„Kirche als Ort mit Spaß“

Interview: Sebastian Koch liest am 1. Dezember Weihnachtsgeschichten in St. Crucis

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Weihnachtslesung: In Bad Sooden-Allendorf trägt Schauspieler Sebastian Koch Texte unter dem Motto „Und lauscht hinaus den weißen Wegen …“ vor. Das Foto entstand im Winter 2016 bei seiner Weihnachtslesung in der Kasseler Martinskirche.

Bad Sooden-Allendorf. Der Schauspieler Sebastian Koch kommt in die St.-Crucis-Kirche nach Bad Sooden-Allendorf und liest weihnachtliche Texte vor.

Für viele artet die Vorweihnachtszeit jedes Jahr wieder in Stress aus – Geschenke kaufen, das Wohnzimmer schmücken, das Festmahl vorbereiten, dazu kommen zahlreiche Einladungen. Am Samstag, 1. Dezember, wird es allerdings ruhig und besinnlich: Der Schauspieler Sebastian Koch, bekannt aus Filmen wie „Das Leben der Anderen“ und dem aktuellen „Werk ohne Autor“, für den er in der vergangenen Woche den Bambi als bester Schauspieler erhielt, kommt in die St.-Crucis-Kirche nach Bad Sooden-Allendorf und liest weihnachtliche Texte vor.

Herr Koch, worauf darf sich das Publikum am 1. Dezember bei der Weihnachtslesung freuen?

Sebastian Koch: Weihnachtslesung klingt immer gleich so heilig und konventionell. Es ist aber eher eine Lesung gegen die Konvention, obwohl es in dieser wunderschönen Kirche stattfindet und mit Weihnachten zu tun hat. Es ist ein sehr heiterer, aber auch Weihnachten infrage stellender Abend. Ich überlasse dem Zuhörer die Entscheidung, ob er sich distanziert oder sich annähert.

Kennen Sie denn die Kirche und die Region?

Koch: Nein, aber ich habe im hessischen Raum angefangen, Theater zu spielen, und zwar in Darmstadt – also deutlich südlicher. Da waren meine Anfangsjahre, und vielleicht die schönsten, weil man alles zum ersten Mal macht. Ich habe immer noch Freunde in Darmstadt und mag einfach den hessischen Humor. Deshalb freue ich mich auf den Abend in Bad Sooden-Allendorf. Ich mag die Kirche als Raum der Meditation und der Stille. Da eine Lesung zu machen, hat mich sehr interessiert, weil ich aus einer christlichen Familie komme – man durfte nie klatschen oder lachen. Die Kirche zu einem Ort zu machen, an dem etwas Spaß bereitet, hat mich gereizt.

Wer trifft die Auswahl für Ihre Lesung?

Koch: Die Texte habe ich selbst ausgesucht. Das sind die, die mich beeindrucken und mir Freude bereiten. Ich habe zum Beispiel einen wunderschönen Text von Rainer Maria Rilke entdeckt, „das Christkind“. Ich habe ihn gefunden und war begeistert von der tollen deutschen Sprache, die sehr reich ist und auch sehr traurig, dann wieder unglaublich romantisch.

Unter anderem werden Sie die Geschichte um den Leserbrief an die New York Sun von dem Mädchen Virginia O’Halon aus dem Jahr 1897 vortragen, in dem sie fragt, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Der Redakteur Francis Pharcellus Church antwortete dem Mädchen in Form eines berührenden Leitartikels. Was macht für Sie den Zauber dieser Geschichte aus?

Koch: Es ist diese naive Kinderfrage, was es mit dem Weihnachtsmann auf sich hat – wenn die Kinder merken, dass da irgendetwas faul ist. Bei meiner Tochter war das mit sieben oder acht, glaube ich. Dann versucht man als Vater, diesen Zauber noch einmal aufleben zu lassen: Ich habe eine Fußmatte mit Sand bedeckt und meiner Tochter gesagt: Wenn der Weihnachtsmann hereinkommt, müsste er hier einen Abdruck hinterlassen. Dann sind wir zurück ins Haus gegangen und ich bin noch einmal nach draußen und habe mit einem großen Stiefel einen Abdruck gemacht.

Wir haben durch den Türspalt geschaut und unter dem Baum lagen schon die Geschenke. Wie der Zufall es wollte, hatte es auch noch geschneit und draußen waren zwei Spuren zu sehen, die aussahen wie von einem Schlitten. Um diesen Geist der Weihnacht, der immer da ist, geht es dann auch in dem Text des Redakteurs. Deshalb mag ich die Geschichte sehr gern.

Welche Bedeutung hat Weihnachten für Sie persönlich?

Koch: Früher war es für mich sehr wichtig. Dann habe ich die Liebe zu Weihnachten mit Anfang/Mitte 20 etwas verloren, auch durch den ganzen Kommerzwahnsinn – und kam dann wieder mit dem eigenen Kind. Dadurch habe ich gemerkt, wie wichtig Weihnachten als ein Familienfest ist – und dass es auch mit Glauben zu tun hat. Je naiver dieser Glaube ist, desto einfacher kann man den Baum, die Lichter, die Musik und alles verbinden. Meine Tochter wird jetzt 23 und sie hält alles zusammen.

Stimmen die Lesungen Sie persönlich auch auf Weihnachten ein?

Koch: Ja. Es verbindet die Tradition, mit der ich großgeworden bin, mit dem Hinterfragen, was man da eigentlich macht. Ich habe Spaß daran, vor den Zuschauern zu lesen.

Sie werden mit dem Vocalis-Ensemble aus Dresden in der St.-Crucis-Kirche auftreten. Wird man Sie denn auch singen hören?

Koch: Es kann sein, dass ich die Gitarre mitbringe. Der Chor wird singen, dann wird die Orgel gespielt. Ich freue mich sehr drauf, denn in der Besetzung haben wir das noch nie gemacht.

Tickets für die Lesung mit Sebastian Koch

Für die Lesung mit Sebastian Koch am Samstag, 1. Dezember, ab 19.30 Uhr in der St.-Crucis-Kirche gibt es noch Karten. Sie sind erhältlich beim Stadtmarketing Bad Sooden-Allendorf, in der Buchhandlung Frühauf (Kirchstraße 77 in Bad Sooden-Allendorf), über die Ticket-Hotline 01805/700733 und unter www.reservix.de. Die Tickets kosten zwischen 22 und 34 Euro.

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