Wieder geöffnet

Haare schön ab Mitternacht: Friseurmeister Peter Dilcher nutzt jede Minute

Einsatz um Mitternacht: Während Friseurmeister Peter Dilcher seinem Freund Patrick Lutz einen modernen Haarschnitt verpasst, kümmert sich im Hintergrund seine Schwester Alexandra um einen flotten Look für Dagmar Nöding. 
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Einsatz um Mitternacht: Während Friseurmeister Peter Dil cher seinem Freund Patrick Lutz einen modernen Haarschnitt verpasst, kümmert sich im Hintergrund seine Schwester Alexandra um einen flotten Look für Dagmar Nöding. 

Nach der coronabedingten Schließung dürfen die Friseure wieder öffnen. Bei Friseurmeister Peter Dilcher aus Bad Sooden-Allendorf dürfen die Kunden bereits seit Mitternacht kommen. 

So was hat es vermutlich in ganz Deutschland noch nicht gegeben. Zur Geisterstunde in der Nacht zum Montag öffnete Friseurmeister Peter Dilcher seinen Salon in der Allendorfer Altstadt, nachdem für seine Zunft die Leidenszeit wegen der staatlich verordneten Schließung erst einmal vorbei ist. Und prompt gaben sich die Wuschelköpfe beiderlei Geschlechts die Klinke in die Hand: Haare schön um Mitternacht.

Gut sechs Wochen lang durften Peter Dilcher und seine Schwester Alexandra Acevedo nur für den Eigengebrauch zu Kamm und Schere greifen und büßten deshalb auch eine hübsche Stange Geld ein, zumal in den Filialen in Sooden und in Heiligenstadt ebenfalls nichts mehr ging.

Aus Freude über das Ende des coronabedingten Stillstands kam der Hairstylist auf die ungewöhnliche Idee, zu nachtschlafender Stunde und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt sein Geschäft wieder aufzuschließen; zur Feier der neuen Arbeitserlaubnis freilich eine einmalige Aktion quasi nach dem Motto: Jede Minute zählt. Und natürlich hatte er zuvor seine treue Kundschaft informiert.

Dazu gehört auch Dagmar Nöding, die, höchst angetan von dem witzigen Einfall, um punkt null Uhr auf der Matte stand. Die 57-jährige Medienberaterin mit der sportlichen Kurzhaarfrisur lässt sich üblicherweise alle vier Wochen in den Sessel des Salons fallen.

Zuletzt war sie vor acht Wochen beim Friseur, „und nach meinem Haarwuchs zu urteilen, könnte das auch im Dezember gewesen sein“. Unbedingt runter müsse die Wolle und Farbe drauf, sagt sie, die nicht länger habe warten wollen. Die lange Liste der Voranmeldungen gibt ihr Recht.

Fast zeitgleich mit Dagmar Nöding betrat Patrick Lutz den Salon, in dem die Zahl der „Behandlungsstühle“ dezimiert worden ist. Abstand halten ist auch künftig das Gebot der Stunde. Normalerweise liege er zu dieser unchristlichen Zeit längst im Bett, gesteht der 38-jährige Einzelhandelskaufmann, der mit dem Friseurmeister befreundet ist und seinen letzten Haarschnitt vor sieben Wochen hatte.

Jetzt hofft er, wieder in den alten Monatsrhythmus zu kommen. Insgesamt 17 Kunden, überwiegend Männern, haben Peter Dilcher und Alexandra Acevedo bis zum frühen Morgen zu einer neuen Haarpracht verholfen. Und nach nur wenigen Stunden Schlaf ging es am helllichten Tag weiter bis abends um 21 Uhr. Wegen des starken Kundenandrangs hat der Friseurmeister die Öffnungszeiten verlängert und hält wie das Stammhaus in Allendorf jetzt auch die Filiale in Sooden montags offen.

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