Vorstandsmitglieder im Interview

Familienzentrum investiert Geld des Hessischen Familienpreises in neuen Bereich

+
Sie holen den Hessischen Familienpreis in Wiesbaden ab: Susanne Kräft-Ludolf (von links), Annette Ruske-Wolf, Lisa Hottenroth und Amelie Wolf (mit Sohn Jakob), die alle im Vorstand des Familienzentrums Bad Sooden-Allendorf engagiert sind.

Bad Sooden-Allendorf. Das Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf wurde jüngst mit dem Hessischen Familienpreis 2016 ausgezeichnet. Wir sprachen mit den Vorstandsmitgliedern Annette Ruske-Wolf, Susanne Kräft-Ludolph und Lisa Hottenroth. 

Unter 500 Bewerbungen schaffte es die Einrichtung mit ihrem Angebot für Familien, Migranten und ein generationenübergreifendes Miteinander auf den dritten Platz.

Welche Bedeutung hat der Preis für das Familienzentrum?

Annette Ruske-Wolf: Es ist eine Bestätigung, große Anerkennung und Wertschätzung dessen, was wir in 19 Jahren geleistet und aufgebaut haben. Wir haben angefangen als Elterninitiative, die sich einmal in der Woche nachmittags getroffen hat. Damals haben wir erkannt, dass es wichtig ist, dass Familien einen Treffpunkt haben, an dem sie sich austauschen können, um sich im Alltag zu entlasten, zu stützen und Freundschaften aufzubauen.

Wie ging es dann weiter?

Ruske-Wolf: In diesen 19 Jahren haben wir dieses Bild profiliert, die Anforderungen an uns und auch die Angebote. Wir haben herausgearbeitet, welche Unterstützung Familien kurz-, mittel- und langfristig brauchen, um gut den Anforderungen standzuhalten, die vielfältig sind, sobald ein Kind kommt.

Das schaffen die Familien nicht allein?

Ruske-Wolf: Man schafft es allein, aber es ist sehr schwer, weil alles neu ist. Andere haben es schon einmal erfahren und können Tipps geben und damit entlasten. Wenn man hört, dass es anderswo ähnlich ist und was da getan wurde, dann ist das sehr hilfreich. Mittlerweile sind wir auch erste Anlaufstelle, um Familien schnell zu den richtigen Ansprechpartnern weiterzuleiten.

Vor einem Jahr haben Sie eine „Zukunftswerkstatt“ ins Leben gerufen. Dabei sollte es darum gehen, die Strukturen mit den Projekten, Arbeitskreisen und Aufgaben neu zu organisieren. Was ist daraus geworden?

Ruske-Wolf: Die Arbeit ist auf mehrere Schultern verteilt worden. Wir haben sogenannte Mützen, das sind Menschen, die zuständig sind für einzelne Bereiche: Frühkindliche Bildung, Familienbildung, Kultur, Flüchtlings- und Migrationsarbeit sowie Kreativität. Denen stehen Mützen, also Bereichsleiter vor, die Kontakt halten zu den Leitern der Projekte. Vorher haben das zwei, drei Leute aus dem Vorstand gemacht, das war sehr anstrengend.

Welches sind die nächsten konkreten Ziele?

Lisa Hottenroth: Wir planen den Umbau des Familienzentrums an der Weberstraße im nächsten Jahr, finanziert mit Leader-Mitteln von der EU. Das Nebenhaus soll ausgebaut werden, um die beiden Hauptbereiche Kreativität und Frühkindliche Bildung zu trennen und klarer zu definieren. In eigenen Räumen sollen sich die beiden Bereiche besser weiterentwickeln können. Wir wollen mehr Kreativ-Angebote schaffen, weil sich da der Bedarf erhöht.

Wann geht es los?

Hottenroth: Erst muss der Bewilligungsbescheid vorliegen, es gibt hier positive Signale von Seiten des Vereins für Regionalentwicklung und des Stadtparlaments, aber natürlich am liebsten so schnell wie möglich. Wir wollen mit Hilfe unserer Kooperationspartner und ehrenamtlichen Vereinen noch 2016 Jahr mit dem Entkernen anfangen - also das machen, was in Eigenleistung möglich ist. Damit wir dann schnell mit dem Umbau beginnen können.

Es starten jetzt neue Projekte in der Flüchtlingsarbeit, was wird genau angeboten?

Ruske-Wolf: Die Arbeit mit Migranten und Aussiedlern machen wir seit 15 Jahren und seit eineinhalb Jahren verstärkt auch die Flüchtlingsarbeit. Da konzentrieren wir uns einmal auf ein großes Integrationsprojekt: Küche international. Das hat sich rasant entwickelt mit vielen Kulturen. Es wird von den Integrationslotsen geleitet. Aber auch das Projekt „Nähen bringt Freun(d)e“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie das eigene Tun beim Ankommen und der Integration helfen kann.

Und die neuen Projekte?

Susanne Kräft-Ludolph: Das andere sind die Familienprojekte. Beim Vater-Kind-Projekt kann man einmal in der Woche etwas gemeinsam machen. Da geht es immer raus. Dafür ist auch ein Garten gefunden worden, wo man sich trifft, etwas anbauen, Feuerchen und Aktionen machen kann.

Es gibt doch auch ein neues Mutter-Kinder-Projekt.

Ruske-Wolf: Ja, das ist gerade angelaufen. Da werden Singspiele gemacht, es geht auch um die deutsche Sprache. Die Frauen können sich austauschen und kennenlernen, weil verschiedene Kulturen zusammenkommen. Frauen haben sich schon immer, in allen Zeiten und Kulturen, gegenseitig gestärkt, so soll es auch bei uns weitergehen.

Nun sind die Aufgaben im Familienzentrum doch gut verteilt worden. Werden dennoch weitere Mitstreiter gesucht?

Ruske-Wolf: Wir haben zwar 70 ehrenamtliche Mitarbeiter, aber wir brauchen immer neue Leute. Die dürfen sich sofort melden, für Kinderbetreuung ebenso wie für die Leitung eines Projektes. Gerade im Kreativitätsbereich werden Menschen gesucht, die gern handarbeiten, mit Holz werkeln, töpfern, malen... Wir wollen auch noch mehr Männer einbeziehen.

Wofür wird eigentlich das Preisgeld von 2000 Euro verwendet?

Ruske-Wolf: Das fließt in den Kreativitätsbereich, den wir ja neu aufbauen wollen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.