Gunther Emmerlich: Für Hilfe immer ansprechbar

Liebhaber der Musik: Gunther Emmerlich war schon zu DDR-Zeiten ein bekannter (Opern-)Sänger und Moderator. Nach der Wende setzte er seine erfolgreiche Karriere fort. In Bad Sooden-Allendorf gibt er nun ein Konzert. Auf dem Bild ist er in seiner Dresdner Stadtvilla beim Gitarrespielen zu sehen. Foto: dpa

Bad Sooden-Allendorf. Der Sänger und Moderator Gunther Emmerlich verrät im Interview, dass er gern Nächstenliebe walten lässt.

Ein „Festliches Konzert“ mit Bass, Trompete, Orgel und Cello gibt der bekannte Opernsänger und Moderator Gunther Emmerlich zusammen mit den Musikern Kurt Sandau (Dresden), Matthias Suschke (Berlin) und Sabine Herzog (Berlin) am Samstag, 7. November, ab 17 Uhr in der St.-Crucis-Kirche in Allendorf. Redakteur Stefan Forbert sprach vorab mit ihm.

Herr Emmerlich, Sie sind sehr vielseitig: Sänger, Musiker, Moderator, Schauspieler, Buchautor und Weinbotschafter von Saale und Unstrut. Was machen Sie am liebsten? 

Gunther Emmerlich: ...und Botschafter der José-Carreras- Leukämie-Stiftung. Dann könnte ich noch viele Schirmherrschaften aufzählen: für die Generalsanierung der Stadtkirche in Wittenberg, für die Orgel der Kirche in Kahla, für meine eigene Kirche. Ich bin jetzt in einer Phase meines Lebens, in der man mir gern solche Ehrenämter anträgt. Und wenn ich damit etwas helfen kann, dann tue ich das natürlich gern. Zurück zu Ihrer Frage: Die Vielseitigkeit ist wahrscheinlich mein Markenzeichen. Deswegen kann ich nicht so richtig sagen, was ich am liebsten mache. Am liebsten habe ich den Wechsel, am liebsten mache ich nicht immer dasselbe.

In Bad Sooden-Allendorf geben Sie ein festliches Konzert, wie es in der Ankündigung heißt. Was ist dabei festlich? 

Emmerlich: In einer Kirche kann es durchaus fröhlich zugehen, aber ein bisschen festlich sollte es in einer Kirche auch sein. Es ist Musik, die in der Kirche erklingt, die für den Glauben geschrieben wurde und die zum Teil die Jahrhunderte überdauert hat und die man in der Kirche auch erwartet, also Musik von Johann Sebastian Bach, von Georg Friedrich Händel. Es sind auch Spirituals und Gospels dabei. Das Konzert ist durchaus auch fröhlich und bisweilen sogar heiter, weil ich zwischen den Musikstücken Interessantes erzähle über die Komponisten und über die Zeit und über die Musik.

Es soll also ein abwechslungsreiches Programm geboten werden: Arien und Abendlieder, auch Spirituals und Gospels. Auf welche Stücke, die Sie singen wollen, freuen Sie sich am meisten? 

Emmerlich: Alle Stücke, die ich ausgewählt habe, schätze ich besonders, sonst hätte ich sie nicht ins Programm genommen.

Das Konzert gehört zu einer Veranstaltungsreihe zum Gedenken an den Fall der Mauer vor 25 Jahren oder besser: an das erfolgreiche Ende der friedlichen Revolution 1989. Woran denken Sie bei diesen Stichworten als erstes? 

Emmerlich: Das finde ich schön, dass dies der Anlass des Konzerts ist. Ich bin durchaus Teil des Ganzen gewesen, ich habe die Künstler-Demo in Dresden mitorganisiert und habe sie auch moderiert. Von Anfang Oktober an bin ich mit auf der Straße gewesen und habe mitdemonstriert. Wir haben eine Resolution verfasst schon Ende September zu meinem Geburtstag und dann nach den Vorstellungen verlesen. Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu dieser historisch so wichtigen Zeit. Und ich bin sehr dankbar, dass ich nicht nur mit erleben durfte, sondern dass ich auch meinen kleinen Teil dazu beitragen konnte.

Sie sind aufgrund freundschaftlicher Kontakte häufiger im Eichsfeld, haben Sie mir vor einigen Jahren auf Burg Hanstein verraten. Und welchen Bezug haben Sie zum Werratal? 

Emmerlich: Ich habe schon einmal in Bad Sooden-Allendorf ein Arien-Programm gemacht, auch mit der jazzigen Semper-Hausband sind wir wohl schon dort gewesen. Zum Eichsfeld habe ich immer noch innigste Beziehungen, weil einer meiner besten Freunde in Breitenworbis wohnt.

Haben Sie sich denn schon einmal das Grenzmuseum Schifflersgrund oberhalb der Stadt Bad Sooden-Allendorf angeschaut? 

Emmerlich: Davon habe ich gehört, das will ich dieses Mal packen.

Nun steht Deutschland ähnlich wie vor 25 Jahren erneut eine riesige Aufgabe bevor, um die Hunderttausende von Flüchtlingen aufzunehmen und zu integrieren. Sie sagen ja selbst, sie helfen hier und helfen da. Sehen Sie sich veranlasst, auch bei dieser Aufgabe mitzuhelfen? 

Emmerlich: Ich bin immer ansprechbar, wenn es etwas zu tun gibt. Die Nächstenliebe ist eine unserer Grundausstattungen, die wir als Christen haben. Wenn ich die walten lassen kann, dann tue ich dies gern - wohlwissend, dass wir alle uns bei der Bewältigung dieses Problems in ganz Europa angesprochen fühlen sollten.

Gunther Emmerlich (71) wurde in der Stadt Eisenberg in Ostthüringen geboren, deren Ehrenbürger er längst ist. Heute ist er in Dresden zu Hause. Bevor sich der für seine sonore Bass-Stimme bekannte Opernsänger und Moderator der Musik zuwandte, erlernte er das Handwerk des Betonbauers. Er übernahm zahlreiche Opern- und Musicalrollen. Im Fernsehen der DDR wurde er als Gastgeber der Sendung „Showkolade“ bekannt, von 2004 bis 2012 moderierte er die TV-Gala „Krone der Volksmusik“. 2012 spielte er in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ mit. Bereits 1990 erhielt er den Fernsehpreis „Bambi“.

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