„Noch kann ich ganz gut lernen“

Hendric Woltmann berichtet im Interview über Abi-Vorbereitungen in Zeiten von Corona

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Volle Konzentration trotz Corona-Pandemie: Hendric Woltmann aus Ermschwerd muss in den nächsten zwei Wochen drei Abiturprüfungen s chreiben. Die Schulen sind gesperrt, derzeit lernt er daheim. 

Hendric Woltmann und seine Mitschüler erleben ein ungewöhnliche Abitur-Vorbereitungsphase

Heute beginnen mit dem Fach Englisch die schriftlichen Prüfungen für 315 Abiturienten aus dem Werra-Meißner-Kreis – trotz Corona-Pandemie. Wie gehen die Jugendlichen mit dieser Situation um, die auch ohne Infektionsgefahr schon nervenaufreibend wäre? Wir haben darüber mit Hendric Woltmann (19) gesprochen, der seine Abiklausuren an der Rhenanusschule in Bad Sooden-Allendorf schreiben wird.

Wie ist die Lage bei Dir und Deinen Mitschülern?

Persönlich geht es mir ganz gut, ich kann noch ganz gut lernen – auch, weil wir ja derzeit schulfrei haben. Wir sind in Kontakt mit unseren wichtigsten Lehrern: Mein Mathelehrer beantwortet Fragen per E-Mail, mit unserer Biologielehrerin machen wir eine Besprechung per Videokonferenz, unser Deutschlehrer hat uns zum Üben alte Musterklausuren geschickt. Unsere Oberstufenleiterin hält uns alle per WhatsApp auf dem neuesten Stand. Dass wir mit unseren Lehrern über digitale Wege Kontakt haben, ist für uns aber nichts Neues. Das klappt gut.

Digitaler Kontakt ist eines, Lerngruppen sollten sich ja derzeit aber nicht treffen. Wie wird Eure Vorbereitung eingeschränkt?

Meine Bio-Abiklausur wird erst am 2. April stattfinden, ursprünglich sollte das Wiederholen des Stoffs im Unterricht erst jetzt beginnen, wir haben bis Freitag noch neue Dinge gelernt. Die Notlösung für Bio ist jetzt eben die Fragestunde per Videokonferenz. In den anderen Fächern haben wir zwar noch neuen Stoff gemacht, es gab aber auch schon Wiederholungseinheiten. Ich kann ganz gut alleine lernen, aber für andere Schüler ist es schon ein Nachteil, sich nicht in Gruppen zu treffen. Wir haben aber viel Kontakt über WhatsApp oder telefonieren. Vielleicht treffen sich auch einige Zuhause.

Weißt Du schon, wie die Prüfungen ablaufen sollen?

Die Klausuren beginnen an den einzelnen Prüfungstagen um 9 Uhr, wir sollen 20 Minuten vorher da sein. Dann werden noch einmal die Regeln erklärt – daran hat sich nichts geändert. Ich weiß jetzt schon, dass meine Mathe- und meine Englischlehrerin nicht Aufsicht führen können, aber da wir beim Zentralabi ohnehin keine Fragen stellen dürfen, macht das keinen Unterschied.

Corona ist derzeit überall das beherrschende Thema. Kann man sich da auf Klausuren konzentrieren?

Ich glaube schon, dass wir uns konzentrieren können, sobald wir in unserem normalen Klausurenraum sind und anfangen können. Mich persönlich nervt das Thema Corona, aber es ist ganz gut, dass ich nun mehr Zeit zum Lernen hab.

Die meisten hoffen, dass wir auf jeden Fall schreiben können, denn wir sind ja jetzt gut vorbereitet. Am Freitag gab es das Gerücht über WhatsApp, dass die Prüfungen verschoben werden. Es war ein Kettenbrief, allerdings aus Schleswig-Holstein. Wir waren alle sehr aufgeregt, der Großteil des Jahrgangs hat dann die Pressekonferenz am frühen Abend geschaut und das bei WhatsApp in unserer Gruppe kommentiert – das war tatsächlich eine lustige Gruppendynamik. Ein Teil unseres Abijahrgangs hätte sich gefreut über eine Verschiebung, weil dann mehr Zeit zum Lernen bleibt, andere wollten es unbedingt hinter sich bringen.

Wisst Ihr schon, was aus den mündlichen Prüfungen und Präsentationen wird?

Man muss entweder zwei mündliche Prüfungen oder eine mündliche Prüfung und eine Präsentation absolvieren. Die Präsentationen sollen ja erst vom 25. bis 27. Mai stattfinden, die mündlichen Prüfungen vom 15. bis 17. Juni. Bis jetzt soll es wohl bei den Terminen bleiben, soweit ich weiß. Aktuell sollen am 3. April die Themen und Materialien für die Präsentationen per E-Mail verschickt werden, man muss dann innerhalb von zwei Stunden den Erhalt der Unterlagen bestätigen. Wenn Material nicht geschickt werden kann, muss man es sich wohl im Schulsekretariat abholen.

Zur Person

Hendric Woltmann (19) lebt mit seiner Familie in Ermschwerd und will dieses Jahr an der Rhenanusschule in Bad Sooden-Allendorf sein Abitur machen. Seine schriftlichen Prüfungsfächer sind Biologie, Politik und Mathe, hinzu kommen eine mündliche Prüfung in Geschichte und eine Präsentation in Deutsch. In seiner Freizeit ist Woltmann als freier Mitarbeiter der HNA im Einsatz, er reitet, geht laufen und interessiert sich für Sport, Geografie, Geschichte, Wirtschaft und Politik.

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