Bad Sooden-Allendorf

Freunde auf der ganzen Welt: 100-Jähriger Theo Groß-Albenhausen hat eine Leidenschaft fürs Funken

Hilfreich: Beim Lesen lässt sich Theo Groß-Albenhausen die kleinen Schriftzeichen auf einem Monitor vergrößern.
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Hilfreich: Beim Lesen lässt sich Theo Groß-Albenhausen die kleinen Schriftzeichen auf einem Monitor vergrößern.

Er hat Freunde gefunden rund um den Globus: von Amerika bis Russland und von Australien bis zum Nordpol. Theo Groß-Albenhausen ist Amateurfunker und nun 100 Jahre alt geworden.

Bad Sooden-Allendorf - Fast kein Land dieser Erde habe er ausgelassen, sagt Theo Groß-Albenhausen im Rückblick auf seine jahrzehntelange Leidenschaft als Amateurfunker. Im kleinen Familienkreis in Bad Sooden-Allendorf feierte der frühere Bäckermeister am Dienstag seinen 100. Geburtstag. Seinen Beruf erlernte er am Rand des Kohlenpotts. Geboren und aufgewachsen in Marl-Hüls, ging er als 19-Jähriger zur Kriegsmarine, war als Funker vier Jahre lang in norwegischen Gewässern eingesetzt, um später an Bord einer Minensuchflottille jene Sprengkörper unschädlich zu machen, welche die Deutschen vorher selbst gelegt hatten.

Zurück im Ruhrgebiet, legte er in seinem Handwerk die Meisterprüfung ab, machte sich selbstständig und betrieb zuletzt mit seiner Ehefrau Margaritha – 55 Jahre war er mit ihr verheiratet – einen Lebensmittelladen. Anfang der 1970er Jahre erwachte neuerlich sein Interesse an der Funkerei. So legte Theodor Franz Groß-Albenhausen, wie er mit vollem Namen heißt, 1971 die Prüfung zum Amateurfunker ab und war fortan als Mitglied des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) unter seinem Rufzeichen DK7QT per Morsezeichen und Sprechfunk mit Deutschland und der Welt in Kontakt. Über den Äther pflegte er nicht nur internationale, sondern auch lange Freundschaften mit ehemaligen Marinefunkern, die er zu seinem 80. Geburtstag aus allen Teilen Deutschlands ins Emsland einlud, wo er 15 Jahre lang zu Hause war.

In seinem Element: Mit Menschen auf der ganzen Welt knüpfte der Funkamateur freundschaftliche Kontakte.

Weil inzwischen „meine alten Freunde alle tot sind“ und in Bad Sooden-Allendorf die technischen Möglichkeiten für einen weltweiten Funkverkehr nicht ausreichen, gab Groß-Albenhausen sein Hobby auf, fühlt sich aber dem DARC-Ortsverband Witzenhausen als passives Mitglied weiterhin verbunden. Nach dem Tod seiner Frau nahm er vor 13 Jahren seinen Wohnsitz in der nordhessischen Kurstadt, wo auch seine Tochter Claudia lebt. Deren Schwester Octavia ist im Emsland, Bruder Thomas in der Nähe von Potsdam zu Hause. Zur Familie gehören außerdem zwei Enkeltöchter und die 16 Monate junge Urenkelin Maya – „eine ganz Wilde, die hier durch die Bude gefegt ist“, wie der stolze Urgroßvater schmunzelnd bemerkt.

Trotz seines hohen Alters ist der 100-Jährige noch hellwach, liest viel, vorzugsweise Historisches, oder erfreut sich an Dokumentarfilmen aus der Natur. Mit Fußball, sagt der Mann aus der Heimat von Borussia Dortmund und Schalke 04, habe er „nix am Hut“ und fügt fast schon verächtlich hinzu: „Früher war das mal Sport, heute nur noch Geschäft.“ Seinen Haushalt schmeißt er noch selbst, steht auch noch jeden Tag am Herd. Erbsen, Bohnen und Linsen gehören zu seinen Lieblingsgerichten. Aber auch vor der Zubereitung von Gulasch schreckt er nicht zurück. Nur mit dem Kartoffelschälen steht er Kriegsfuß: „Das macht meine Tochter.“ Theo Groß-Albenhausen freut sich: „Ich kann noch frei rumlaufen. Das ist das Wichtigste. Und wenn nicht, dann hab ich eine Stütze“, deutet er auf Claudia.

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