Geschäftsführerin Hannelore Beutler verlässt Diakoniestationen

Büroschmuck: Dieses Bild nimmt Hannelore Beutler aus ihrem Büro in Bad Sooden-Allendorf mit, wenn sie in Ruhestand geht. Foto: Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Anfang April beginnt ein neues Leben für Hannelore Beutler. „Dann habe ich Zeit, mir über meine Freizeit Gedanken zu machen", sagt die 64-Jährige, die nach 14 Jahren als Geschäftsführerin der Diakoniestationen Eschwege-Witzenhausen mit Sitz in Bad Sooden-Allendorf in Ruhestand geht.

Zu ihrer Verabschiedung findet heute ab 15 Uhr ein Gottesdienst in der Marktkirche in Eschwege statt.

Als sie nach 15 Jahren als Sozialarbeiterin für die Diakonie in Kassel nicht weiterbeschäftigt wurde, setzte sie sich für die Gemeindepflege in Bad Sooden-Allendorf ein hehres Ziel: Ist ambulante Pflege noch machbar, wenn die Entgelte nicht auskömmlich sind, ohne dass die Mitarbeiterinnen auf Weihnachtsgeld verzichten und ständig um den Job bangen müssen? Wenn nicht, müsse man dazu raten, dass sich Kirche und Diakonie aus diesem Arbeitsfeld zurückziehen, obwohl gerade das eine ihrer ureigensten Aufgaben ist. Die Frage wollte sie nach spätestens drei Jahren mit Ja beantworten können - oder aufhören.

Doch gepackt vom Ehrgeiz und dem Engagement der Beschäftigten machte Beutler weiter, musste dann 2005 ernsthaft prüfen, ob Insolvenz anzumelden ist. Ab 2006 ging es langsam wieder bergan, weil die Politik nun die ambulante Pflege vor der stationären auch finanziell förderte - „und wegen der großen Unterstützung der Mitarbeiterinnen“, wie Beutler sagt. Auch Qualitätsmanagement wurde eingeführt, damit sich das Team verändern konnte. Beutler: „So entstand ein großes Wir-Gefühl.“

Und so antwortet sie auf die Frage nach ihrem schönsten Berufserlebnis auch ohne Überlegen, „dass die Mitarbeiterinnen mich verstanden und die Umstrukturierungen mitgemacht haben“. Sie hätten sich darauf eingelassen, obwohl es nicht immer leicht für sie gewesen sei, sagt die scheidende Chefin von heute 100 Mitarbeiterinnen.

Im Rückblick betont Beutler stolz, jeden Tag gern zur Arbeit gegangen zu sein, trotz manchmal ganz schön hohen Drucks und Verantwortung und täglich zwei Stunden Fahrerei von und nach Kassel, ihren Wohnort. Nun gehe sie, da sie die Zukunft der Diakoniestationen zu ihrer Zufriedenheit geregelt habe, beruhigt und gerne: „Für mich ist es gut.“

Sie freut sich auf die Zeit mit den zwei Enkelkindern und auf Reisen, die ihr Mann schon geplant hat. Die erste große Tour führt nach Kalifornien und Kanada. Frühestens in einem Jahr dürfe man bei ihr mal vorsichtig anklopfen, wo sie sich ehrenamtlich einsetzen könnte - nicht nur für ältere, sondern gerade auch jüngere Menschen.

Im Verwaltungsrat von Aufwind, dem Verein für seelische Gesundheit, das hat Hannelore Beutler schon jetzt gesagt, will sie jedenfalls weitermachen. So bleibt sie mit ihrem Engagement dem Werra-Meißner-Kreis erhalten.

Zur Person

Hannelore Beutler (64) wuchs in der Kurpfalz in Walldorf bei Heidelberg, wo sie im August 1950 geboren wurde, auf und machte nach acht Jahren Volksschule eine Ausbildung als Industriekaufmann - Kauffrau gab es damals noch nicht.

1971 zog sie in das Arbeitskräfte suchende Berlin, ließ sich zur praktischen Betriebswirtin umschulen, holte an der Abendschule die Mittlere Reife nach und machte das Fachabitur. Nach einem Jahr Jugendarbeit beim CVJM studierte sie nebenher noch Sozialarbeit.

1980 wechselte sie mit ihrem Mann nach Kassel, wo sie drei Jahre bleiben wollten. Längst ist die Nordhessen-Metropole ihre Heimat geworden. In Kassel war sie in der sozialpsychiatrischen Beratung, bei einem GhK-Projekt und ab 1984 bei der Diakoniestation beschäftigt und studierte berufsbegleitend noch Gerontologie, die Wissenschaft vom Altern.

Hannelore Beutler ist seit 39 Jahren verheiratet, Mutter zweier erwachsener Töchter und zweifache Großmutter.

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