkranken Angehörigen. Die Eschweger Familienbildungsstätte will den Pflegebotschaftern beistehen und ein besseres Rüstzeug geben.

Dorothea Lichau-Eysert und Gudrun Fern aus Laudenbach sind fast schon Profis, wenn es um die Pflege von Angehörigen geht. Lichau-Eysert kümmert sich um ihren 83-jährigen Vater, der nach einem Schlaganfall seit vier Jahren halbseitig gelähmt und außerdem dement ist (Pflegestufe 3). Sie teilt sich die Arbeit mit ihrer Mutter, „einer allein schafft das fast gar nicht“. Frau Lichau hat nämlich noch eine Teilzeitbeschäftigung und arbeitet ehrenamtlich.

Gudrun Fern hat mittlerweile drei schwerkranke Familienangehörige gepflegt, Vater und Schwiegereltern. Alle drei sind verstorben. Sie kennt sich aus mit dem, was die Pflegekasse leistet und was nicht, mit Pflegestufen und mit den täglichen Handreichungen für die Angehörigen.

Die beiden Frauen gehören zu einer Gruppe von 25 Teilnehmern bei der Veranstaltungsreihe „Pflegende Angehörige stärken“ - ein Angebot der Ev. Familienbildungsstätte Eschwege, des Mehrgenerationenhauses Werra-Meißner und des Kreisseniorenbüros. Wieviele Menschen in unserem Kreis daheim ihre Angehörigen versorgen, das kann man allenfalls schätzen.

Denn, so Projektkoordinatorin Astrid Baumbach am Freitagabend beim letzten Teil eines Seminars im Ev.Gemeindehaus in Bad Sooden-Allendorf, in die Statistik gehen die Menschen erst ein, wenn sie Anträge stellen oder bei Beratungsstellen um Hilfen nachsuchen. Mutmaßlich dürfte der Personenkreis viele hundert Frauen stark sein. Denn in erster Linie sind es Frauen, die sich für die Pflege engagieren. Das ergebe sich aus der Tradition, ist doch der Mann nach altem Rollenverständnis der Haupternährer.

Auf eine Pflegesituation kann man sich vorab kaum einstellen, sie kommt meistens über Nacht und verlangt, so nach einem Schlaganfall eines Angehörigen, dass Familien ihr ganzes Leben umstellen.

Im Rahmen des Projektes „Getup Hessen - gemeinsames Engagement im Umfeld von Pflege“ hat es sich die Familienbildungsstätte mit Partnern zur Aufgabe gemacht, die pflegenden Angehörigen zu qualifizieren und ihren Status durch die Bezeichnung „Pflegebotschafter“ gesellschaftlich aufzuwerten.

Die Veranstaltungsreihe ist vielfältig und reicht vom Besuch des Glas- und Keramikmuseums bis zum Gang über den Barfußpfad auf dem Meißner: Nach Möglichkeit sollen die Pflegebedürftigen mit dabei sein. Einen Einblick in die Klangschalen-Entspannungstechnik gibt Kerstin Adler: Mit ihrer Demonstration ließ man die Veranstaltung am Freitag ausklingen - Abschalten vom Alltag. Im nächsten Schritt sollen für die Pflegebotschafter noch Pflegepaten angeworben werden, um die Angehörigen zu entlasten: Sie brauchen regelmäßig eine Verschnaufpause. (wke)

Kontakt: Ev. Familienbildungsstätte Eschwege, An den Anlagen 14a, Tel. 05651/3377 001.

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