„Für den Glanz in den Augen der Gäste“

Was es mit der Musikreihe „Weltklassik am Klavier“ auf sich hat

Lang ist’s her: Die erst 17-jährige Laetitia Hahn gab in der Badestadt das vorläufig letzte Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier“.
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Lang ist’s her: Die erst 17-jährige Laetitia Hahn gab in der Badestadt das vorläufig letzte Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier“.

Seit gut acht Jahren gibt es die Reihe „Weltklassik am Klavier“ in Bad Sooden-Allendorf. Wir beleuchten die Entstehungsgeschichte.

Bad Sooden-Allendorf – Jungen Ausnahmepianisten eine Auftrittschance zu bieten, das ist die eine Sache. Die zweite: „Wir spielen alle für den Glanz in den Augen der Gäste.“ Das sagt Kathrin Haarstick. Die 61-Jährige, die schon mit fünf Jahren erstmals selbst in die Tasten gegriffen hat, ist die „Erfinderin“ der Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“, die seit mehr als acht Jahren auch in Bad Sooden-Allendorf zu Hause ist.

Die Liebe zu Beethoven, Bach und Mozart wurde dem Mädchen quasi in die Wiege gelegt. Im Elternhaus, erinnert sie sich, war von morgens bis abends klassische Musik zu hören.

Im ostfriesischen Rysum, einem 600-Seelen-Dorf an der Nordseeküste, organisierte Kathrin Haarstick vor 20 Jahren die ersten Konzerte in einer Scheune. Der Erfolg spornte sie an. Es schlug die Geburtsstunde von „Weltklassik am Klavier“ mit aktuell mehr als 400 Konzerten in gut 40 bundesweit ausgesuchten Orten. Weitere könnten folgen. Voraussetzung: ein repräsentativer Raum, wie etwa der Wappensaal im Alten Kurhaus in Sooden, und „ein sehr guter Flügel“. Unter Vertrag stehen sie nicht, die aufstrebenden Pianistinnen und Pianisten, die sie vermittelt. Ihre GmbH beteiligt die Künstler am Eintrittsgeld.

Um ein außergewöhnlicher Pianist zu sein, sagt Haarstick, brauche man neben musikalischem Talent und Gefühl „unglaublichen Fleiß“. Diese Kombination finde man vor allem im osteuropäischen Raum.

Coronabedingt müssen die Klassikfreunde seit langer Zeit auf Livekonzerte verzichten. Zuletzt Anfang März verzauberte in der Badestadt die damals erst 17-jährige Laetitia Hahn ihr Publikum.

Es sei „eine unglaublich harte Zeit für uns alle“, sagt Haarstick. Einige Pianisten erteilten Unterricht via Internet, um überleben zu können, „aber die Seele der Künstler leidet“.

Ausdrücklich würdigt sie das Engagement von Klaus Heinitz als lokalem Gastgeber der Konzerte in der Kurstadt. Von Besuchern wie Pianisten werde Heinitz „hoch verehrt“.

Feuer und Flamme ist Kathrin Haarstick für ein brandneues Projekt: „Wir haben eine CD mit Wiegenliedern produziert, die wir Anfang Januar an Krankenhäuser, Kitas und Hebammen kostenlos verteilen, damit alle Kinder wieder besser schlafen können.“

Neuer Schirmherr

Unterdessen hat Kathrin Haarstick mit dem weltweit agierenden Pianisten Wolfram Schmitt-Leonardy (53) einen neuen Schirmherrn für „Weltklassik am Klavier“ gewinnen können. Beide hatten sich bei einem Interview kennengelernt und Gemeinsamkeiten entdeckt, da auch der Hochschullehrer, wie er sagt, ständig bemüht sei, seinen hochbegabten Studenten und Jugendlichen eine möglichst umfassende Ausbildung zu geben.

Er wolle „Teil einer Idee“ sein, die durch gezielte Konzertvermittlung einen essenziellen Beitrag zur Verbesserung der künstlerischen Ausbildung von Pianisten leiste, und sie auf den ersten Schritten ihrer Karriere unterstützend begleiten, begründete Schmitt-Leonardy sein Engagement.

Konkret helfe er bei der Auswahl von Pianisten unter den Aspekten von Talent, Können und künstlerischer Persönlichkeit. Es gehe darum, in einem kleinen, geschützten Raum zu trainieren, um für den „Ernstfall“ des öffentlichen Auftritts gerüstet zu sein.

Aktuell habe die Corona-Krise die Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Andererseits bestehe jetzt genügend Zeit zur Beschäftigung mit Komposition, Improvisation und zur Entwicklung neuer Konzepte und Ideen. „Wer die Zeit nutzt, ist danach klar im Vorteil“, so der Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. (zcc)

Kathrin Haarstick, Initiatorin der Konzerte.
Schirmherr Wolfram Schmitt-Leonardy.

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