Kraftwerks-Betreiber baut Fischtreppe an Werra

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Hier geht es künftig aufwärts für die Fische: An der Werra bei Bad Sooden-Allendorf wird eine Fischtreppe gebaut.

Bad Sooden-Allendorf. Fische sollen wieder die ganze Werra entlangschwimmen können. Dafür wird bei Bad Sooden-Allendorf eine Fischtreppe gebaut.

An und in der Werra direkt neben dem Dammhaus an der B 27 im Süden von Bad Sooden-Allendorf wird derzeit mit schwerem Gerät gearbeitet: Dort baut Karl Gebauer als Betreiber des Turbinenkraftwerkes von Allendorf eine große Fischtreppe.

Bezahlt wird das über 300 000 Euro teure Projekt von der Naturschutzverwaltung für das Land Hessen. Sie verwendet dazu Geld für Ausgleichsmaßnahmen von der Deutschen Bahn, dem Konzern K & S sowie vom Stromnetzbetreiber Tennet.

Das im Amtsdeutsch Fischaufstiegshilfe genannte Bauwerk wird groß: Über 70 Meter Länge wird eine Höhendifferenz von 1,70 Metern „überbrückt“. Die 13 aneinandergereihten Becken, die durch Querriegel getrennt sind, bilden im Prinzip eine Doppeltreppe, da sich auf beiden Seiten die senkrechten Schlitzpässe befinden. Diese nutzen die Fische zum Überwinden der Höhe. Am Dammhaus befindet sich das erste von insgesamt vier Wehren; über dieses fließt die Werra in den untersten Arm.

Projekt „Lachs 2000“ 

Hintergrund des Projektes, das laut Karl Gebauer schon seit 2002 in Planung ist, aber bis vor wenigen Jahren angeblich wegen Widerstands des Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden nicht umgesetzt werden konnte, ist das Projekt „Lachs 2000“. Nicht nur im Rhein, sondern auch in Werra und Fulda sollen die Fische vom und zum Atlantik ohne Hindernisse wandern können, erläutert Arno Schütz von der Abteilung Landschaftsplanung/Eingriffsregelung beim Regierungspräsidium Kassel. Auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie dringt auf eine Durchgängigkeit der Flüsse und Bäche.

Dem stehen gerade in Bad Sooden-Allendorf gleich fünf Sperrwehre entgegen, die vor vielen Jahren zur Energiegewinnung gebaut worden waren. Für die Fische sind sie unüberwindliche Barrieren.

Die auf zweieinhalb bis drei Monate veranschlagten Bau arbeiten erfolgen nun in einer Phase des Niedrigwassers in der Werra. Bis Anfang Oktober soll die Treppe fertig sein.

In den vergangenen drei Wochen wurde schon der Bauplatz neben dem Wehr eingerichtet und ein Ausweich-Abfluss in den ersten Werra-Arm geschaffen, damit dieser nicht ganz trocken fällt, sondern Fische und Kleinlebewesen wie Bachflohkrebs dort weiterhin leben können.

Auch wurden für die Treppentrasse schon die Spundwände in den Untergrund gerammt. Um ein Durchschießen des Wassers durch die 13-stufig angeordneten Becken zu verhindern, werden neben Querriegeln auch Störsteine eingesetzt.

Aalen, Barschen, Äschen, Hechten und Karpfen - und vielleicht auch Lachsen - soll das Treppensteigen schließlich so bequem wie möglich gemacht werden.

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