Stadt stellt sich mit Entschluss gegen Land

Gradierwerk in Bad Sooden-Allendorf wird für 1,7 Millionen Euro saniert

+
Wird von Grund auf saniert: das Gradierwerk in Sooden. Bauaumtschef Helmut Franke (von links), Mario Blascke als Leiter des städtischen Bauhofes, Aljoscha Wardeischke von der gleichnamigen Zimmerei, Bürgermeister Frank Hix und sein Stellvertreter Günter Leis machen sich ein Bild vor Ort.

Bad Sooden-Allendorf. Nach langwierigen Planungen und Diskussionen ist gestern der Startschuss für die grundhafte Sanierung des Gradierwerks gefallen.

Das Projekt ist mit 1,7 Millionen Euro veranschlagt und soll spätestens Ende Mai nächsten Jahres und damit pünktlich zur Feier des 800-jährigen Bestehens der Badestadt fertiggestellt sein.

Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Summe nicht ausreichen werde, machten Bürgermeister Frank Hix und Erster Stadtrat Günter Leis unter Hinweis auf allgemeine Kostensteigerungen in den letzten drei Jahren deutlich. So lange lägen die ersten Überlegungen und Kostenschätzungen zurück, betonten beide am Dienstagvormittag in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb sei die ursprünglich ebenfalls geplante Sanierung des Gradierwerk-Ostturmes erst einmal gestrichen worden. Ob sie dennoch zum Zuge kommen werde, sei der Entscheidung des Stadtparlamentes vorbehalten. Bislang, ergänzte Bauamtsleiter Helmut Franke, liege man mit den Auftragsvergaben noch im Kostenrahmen.

Im Kern geht es bei der Sanierung um zwei Dinge: So muss durch eine widerstandsfähige Plane die Wanne abgedichtet werden, welche die von der Spitze des Gradierwerks herunterlaufende Sole unter der 140 Meter langen und zwölf Meter hohen Holzkonstruktion auffängt, so dass sie nicht mehr im Boden versickern, sondern wieder verwendet kann. In einem zweiten Schritt werden sämtliche Schwarzdornfelder erneuert, die durch mineralische Ablagerungen so schwer geworden sind, dass Experten die Statik des Gebäudes gefährdet sehen. Dafür müssen die durch Dornstein stark verkrusteten Schwarzdornzweige komplett entnommen und durch neue Zweige ersetzt werden, die – weil jetzt blattlos – nur im Winter geerntet werden können und voraussichtlich aus Polen importiert werden.

Für die Dauer der Arbeiten steht das Gradierwerk als Freiluftinhalatorium nicht zur Verfügung. Dies betrifft auch die Saunalandschaft im Bereich der Werrataltherme, für deren Besucher sich ansonsten nichts ändert. Ändern wird sich freilich die Verkehrsführung für den Stadtbus, weil seit gestern die Straße Am Gradierwerk gesperrt ist. Zwar sind auf diesem Weg die Behinderten-Parkplätze an der Therme noch zu erreichen, allerdings entfallen die Bushaltestellen an der Werratal-Therme und in der Fortsetzung am Kurtheater und an der Westseite des Bahnhofes. Die zur Therme nächstgelegene Haltestelle ist nach Angaben von Ordnungsamtschef Rainer Langefeld somit am Eingang zum Bahnhofsgebäude. Auf Zuschüsse für die Sanierung kann die Stadt nicht hoffen, weil das Land Hessen die als „freiwillige Leistung“ der Schutzschirm-Kommune ansieht.

Wiesbaden hat unter Protest der Stadtverordneten sogar damit gedroht, die Gelder aus dem Landesausgleichsstock zu kürzen. Ein klärendes Gespräch mit den hiesigen Landtagsabgeordneten, wie vom Parlament gewünscht, sei nicht zustande gekommen, bedauerte Bürgermeister Hix. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.