600 Bürger bei Info-Veranstaltung zur Suedlink-Stromtrasse

Große Sorge in Bad Sooden-Allendorf um die Solequellen

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Großes Interesse an den Plänen, die Starkstromtrasse Suedlink per Erdkabel durchs untere Werratal zu legen: 600 Menschen kamen am Dienstagabend zur Info-Veranstaltung ins Kulturzentrum von Bad Sooden-Allendorf.

Die Absicht, die Stromleitung Suedlink per Erdkabel von der Elbe gen Süden durch das untere Werratal zu legen, wird in Bad Sooden-Allendorf aus einem speziellen Grund – wenn auch nicht dem einzigen – sehr kritisch gesehen:

Die Sole-Heilquellen im Untergrund könnten, wenn die Leitungen unterirdisch verlegt werden, ge- oder gar zerstört werden.

Wegen der wasserführenden Sandsteinschichten und tektonischen Verwerfungen im Werratal sei dies nicht auszuschließen – zumal der Plan zwölf Fluss-Unterquerungen vorsieht. Das gaben am Dienstagabend gleich mehrere Badestädter, darunter der ehemalige Bürgermeister Ronald Gundlach, im Kulturzentrum in Sooden besorgt zu Bedenken. „Bad Sooden-Allendorf hängt am Wasser“, fasste es Landwirt Helmut Scharff zusammen.

Die Bürger – 600 füllten den großen Saal, manche standen sogar – hatten nach fast zwei Stunden die Möglichkeiten, Fragen zur Suedlink-Trasse an die Vertreter des Stromnetzbetreibers Tennet zu stellen. Zuvor waren ihnen bei der vom Landkreis organisierten zweiten von insgesamt sieben vorgesehenen Info-Veranstaltungen die Pläne der Tennet und deren Bewertung durch die Bürgerinitiative „Bürger mit Initiative“ vorgetragen worden.

Dass die „Konfliktpotenziale“ genannten drohenden (Zer-)Störungen von aus verschiedensten Gründen schutzbedürftigen Bereichen sich im Werratal häuften, beschönigte Tennet-Vertreter Thomas Wagner nicht. Beim Vergleich der Trassen und in der Gesamtabwägung werde darauf keine Rücksicht genommen, da habe man im Werratal „halt Pech gehabt“, kommentierte Stefan Heuckeroth-Hartmann von der in Bad Sooden-Allendorf entstehenden Bürgerinitiative gegen Suedlink“ verärgert.

Von Sorgen geprägte Fragen betrafen die Nähe zu Wohnhäusern, die Haltbarkeit von Kabel und Leerrohren, ebenso die Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit der Menschen. Auch direkt über der in 1,30 Meter Tiefe liegenden Leitung liegt der Wert laut Wagner weit unter dem Grenzwert für Gleichstrom. Wobei Oliver Radel von der Bürgerinitiative diesen als „merkwürdig hoch“ festgelegt erachtet.

Zu Bedenken der Landwirte bezüglich der Zerstörung der Bodenstruktur sagte Wagner: „Wir entschädigen auch Ertragsverlust“. Ebenso den Wertverlust von Immobilien, wie ein Hausbesitzer wissen wollte? „Da kann ich Ihnen nichts anbieten“, antwortete der Tennet-Mann.

Für die Suche nach Ausgleichsflächen für die Eingriffe in die Landschaft hat die Tennet nach seiner Aussage noch keine Lösung. Ebenso nicht, wie man 30 Tonnen Kabel über nicht vorhandene Wege anliefern will, aber schon Ideen – beispielsweise den (Um-)Bau von Wegen.

Noch sei es nicht zu spät, Argumente dagegen in die Waagschale zu werfen, hieß es am Dienstagabend mehrfach – auch wenn das Gefühl bei den Zuhörern im Kulturzentrum in Sooden von Pessimismus geprägt war angesichts der Tatsache, dass die Stromtrasse durchs Werratal als Vorzugsvariante vom Netzbetreiber Tennet ausgewählt wurde. 

Die Entscheidung, wo die Suedlink-Trasse von Brunsbüttel aus nach Bayern und Baden-Württemberg verläuft, trifft die Bundesnetzagentur (BNA) in Bonn – voraussichtlich Ende dieses Jahres. 

Zunächst werden im Beteiligungsverfahren die Unterlagen zur Einsicht wohl Anfang April ausgelegt. Insgesamt zwei Monate werden Bürgern, Verbänden und Vereinigungen dann eingeräumt, schriftlich und elektronisch Einwendungen und Stellungnahmen an die BNA zu schicken, also vermutlich bis Anfang Juni. Ab Mitte August finden dann die Erörterungstermine statt, zu denen ausschließlich jene eingeladen werden, die Einwendungen abgegeben haben.

 Im Gegensatz zu einem Planfeststellungsverfahren, das auch in diesem Fall noch folgt, darf jetzt jedermann noch Einwendungen und Bedenken ins Verfahren einbringen – und dazu rief Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann (Grüne) fast schon beschwörend auf: „Jetzt muss Dampf gemacht werden.“ 

Schließlich könnte statt dem Werratal-Abschnitt (TKS 74) ebenso auch das alternative, parallel direkt im östlichen Meißnervorland von Witzenhausen-Unterrieden bis Meißner-Germerode verlaufende Trassenstück (TKS 73) am Ende ausgewählt werden, ebenso der Abschnitt über Waldkappel und Sontra (TKS 76) statt dem Verlauf durchs Werratal bis Herleshausen (TKS 77). „Aus naturschutzfachlicher Bewertung sind“, betonte Wallmann, „beide Korridore nicht akzeptabel“. 

Auch Tennet-Vertreter Thomas Wagner ermunterte zur Abgabe von Einwendungen: „Nutzen sie die Möglichkeit der Masse“ und auch an verschiedenen Argumenten. Die Kommunen könnten, wie er sagte, beispielsweise auf bislang nicht ausgewiesene, aber angedachte Gewerbe- oder Neubaugebiet aufmerksam machen. 

Unterstützung bei den Einwendungen bietet auch der Werra-Meißner-Kreis. Dazu kann man sich an den Koordinator im Fachbereich Landwirtschaft wenden: per E-Mail an torsten-rapp@werra-meissner-kreis.de

Detailliert informieren kann man sich im Internet schon über Tennet und TransnetBW auf deren Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor und zum Korridornetz auf den Projektwebseiten suedlink.tennet.eu sowie transnetbw.de/suedlink

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