Der Himmel sieht fast aus wie einst

Mit Kreuzgewölbe-Optik: Zumindest so ähnlich und hell wie bis April 1637 sieht die Decke der St.-Crucis-Kirche neuerdings aus. Foto: Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Die sanierte Decke des St.-Crucis-Kirchenschiffs zeigt das alte Kreuzgewölbe.

,Was in den vergangenen Monaten hoch oben im Schiff der St.-Crucis-Kirche in Allendorf gestaltet wurde, dürfte dem ähneln, was die gläubigen Menschen noch vor 380 Jahren bei ihrem flehentlichen Blick zu Gott sahen - und was dennoch nicht mehr lange Bestand haben sollte: Das Kreuzgewölbe über ihnen. Jetzt ist es wieder zu sehen.

Bei der Zerstörung der Stadt am 27. April 1637 war auch das Gotteshaus in Brand geraten. Die Decke und die Pfeiler im Mittelgang, die kurz nach 1300 entstanden sein dürften, stürzten ein und wurden nie wieder hergestellt. Auf die Mittelpfeiler wurde beim Wiederaufbau der Kirche 1638/39 verzichtet, überwölbt wurde das Schiff durch ein Provisorium aus Eichenbalken. So beschrieb es auch 1951 der damalige Stadtarchivar Adolf Reccius in einem Aufsatz über die Kirche.

Die dunkle Holzdecke ist nun verschwunden, optisch zumindest. Eine hellgraue Decke aus Holzplatten wurde seit August untergehängt und derart gestaltet, dass die ursprüngliche Gewölbewirkung des ehemaligen gotischen Kreuzgewölbes der zweischiffigen Halle zu erkennen ist.

„Alte Formen werden wieder lebendig“, freut sich Pfarrer Hubertus Spill, und verweist auf die Abbildung der ehemaligen Gewölbegrate, Schlusssteine und Pfeiler, die plastisch wirken soll.

Die neu gestaltete Deckenverkleidung entstand „in einer intensiven Auseinandersetzung mit der langen und besonderen Geschichte der St.-Crucis-Kirche“, erläutert Spill. Gemeinsam mit dem Architekten Aloys Werner, der landeskirchlichen Bauberatung und dem Landesamt für Denkmalpflege entwickelte der Kirchenvorstand den neuen Kirchenhimmel.

Im gleichen Bauabschnitt der umfangreichen Sanierungsarbeiten in der großen Hallenkirche wurde jüngst auch die laut Werner dringend notwendige Erneuerung der Elektroinstallation einschließlich neuer Lautsprecheranlage und ergänzter Beleuchtung vorgenommen.

Zwar werden auch die alten Leuchten, die auch in der Martinskirche in Kassel hängen, wieder verwendet. Insgesamt aber gibt es künftig fast 30 Lichtquellen, die dann auch in den Chorraum strahlen können. Es gibt eine individuelle Steuerung für die unterschiedlichen Feiern, erläutert Spill.

In der nächsten Woche soll bereits der Innenanstrich des Kirchenschiffs in Angriff genommen werden. Die Farbwahl fiel auf ein Antikweiß, so dass das Kircheninnere künftig viel heller und freundlicher wirkt.

Zusammen mit der anschließenden Sanierung der Orgelempore schaffe all das die Voraussetzungen für den sicheren Einbau der neuen großen Orgel, so Spill. Und der soll bereits im Herbst dieses Jahres beginnen, damit bis zum Januar 2018 alles fertig ist.

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