Debatte im Finanzausschuss

Gesundheitsprojekt Heilwald in Bad Sooden-Allendorf steht vermutlich vor dem Aus

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Hatte im Finanzausschuss einen schweren Stand: Almut Boller, die Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes, die hier auch eine Karte präsentiert, auf welcher der geplante Heilwald eingezeichnet ist. 

Bad Sooden-Allendorf. Der Heilwald, der in Sooden entstehen und dem Kurort eine neue Gästeklientel erschließen soll, scheint bereits am Ende zu stehen.

Darauf deutet die Debatte im Finanzausschuss hin, der sich am Mittwochabend zweieinhalb Stunden mit dem Projekt befasste, das bundesweit bisher erst in einem Luftkurort in Mecklenburg-Vorpommern realisiert ist. Für Bürgermeister Frank Hix (CDU) als eifrigen Verfechter dieses Gesundheitsprojektes wachsen offenbar nicht „alle Bäume in den Himmel der Liebe“, wie es in einem Schlagertext heißt. 

Anders als erwartet, formulierte der Ausschuss noch keine Beschlussempfehlung für die entscheidende Parlamentssitzung am 26. Oktober, das will er erst zwei Tage vorher tun.

Obwohl Hessen-Forst, der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und örtliche Kliniken dem Bürgermeister Unterstützung signalisierten, zeichnete sich in den Redebeiträgen der Kommunalpolitiker aller Fraktionen ein Scheitern des Projektes schon deutlich ab. Daran vermochte auch die inzwischen vorliegende Zusage des Landes Hessen nichts zu ändern, das mit 29 000 Euro die Hälfte der Kosten zur Errichtung des Heilwaldes tragen würde. Bis Ende diesen Monats müsste das Fördergeld abgerufen werden, damit es zum Ende des Jahres ausgezahlt werden könnte.

Unter dem Sparzwang der Schutzschirm-Kommune würden dem Bürger immer mehr Lasten aufgebürdet. Es fehlten ein schlüssiges Konzept und eine betriebswirtschaftliche Rechnung. Der Nutzen für die Stadt werde nicht dargestellt. Aus dem Wald wolle man keinen Schilderwald machen. 

Und mit den wenigen Leuten im Baubetriebshof sei die Stadt überhaupt nicht in der Lage, den Heilwald auf Dauer in Ordnung zu halten, waren die wesentlichen Argumente, auf das Projekt zu verzichten. Außerdem bestehe kein existenzielles Interesse der Kliniken an dem Heilwald. Inzwischen ziehe auch nicht mehr das Argument eines Alleinstellungsmerkmals in Hessen. Viele weitere Kommunen hätten sich bereits auf den Weg zum Heilwald gemacht.

Genau darin erkannte Almut Boller als Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes den Beweis für die Attraktivität dieses neuen Angebotes. Und auch Bürgermeister Hix vertrat die Ansicht, man würde eine große Chance verpassen, wenn man auf eine solche Zertifizierung verzichte, mit dem sich der Wald ganz anders vermarkten ließe. Hix: „Wir setzen wenig Geld ein, um viel zu verdienen.“

Davon profitiere in hohem Maße auch die örtliche Geschäftswelt. In diesem Zusammenhang wies Boller darauf hin, in den hessischen Heilbädern und Kurorten gebe jeder Gast pro Tag im Schnitt knapp 30 Euro aus.

Gesund werden im Heilwald

Der Heilwald ist ein Angebot für eine therapeutische Nutzung des Waldes von Menschen mit Beschwerden der Atemwege, des Bewegungsapparates, Nerven- und psychosomatischen Erkrankungen. Allein oder auf geführten Wanderungen sollen Besucher Ruhe und Gesundheit tanken, indem sie Wege mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden bewältigen oder Plätze für körperliche und meditative Übungen nutzen. 

Gedacht war und ist, den Heilwald auf bereits bestehenden und noch zusätzlich auszuschildernden Wegen in einer Gesamtlänge von zwölf Kilometern einzurichten und eine Fläche von rund 50 Hektar in Anspruch zu nehmen. Damit, so die Befürworter, böte der Heilwald gute Voraussetzungen, um für die Bürger identitätsstiftend zu wirken und das nordhessische Heilbad weiter bekannt zu machen.

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