Wegen Corona-Pandemie war sechs Wochen lang geschlossen

Grenzmuseum bei Bad Sooden-Allendorf hofft auf Hilfe

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Zum Internationalen Museumstag ist auch ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes zu sehen, wie er bis 1989 zum Einsatz im Verteidigungsfall vorgesehen war. Davor ein Kettenfahrzeug der US-Streitkräfte. 

Das Grenzmuseum Sickenberg oberhalb von Bad Sooden-Allendorf ist wegen der Corona-Pandemie in Nöten.

„Wir waren sehr hoffnungsvoll ins Jahr gestartet. Bis Mitte März hatten wir so viele Besucher wie nie zuvor um diese Zeit.“ Ein bisschen Wehmut schwingt mit aus den Worten von Dr. Christian Stöber. Der 32-jährige Historiker ist pädagogischer und wissenschaftlicher Leiter des Grenzmuseums Schifflersgrund an der früheren Demarkationslinie zwischen Bad Sooden-Allendorf und dem thüringischen Sickenberg. Wegen der Corona-Pandemie war die Mahn- und Gedenkstätte sechs Wochen geschlossen mit der logischen Folge eines massiven Einbruchs der Besucherzahl.

Und allzu rosig sind die Aussichten auch nicht, seit das erste Grenzmuseum auf deutschem Boden seit dem 27. April wieder geöffnet ist. „Es läuft noch recht schleppend“, zieht Stöber eine Zwischenbilanz. Und wenig Mut macht ihm auch die Ankündigung von Hessens Kultusminister Alexander Lorz, der bis einschließlich der Herbstferien Museumsfahrten von Schulklassen untersagt hat: „Ein großer Verlust.“

250 000 Euro beträgt das Jahresbudget, das sich je zur Hälfte aus Fördermitteln und jenem Geld zusammensetzt, das die Besucher im Grenzmuseum lassen. Wegen erheblich geringerer Einnahmen in diesem Jahr bei gleichzeitig erhöhtem Material- und Personalaufwand wegen der Coronakrise erhofft sich Stöber staatliche Hilfe, um über die Runden zu kommen. Und ganz so schlecht scheinen die Aussichten nicht zu sein. Das Land Thüringen nämlich wolle aus einem Sonderfonds 4,4 Millionen Euro für Museen bereitstellen, was aber noch gesetzlich festgeschrieben werden müsse. Diesbezüglich sei man auch mit der hessischen Staatskanzlei in Kontakt, sieht der Historiker Licht am Ende des Tunnels.

Zur Eindämmung der Coronapandemie hat das Grenzmuseum strenge Hygienevorschriften erlassen. Es gelten Abstands- und Maskenpflicht auch auf dem Freigelände. Um Begegnungen zu vermeiden, werden die Besucher auf einer Einbahnstraße durch das Areal geleitet. Museumsführungen sind vorläufig abgesagt, Ein- und Ausgang getrennt. Publikationen werden nicht mehr ausgelegt. Und mehrmals am Tag werden die Sanitäranlagen und Türklinken desinfiziert. Kontrollgänge überwachen die Einhaltung der Bestimmungen. 

Soeben aufgebaut wurde eine Ausstellung in der Hessenhalle, die am kommenden Sonntag eröffnet wird. „Von Liebe und Zorn – Jung sein in der Diktatur“ zeigt auf 27 mehr als mannshohen Bannern, wie sich die kritische Jugend dem SED-Regime zu entziehen versuchte und den Widerspruch zwischen ihren Träumen und dem real existierenden Sozialismus erlebte. Bis zum September sollen die eindrucksvollen Bild-, Text- und auch Tondokumente zu sehen und zu hören sein.

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