Historische Schatzkammer:

„Lieblingspatient“: Bad Sooden-Allendorfs Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg liegt gerade das Bürger- und Beisitzerbuch ab 1712 am Herzen, das dringend restauriert werden müsste. Sie hofft auf Spenden. Foto: Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Für Historiker und heimatgeschichtlich Interessierte ist es eine Schatzkammer, für ehemalige Badestädter und deren Nachkommen eine wichtige Adresse, um in manche Familienchronik Licht zu bekommen.

Die Rede ist vom Stadtarchiv Bad Sooden-Allendorf, das im obersten Fachwerkgeschoss unter dem Dach des markanten Rathofs am gleichnamigen Platz untergebracht ist. Es berge, so soll der Eschweger Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann gesagt haben, mehr Schätze als „sein“ Archiv.

Hüterin der in mehreren Räumen regalweise eingeordneten Badestädter Geschichtsschätze ist Dr. Antje Laumann-Kleineberg. Seit 2010 kümmert sie sich darum - ehrenamtlich. Die promovierte Architekturhistorikerin, die auch das Lesen alter Schriften studiert hat, ist für Interessenten stets da, wenn sie gebraucht wird. Hauptsächlich wird sie von Amerikanern gebeten, nach ihren Vorfahren zu forschen.

Ihre Hilfsmittel für die Korrespondenz sind spartanisch: ein ausgemustertes Kopiergerät, ein abgelegter Computer, ein geschenkter Scanner. Die Lampe für den Schreibtisch hat sie selbst mitgebracht. Einen Telefonanschluss gibt es nicht.

Seit einem Jahr ist Laumann-Kleineberg auch stark in die Vorbereitungen der 800-Jahr-Feier im Mai 2018 eingebunden, vor allem für die Chronik. Unterlagen für Aufsätze gibt es viele in „ihrem“ Reich: Stadtrechnungen seit dem Brand von 1637, Kataster und Einwohner-Register, Chroniken und eine kleine Foto-Sammlung.

Aufbewahrt werden die städtischen Akten des Rates von Sooden ebenso wie die Protokolle der Sitzungen von Allendorfs Magistrat. Besonders bedeutsam für Historiker dürfte ein Nebenregister der Pfänner von 1629 sein. Die Steuerrollen sind bis nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Und - wonach noch niemand gefragt hat - sogar Personalakten von sowjetischen Zwangsarbeitern in der früheren Möbelfabrik.

Das „Schätzchen überhaupt“ ist ein Zufallsfund, der mit der Werrastadt wenig zu tun hat: eine Seite einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert aus dem Kloster Fulda, die zum Einbinden von Stadtakten verwandt wurde.

Laumann-Kleinebergs „Lieblingspatient“ ist das Bürger- und Beisitzerbuch der Stadt Allendorf ab 1712. Darin sind die Einwohner registriert, die - gegen eine schöne Stange Gulden - den Bürgereid geleistet hatten. Damit hatten sie alle Rechte und Pflichten eines Bürgers, durften also Grund und Häuser kaufen, ein Gewerbe ausüben, Bier brauen und Feste feiern und mussten ebenso Feuer löschen. Dieses Buch soll zum Restaurator, noch sammelt sie Spenden dafür, denn ein paar hundert Euro kostet der Erhalt schon.

Spendenkonto: Stadt Bad Sooden-Allendorf, Stichwort Spende Archiv, IBAN: DE87 5225 0030 00 5100 0222, BIC: HELADEF1ESW

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.