Gelebte Integration

Iranerin hilft längst selbst: Schüler machen Praktikum bei früherer Einwanderin

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Praktikum bei echtem Vorbild: Tea Hoon Seol aus Südkorea (links) und Sharif Sediqi aus Afghanistan, die beide die Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf besuchen, machen derzeit ein Praktikum bei Fatemeh Menhadj in deren Nahkauf-Markt in Allendorf. 

Bad Sooden-Allendorf. Zwei Schüler der Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf absolvieren derzeit ein Praktikum bei einer Frau, die ihrer "neuen" Heimat etwas zurückgeben will.

Die Jugendlichen stammen aus Südkorea und Afghanistan, ihre Chefin auf Zeit ist aus dem Iran. Da das Praktikum im Nahkauf-Geschäft an der Kirchstraße in Allendorf erfolgt, werden auch viele Einheimische darauf aufmerksam. Davon berichtete jetzt Lehrer Jörg Tiedemann.

Tea Hoon Seol aus Südkorea kam im Herbst 2016 ans Sportinternat. Der 17-Jährige möchte hier sein Abitur machen und in Deutschland studieren. Sharif Sediqi, ebenfalls 17, stammt aus Afghanistan und gelangte 2015 über die sogenannte Balkan-Route letztlich nach Bad Sooden-Allendorf - mit seinem Bruder, dessen Ehefrau und deren kleiner Tochter. Inzwischen geht Sharif zur Rhenanus-Schule, besucht die 9. Klasse und nimmt wie Tea Hoon am obligatorischen Schulpraktikum teil.

Mit ihrer Chefin im Nahkauf, Fatemeh Menhadj, kann Sharif sich sogar mühelos in seiner Muttersprache Dari verständigen. Das ist eine Variante der afghanischen Landessprache Farsi, die wiederum auch in der Heimat von Familie Menhadj, dem Iran, gesprochen wird. Aber vor allem sollen die beiden jungen Männer noch besser Deutsch lernen, das Fatemeh Menhadj so fließend spricht, als wäre es ihre Muttersprache.

Neue Heimat Kassel

Sie war 1984, damals 20-jährig, wegen der damaligen schwierigen politischen Umstände im Iran mit ihrem Ehemann nach Deutschland gekommen. Das Ziel war eigentlich Frankreich, aber die Einreise dort habe sich als schwieriger erwiesen, berichtet sie. In Deutschland hingegen hätten sich die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit gezeigt. Die Familie Menhadj ging letztlich nach Kassel, 2010 übernahmen sie und ihr Mann den Supermarkt an der Allendörfer Kirchstraße. 15 Mitarbeiter plus Praktikanten beschäftigt Fatemeh Menhadj heute. 

Soziales Engagement ist ihr dabei sehr wichtig: „Das ist ein Stück, das wir zur Integration der eingewanderten Menschen beitragen wollen. Auch wir selbst sind so einen Weg gegangen - und haben etwas aufgebaut. Wenn man den Leuten die Chance dazu gibt, wird ihnen das auch gelingen.“ Und sie berichtet auch über einen von ihr empfundenen Wandel: „Damals, als wir kamen, gab es noch nicht so viele engagierte Menschen. Mittlerweile gibt es gerade in Bad Sooden-Allendorf so viele Leute, die helfen wollen.“ Natürlich komme es auch mal zu Konflikten, das sei normal. Wenn man aber vereint Probleme überwinde, könne man gestärkt daraus hervorgehen. 

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