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Kinder-Hort in Bad Sooden-Allendorf schließt Ende Juli

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Von: Christoph Cortis

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Haben immer viel Spaß in der Betreuung: Die Hort-Kinder Rewan (7, von links), Rosela (10), Nasik (9) und Tyler (8) vor ihrem Domizil, das ab August Geschichte ist.
Haben immer viel Spaß in der Betreuung: Die Hort-Kinder Rewan (7, von links), Rosela (10), Nasik (9) und Tyler (8) vor ihrem Domizil, das ab August Geschichte ist. © Chris Cortis

Nach mehr als zweijähriger Agonie ist das Schicksal des Horts in Bad Sooden-Allendorf besiegelt. Die Einrichtung, in der Grundschulkinder nach dem regulären Unterricht nachmittags selbst in den Ferien betreut werden und außerdem eine Hausaufgabenhilfe durch qualifiziertes Personal erhalten, schließt zum Ende nächsten Monats endgültig ihre Pforten.

Bad Sooden-Allendorf – Das ist das Ergebnis einer Sitzung des Sozialausschusses, der am Dienstagabend eigentlich darüber beraten wollte, wie durch einen städtischen Zuschuss der Hort auf Dauer gerettet werden kann. Er war aufgrund höherer Bezahlung seiner angestellten Erzieherinnen und auch deshalb in die roten Zahlen geraten, weil in der Corona-Krise viele Eltern ihre Kinder abgemeldet hatten.

Nachdem die Mitarbeiterinnen bereits zum 31. Juli ihre Kündigung erhalten hatten, weil nur bis zu diesem Zeitpunkt das Stadtparlament garantiert hatte, das bis dahin auflaufende Defizit aus städtischen Mitteln auszugleichen, kam der ehrenamtliche Vorstand des Vereins Hort-Impuls dem befürchteten „Todesstoß“ voraus: 24 Stunden vor der Sitzung erhielt die Vorsitzende des Ausschusses, Carolin Krengel, per E-Mail die Nachricht, dass sämtliche Mitglieder des Vorstands zu oben genanntem Datum ihre Ämter niederlegen. Damit habe sich eine Beschlussempfehlung ans Parlament, auch künftig das Loch in der Vereinskasse zu schließen, erübrigt, stellte Krengel fest.

Vorstand war 22 Jahre lang tätig

Er sei „sehr traurig“ und befürchte, nicht wieder eine solche Einrichtung in der Badestadt zu bekommen, bedauerte Bürgermeister Frank Hix, der gleichzeitig dem Vorstand für sein 22-jähriges Engagement dankte. Die Schließung des Horts widerspreche zudem dem Anspruch Bad Sooden-Allendorfs, eine familienfreundliche Stadt zu sein, sagte der Rathauschef mit Blick auf eine lange Zeit erheblicher Entlastung von berufstätigen Eltern oder Alleinerziehenden.

Dass der Hort jetzt, wie sie sagte, „abgewickelt“ werde, „wird uns allen noch auf die Füße fallen“, bemerkte für das Familienzentrum Annette Ruske-Wolf. Die Folgen der Pandemie mit massivem Unterrichtsausfall für die Kinder seien eklatant.

Ihr eindringlicher Appell: „Lasst uns zusammensetzen und eine Lösung finden für eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung.“ Sie selbst sei bereit, dafür einen runden Tisch zu organisieren, bot sie an und fügte hinzu: „Es tut mir total weh.“

Zukunft der Hort-Kinder ungewiss

Wortmeldungen dazu gab es im von der Koalition aus SPD, Grünen und FWG beherrschten Ausschuss nicht. Wie es für die Hort-Kinder weiter geht, ist noch offen. Im Gespräch ist eine Nachmittagsbetreuung in der benachbarten Grundschule, wovon aktuell rund 100 Kinder Gebrauch machen, allerdings nur unter Aufsicht und nicht mit einer Hausaufgabenbetreuung durch qualifizierte Kräfte.

Sollte Letzteres gewünscht werden, dann müsse das aber für alle Kinder gelten, hatte vor Kurzem bereits Grundschulleiterin Caroline Mühr klar gestellt. Das wiederum würde die Stadt nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 12 000 Euro kosten. Genaue Zahlen sollen noch ermittelt werden. Im weiteren Verlauf der Sitzung, an der auch der Finanzausschuss teilnahm, stellte Ilka Kühnemuth mehrere Varianten für Erweiterungen und andere Investitionen in die örtliche Kindergartenlandschaft vor. Dabei bewegte sich das Kostenvolumen zwischen gut 4 und 14 Millionen Euro.

Für die CDU warf Steffen Hottenroth in Übereinstimmung mit der Grünen-Fraktionschefin Heike Krumpholz die grundsätzliche Frage auf, ob es sinnvoll sei, viel Geld in konfessionelle, mithin nicht städtische Kitas zu investieren, und machte damit möglicherweise die nächste Baustelle auf.

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