Ein Junges ist noch zu haben

Katze steckte in Blechdose fest: Tierbabys per Kaiserschnitt gerettet

Anfassen kann schmerzhaft werden: Wer das wild aufgewachsene Muttertier füttern will, muss sich mit einem dicken Lederhandschuh schützen.

Bad Sooden-Allendorf. Ende gut, alles gut. Das ist die Geschichte einer Katzenmama, die erst um ihr eigenes Leben kämpfte und nach ihrer glücklichen Rettung mit Hilfe der Tierärzte Josef Kenter und Milena Vaupel-Kenter per Kaiserschnitt vier muntere Babys zur Welt brachte. Alle Samtspfötchen sind wohlauf.

Ganz so sanft sind die Pfötchen der Mama allerdings nicht. Denn bei dem zwei Jahre alten Tier handelt es sich um eine streunende Katze, die Menschenhand nicht gewohnt ist und aus Angst fauchend ihre scharfen Kralle ausfährt, selbst wenn man es gut meint und ihr Futter reichen will.

Rückblende: Vor fünf Wochen erhielt die Tierarztpraxis in Bad Sooden-Allendorf einen besorgten Anruf: In der Nähe eines Supermarktes steckte unsere Katze mit dem Kopf in einer Konservendose, rannte immer wieder gegen die Wand des Gebäudes, um sich von dem blechernen Gefängnis zu befreien, bis sie schließlich vollends „kopflos“ war. Das Tier drohte jämmerlich zu krepieren.

Flugs machte sich Josef Kenter mit einem Katzenkorb auf den Weg, um das Tier, das er auf den beziehungsreichen Namen „Büchse“ taufte, einzufangen und aus seiner misslichen Lage zu befreien. Ganz so einfach war das allerdings nicht. „Büchse“ schlug nämlich wild um sich. Da mussten schon besonders dicke Lederhandschuhe her, um sich nicht schmerzhafte Kratzer zuzuziehen.

Wartet noch auf Frauchen oder Herrchen: Kater Racker ist als einziges der vier Kätzchen noch nicht vermittelt. Foto:  Cortis

In seiner Praxis legte der Veterinärmediziner seinen Schützling in Vollnarkose. Erst jetzt konnte er die Futterdose mit sanfter Gewalt abziehen. Und weil er grundsätzlich alle herrenlosen Katzen kastriert, die ihm in seine Praxis gebracht werden, sollte es „Büchse“ nicht anders ergehen. Die aber stellte sich rasch als hochträchtig heraus. Also wurden nicht, wie sonst üblich, nur die Eierstöcke, sondern die gesamte Gebärmutter des Tieres entfernt. Per Kaiserschnitt holten die beiden Tierärzte vier niedliche Kätzchen ans Tageslicht, zwei weibliche und zwei männliche Tiere, denen Janna (7) und Juli (10), die Töchter des Ehepaares, die Namen Lissi, Lilly, Lucky und Racker gaben.

Erst nach drei Tagen ließ das Muttertier seinen Nachwuchs an die Milch gebenden Zitzen ran. Bis dahin musste Milena Vaupel-Kenter zur Pipette greifen, um die kleinen Stubentiger am Leben zu erhalten. Inzwischen nehmen die handzahmen Tiere auch schon feste Nahrung an.

Lissi, Lilli und Lucky konnten derweil schon an Katzenfreunde vermittelt werden und dürften in vier bis fünf Woche ein neues Zuhause haben. Für den schwarz-weißen Kater Racker hoffen die Kenters, ebenfalls bald ein neues Frauchen oder Herrchen zu finden. Was mit „Büchse“ geschieht, ist noch offen. Denn, so wissen die Tierärzte, eine wild aufgewachsene Katze menschenzahm zu kriegen, sei äußerst schwierig. Ein Bauernhof könnte für sie das richtige Domizil sein. (zcc)

Spendenkonto für Kastration streunender Katzen

Um erst gar nicht eine Katzenplage aufkommen zu lassen, hat die Stadt Bad Sooden-Allendorf schon vor Jahren ein Spendenkonto eingerichtet, um die Kastration wild lebender Tiere zu finanzieren.

Unter dem Stichwort „Kastration Katzen“ können Gelder auf das Konto Nr. 51 000 222 bei der Sparkasse Werra-Meißner (Bankleitzahl: 522 500 30) eingezahlt werden. Grundsätzlich raten die Veterinärmediziner allen Katzenbesitzern dafür zu sorgen, dass ihre Tiere keinen Nachwuchs bekommen.

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