Wasserschaden an Barockkanzel in  St.-Crucis-Kirche nach drei Jahren behoben

Kunstwerk in Bad Sooden-Allendorf glänzt wieder

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Die wertvolle Kanzel in der St.-Crucis-Kirche in Allendorf wurde restauriert: Dafür zeichnet das diplomierte Restauratoren-Geschwisterpaar Chris und Sina Theile (hier am Schalldeckel).

Bad Sooden-Allendorf. Nach drei Jahren erstrahlt die Barockkanzel in der St-Crucis-Kirche in Allendorf wieder in neuem Glanz. 

Der Schrecken war groß vor drei Jahren, als nach einem Gewittersturm der Regen durch das Loch im Dach der St.-Crucis-Kirche in Allendorf ausgerechnet auf den hölzernen Deckel und die historische Kanzel selbst floß. Das über 330 Jahre alte Kunstwerk wurde wassergetränkt, der einst verwendete Knochenleim verflüssigte sich, die Holzeinlegearbeiten, sogenannte Intarsien, lösten sich aus dem Verbund, die Furniere wurden hochgehoben, zudem wurde der Überzug grau.

Die „Bekrönung“: Auf ein stilisiertes Kirchendach auf dem Schalldeckel, der am Montag noch unter der Decke des Kirchenschiffs über die Kanzel gehängt werden sollte, setzte Diplom-Restaurator Chris Theile die glänzende Pelikan-Figur mit den drei Jungvögeln. 

Jetzt können sich die Kirchenbesucher wieder freuen: Die Barockkanzel ist nicht nur repariert, sondern erstrahlt – nicht zuletzt durch Behandlung mit Schellack – so schön wie am ersten Tag: Der Kontrast zwischen den schwarz gebeizten Umrahmungen und den helleren, holzsichtigen Bereichen sticht sofort ins Auge, das feine, vielfältige Dekor wirkt gar dreidimensional. Nicht nur der Schalldeckel mit dem Pelikan auf dem Dach, ebenso die Treppe und die Kanzel, alles reich verziert, wurden restauriert. Zwei Monate benötigten Sina Theile und ihr Bruder Chris, beide diplomierte Restauratoren aus Diemelstadt-Hesperinghausen, für die aufwendige Detailarbeit.

Zuvor hatte sich die Kirchengemeinde der Unterstützung von Landeskirchenamt und Denkmalpflege versichern können, damit die beschädigte Kanzel denkmalgerecht saniert und damit für spätere Generationen bewahrt werden kann. Kunsthistoriker und Denkmalpfleger nahmen am Montag die Arbeit der Firma Theile ab, wofür mehr als über 30 000 Euro investiert wurden.

Die Experten äußerten sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Man habe dem Objekt seine Geschichte gelassen, hieß es anerkennend. Alle drei dokumentierten Positionen, die die Kanzel im Laufe der Jahrhunderte im Kirchenraum hatte, seien für den Fachmann sichtbar und ablesbar.

Master-of-Arts-Restauratorin Sina Theile legte gestern noch einmal schnell einen feinen Pinsel an, damit auch der Kanzelfuß komplett in neuem, altem Glanz erscheint.

Auch das ästhetische Erscheinungsbild war im Verlaufe der Jahrhunderte mehrfach verändert worden. Zwei Überarbeitungsphasen sind nachgewiesen, 1848 und 1959. Nicht immer wurde handwerklich auch sinnvoll gearbeitet, stellten die Restauratoren fest, die das Kunstwerk auf das ursprüngliche Gestaltungskonzept zurückführten. Dabei kamen dann die gebeizten Furniere mit der feinen Holzmaserung wieder zum Vorschein. Und ein neuer, transparenter Überzug verleiht einen seidenmatten Glanz.

Einen guten Vergleich zwischen altem und restauriertem Zustand ermöglicht der vor der Kanzeltreppe befindliche sogenannte Pfarrstand, der nach Ornamentik nach zu urteilen, zu der Kanzel gehört.

Er soll nun, damit überraschten die Experten von Landeskirchenamt und Denkmalpflege gestern die sichtlich erfreuten Kirchenverantwortlichen, auch restauriert werden, weil auch dieses Möbel Schäden aufweist. Die Firma Theile will sich dann um diesen Folgeauftrag bewerben.

Hintergrund: Das kostbarste Schmuckstück

Die spätbarocke Kanzel mit vielfältigem Dekor ist das kostbarste Schmuckstück im Inneren der St.-Crucis-Kirche. Sie wurde 1684 von Heinrich Erdinger aus Schmalkalden gestaltet und geschnitzt. Im Bereich der Landeskirche Kurhessen-Waldeck ist die Allendorfer Kanzel eine von weniger als zehn erhaltenen, wertvollen Intarsienkanzeln. Zu ihr gehört auch ein sogenannter Schalldeckel, auf dem ein geschnitzter Pelikan steht. Der Pelikan – als Symbol auf den Opfertod Jesu Christi für die Seinen hinweisend – reißt sich mit seinem Schnabel die Brust auf, um mit seinem Blut seine drei Jungen zu füttern. Neben besonderen Ornamenten – darunter Muscheln als Zeichen der Pilger – steht das Prophetenwort: „Sage es , so hast du Deine Seele gerettet“.

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