Die Jugendarbeit brachte sie zusammen

Feiern heute ihre diamantene Hochzeit: Ingeborg und Walter Wolf. Foto:  Cortis

Walter und Ingeborg Wolf aus Bad Sooden-Allendorf sind 60 Jahre verheiratet.

Bad Sooden-Allendorf. Über die Jugendarbeit in der katholischen Kirche haben sie sich kennen gelernt. Das ist schon eine Weile her. Um genau zu sein: 62 Jahre. Da lebte Ingeborg noch in Bebra und Walter in Sooden. Und jedes Mal auf dem Weg nach Fulda trafen sie sich im Zug, verabredeten sich alsbald auch immer für ein bestimmtes Abteil. Das war der Anfang einer großen Liebe. Heute auf den Tag sind Walter und Ingeborg Wolf seit 60 Jahren verheiratet.

Richtig gefeiert wird die diamantene Hochzeit aber erst morgen, am 60. Jahrestag der kirchlichen Trauung. „Im engsten Familienkreis“, heißt es, der freilich alles andere als eng ist, wovon nicht nur eine Tochter, zwei Söhne, acht Enkelkinder und vier Urenkel zeugen. Sie haben viel durchgemacht und erlebt - schon vor ihrer Zweisamkeit. Walter Wolf, der knapp 87 Jahre alt ist, wurde in Luditz geboren und konnte natürlich nicht ahnen, dass die Stadt im Sudetenland einmal Patenschaftsstadt von Bad Sooden-Allendorf werden würde, maßgeblich mit initiiert durch seinen Vater, den Steuerberater Alios Wolf.

Im Zuge der Kriegs- und Nachkriegswirren verschlug es die „Wölfe“ nach Bad Sooden-Allendorf. Mit dem ersten Aussiedlertransport, „Viehwaggons mit offenen Türen“, kamen sie hier an. Sohn Walter, der das Gymnasium und die Handelsakademie in Karlsbad besucht hatte, trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters. Zunächst lebte die Familie auf dem Gutshof in Weiden, später viele Jahre in Sooden, ehe Walter fünf Jahre nach der Hochzeit mit Ingeborg ein schmuckes Eigenheim in der Rothesteinstraße in Allendorf baute, wo das Paar noch heute lebt.

Ehefrau Ingeborg wurde 1934 im oberschlesischen Beuthen geboren. Während der Vater noch im Krieg war, floh die Familie mit einem der wenigen Schiffe, das nicht versenkt wurde, über die Ostsee gen Westen. Es sollte eine elfmonatige Odyssee werden mit 14 Stationen, unter anderem in Österreich. Wieder vereint, fand die Familie schließlich in Bebra eine neue Heimat. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Rotenburg und der Handelsschule in Bad Hersfeld wurde Ingeborg das, was man heute Pharmazeutisch-technische Assistentin nennt, arbeitete in diesem Beruf in Allendorf, bis sie ihr erstes Kind bekam.

Früher, erinnert sich das Paar, haben beide oft und leidenschaftlich getanzt, waren sogar Mitglied im Tanzclub Eschwege. Oft sind sie gereist, wobei ihnen die Berge genauso lieb waren wie die See. Und genauso gern haben sie die Wanderstiefel geschnürt - bei jedem Wetter. Apropos: Zu ihrer kirchlichen Hochzeit in Bebra, hat es vom Himmel so geschüttet, dass sie das Taxi fast bis vor den Altar gefahren hätte. Zur Silberhochzeit sei es „lausig kalt“ gewesen, und zur Goldenen habe „eine Affenhitze“ geherrscht. Mal sehen, was sich Petrus für die diamantene Hochzeit ausgedacht hat. (zcc)

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