Nach nur sechs Monaten

Hotelkette Lindner gibt Standort in Bad Sooden-Allendorf auf

Kurzes Gastspiel: Um seinen guten Ruf nicht zu gefährden, so wird vermutet, hat der Hotel-Konzern Lindner seinen Standort in Sooden nach nur sechs Monaten aufgegeben. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Nach nur sechs Monaten hat der Hotel-Konzern Lindner als Betreiber des früheren Kurparkhotels den Standort Sooden aufgegeben. Nach dem Aus für das Sportinternat ist das für die Kurstadt der zweite herbe Imageverlust innerhalb kürzester Zeit.

„Frau Schmitz-Delgado hat das Haus bereits verlassen, und das Lindner-Hotel gibt es nicht mehr“, beschied eine freundliche Stimme an der Rezeption den Wunsch unserer Zeitung, mit der Hotel-Direktorin zu sprechen – und bestätigte damit, was sich am Wochenende wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet hatte. Trotz wiederholter Versuche war von offizieller Seite aber keine Stellungnahme zu erhalten, auch nicht von Jens Schütz, der als „Übergangs-Geschäftsführer“ bezeichnet wurde und in Diensten des Hotel-Eigentümers Ekkehart Eymer steht. Der hatte unter Modifizierung seines eigenen Namens vor dem Einstieg von Lindner das Haus als „Ekko’s Hotel“ firmieren lassen.

Gerüchteküche brodelt

Gründe für die Scheidung Lindner/Eymer wurden bislang von den Beteiligten nicht publik gemacht. Unsere Versuche, mit beiden Seiten Kontakt aufzunehmen, scheiterten mehrfach. Auf der Internetseite von Lindner heißt es unter einem Bild des Hotels lediglich „Die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Lindner Kultur & Tagungshotel wird zum 30.06.2017 beendet.“

Unterdessen halten sich in der Stadt hartnäckig Gerüchte, die Abkehr des Hotel-Konzerns von Sooden sei ursächlich darin zu sehen, den Namen Lindner nicht zu beschädigen. Angeblich seien dringende Investitionen, welche die verblassten vier Sterne des Hotels hätten aufpolieren sollen, vom Eigentümer nicht in Angriff genommen worden. Tatsächlich war das Haus vor dem Betreiberwechsel wiederholt zum Teil massiv in die Kritik geraten. So wurde vor allem eine angeblich veraltete Ausstattung der Zimmer gerügt, weshalb Hotelgäste das Haus bei Internetbewertungen mit weniger als drei Sternen kategorisierten.

Wie es mit dem Kurpark-Hotel weitergeht, ist völlig offen; auch, ob sich unter den gegebenen Umständen überhaupt noch ein seriöser Unternehmer zur Fortführung des Hotelbetriebs finden lässt. Berufene wollen in Erfahrung gebracht haben, der Hoteleigner wolle das Haus zu einer „Luxus-Residenz für Senioren“ umfunktionieren, und sprechen von einer zunehmenden „Vergreisung“ der Badestadt. Dies auch deshalb, weil gerade im Kurzentrum ein weiteres früheres Hotel angeblich für ähnliche Zwecke umgebaut wird und soeben am Schwanenteich das ehemalige Hotel Kneipp abgerissen wurde, um dort mehr als vierzig barrierefreie Wohneinheiten für ältere Leute entstehen zu lassen. Unklar ist auch das Schicksal der Hotel-Beschäftigten, die möglicherweise vor einer ungewissen Zukunft stehen. 

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