Kriegsgerät wird zum Mahnmal

Burkhard Finke entdeckte im Grenzmuseum Schifflersgrund „seinen“ Panzer wieder

Burghard Finke steht vor „seinem“ Panzer im Grenzmuseum Schifflersgrund.
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Burghard Finke steht vor „seinem“ Panzer im Grenzmuseum Schifflersgrund. Er hat das Kriegsgerät während seiner Zeit bei der Bundeswehr vor Jahrzehnten restauriert.

Auf dem Gelände des Grenzmuseums steht zwischen ausgemusterten Kampfhubschraubern und Fahrzeugen ein Exponat, zu dem HNA-Leser Burkhard Finke aus Wolfhagen eine persönliche Beziehung hat.

Bad Sooden-Allendorf – „Ist er’s oder ist er’s nicht?“ Burkhard Finke steht vor dem stählernen Koloss im Grenzmuseum Schifflersgrund, dem ersten Grenzmuseums auf deutschem Boden, und rätselt. Irgendetwas stimmt nicht. Aha! Das Hoheitszeichen am Turm des Panzers ist nicht das deutsche, sondern, wieder umlackiert, das der Amerikaner. Finke klettert auf das Kettenfahrzeug und öffnet die Luke. Auf der Innenseite des Deckels ist immer noch deutlich sein Name zu lesen und der Beweis dafür, dass es sich tatsächlich um „seinen“ Kampfpanzer des Typs M 41 handelt.

So hat es sich im Sommer vor zehn Jahren abgespielt, als der heute 58-Jährige aus Wolfhagen bei einem Betriebsausflug erstmals die Mahn- und Gedenkstätte bei Bad Sooden-Allendorf besuchte.

Viel Arbeit für alten Panzer

Gut 23 Jahre zuvor hatte Finke als Oberleutnant und Zugführer beim Panzeraufklärungsbataillon in Hessisch Lichtenau mit seinen Leuten das Ungetüm von vorne bis hinten und von oben bis unten sozusagen restauriert.

Der Beweis: Auf der Innenseite des Lukendeckels sind die Namen des damaligen Oberleutnants Burkhard Finke und dreier Stabsunteroffiziere verewigt.

„Das war nur noch ein Wrack“, erinnert sich der Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, der nach zwölf Jahren als Hauptmann der Bundeswehr „Ade“ sagte und heute als Beschäftigter bei der Baunataler Diakonie Kassel die Behinderten-Werkstätten in Wabern und Malsfeld leitet.

Das 25-Tonnen-Fahrzeug hatte die US-Armee ab dem Jahr 1950 in Serie gebaut und in Zeiten des kalten Krieges unter anderem bei ihren grenznahen Stützpunkten Bad Hersfeld und Fulda stationiert. Mit der Aufrüstung der Bundeswehr erhielten sechs Jahre später die deutschen Einheiten diesen Kampfpanzer, dessen letzte Station im konkreten Fall Hessisch Lichtenau gewesen ist. Im Oktober 2006 war dieser Standort aufgelöst und der M 41 ins Grenzmuseum zwischen Bad Sooden-Allendorf und dem thüringischen Sickenberg verfrachtet worden.

Zufallsfund nach Jahrzehnten

Das sei schon eine Überraschung gewesen, das vertraute Kriegsgerät dort wieder anzutreffen, gesteht Burkhard Finke. „Der sieht ja aus wie mein Panzer“, hatte er damals einem Begleiter zugeraunt, ehe er sich selbst vergewisserte. Neun Monate lang und beinahe täglich hatten nach Dienstschluss er und seine Kameraden seinerzeit an dem Kettenfahrzeug „gebastelt“. „Es war fast alles kaputt, die Kettenpolster verschmort, Spiegel abgebrochen, Lampen und Auspuff hinüber.“

Auf dem Standortübungsplatz lange Jahre der Witterung ausgesetzt, war die stählerne Hülle total korrodiert. Nach gründlicher Säuberung und Entrostung wartete auf Finke und seine Männer zum Schluss ein kompletter Neuanstrich des Panzers. Fast noch am schwierigsten sei es gewesen, alle benötigten Ersatzteile aufzutreiben. Der große Augenblick dann im Februar 1988: Vor dem Kompanieblock in Hessisch Lichtenau wurde der runderneuerte Panzer aufgestellt und sozusagen als stählernes Maskottchen feierlich eingeweiht – allerdings ohne alle militärisch relevanten Teile, wie auch heute noch als abschreckendes Mahnmal gegen Krieg und Gewalt und ein Postulat für Frieden auf dieser Welt. (Chris Cortis)

Museum ist teilweise wieder geöffnet

Da im Eichsfeldkreis die Bundesnotbremse nicht mehr greift, sind die Außenanlagen des Grenzmuseums Schifflersgrund mit Fahrzeugen, Hubschraubern, DDR-Sperranlagen und Beobachtungsturm wieder für Besucher geöffnet. Die Innenräume bleiben gesperrt. Der Eintritt ist ermäßigt. (fst)

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