Kälte stoppt „Meeresbrise“

Gradierwerk in Bad Sooden-Allendorf musste wegen Dauerfrost abgeschaltet werden

Wegen eisiger Temperaturen stillgelegt: das Gradierwerk in Bad Sooden-Allendorf.
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Wegen eisiger Temperaturen stillgelegt: das Gradierwerk in Bad Sooden-Allendorf.

Die arktische Kälte, die seit Tagen die Region im eisigen Griff hält, hat nun das Gradierwerk in Bad Sooden-Allendorf lahmgelegt. „Wir mussten abschalten“, sagt Bürgermeister Frank Hix, „sonst wäre uns alles kaputt gefroren“.

Bad Sooden-Allendorf – Erst mal vorbei ist es, sich in der Kurstadt wie an der Nordsee eine frische „Meeresbrise“ um die Nase wehen zu lassen. Aber besteht Hoffnung, dass der Gradierwerk-Lockdown nicht so lange andauern wird wie die von der Pandemie erzwungenen Einschränkungen: Auch wenn die Nächte mit Temperaturen im zweistelligen Minus-Bereich noch empfindlich kalt werden dürften, soll es bald milder werden.

Eine Zeit lang, so Uwe Friederich, war auch in Sooden das Freiluftinhalatorium im Winter außer Betrieb. Der Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde und Salinen-Experte erinnert sich, wie enttäuscht seinerzeit ein Ehepaar war, das eigens zum Tanken salzhaltiger Luft aus Bad Hersfeld angereist war und damals leer ausging.

Üblicherweise können Frischluft-Freunde inzwischen aber ganzjährig in den Wandelgängen tief durchatmen. Die Besucherzahl pro Jahr bewege sich im sechsstelligen Bereich, hat der 57-Jährige hochgerechnet.

So funktioniert das Gradierwerk

Die zwölfprozentige Sole bezieht das Gradierwerk aus einem 334 Meter tiefen Schacht. Eine Pumpe im Bohrturm saugt sie an, und eine weitere befördert die Sole auf das 140 Meter lange und zehn Meter hohe Bauwerk, von wo aus sie aus fast 300 Kunststoffhähnen in offenen Holzrinnen über die Reisigwand aus Schwarzdorn tröpfelt und am Boden in Wannen aufgefangen wird.

Dadurch, weiß Friederich, vergrößere sich die Oberfläche der Sole. Je größer die Einwirkung von Sonne und Wind, desto mehr Wasser könne verdunsten und umso höherprozentig werde die Sole. Als feinste Verteilung flüssiger Stoffe würden zum Schluss die Aerosole in gereinigter Luft eingeatmet. Umgekehrt sei die Salzkonzentration geringer, je mehr es regne, weil dann das Gradierwerk voller Wasser sei.

Bauwerk musste saniert werden

Als Touristenattraktion und Kulturdenkmal von elementarer Bedeutung, ist das elftgrößte Gradierwerk in Deutschland erst vor drei Jahren mit einem Millionenaufwand fast vollständig erneuert worden. Nur zwei Firmen in Europa haben sich laut Friederich auf diese Arbeiten spezialisiert, wobei die Kurstadt auf die Dienste der Experten aus Polen zurückgriff.

Sauber: So sieht der neue Schwarzdorn-Reisig aus dem erneuerten Gradierwerk aus, den Uwe Friederich in die Kamera hält.

Die Runderneuerung war nötig geworden, weil sich im Laufe der Jahre an den Spitzen des Schwarzdorn-Reisigs Verkrustungen aus Gips und Kalk gebildet hatten. Dieser sogenannte Dornstein hatte mit dem Fünffachen des Ursprungsgewichts die Statik ins Wanken gebracht.  (Chris Cortis)

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