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Bei Ingrid und Adolf in Bad Sooden-Allendorf war es Liebe auf den ersten Blick

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Von: Christoph Cortis

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Ingrid und Adolf Schulz
Genießen den Ruhestand: die diamantenen Hochzeiter Ingrid und Adolf Schulz. © Chris Cortis

Allen Unkenruf zum Trotz: Es gibt sie doch, die Liebe auf den ersten Blick. Da sind sich Ingrid (80) und Adolf Schulz (81) völlig einig und dulden auch keinen Widerspruch. Das Paar aus Bad Sooden-Allendorf ist seit 60 Jahren verheiratet und feiert heute seine Diamantene Hochzeit.

Bad Sooden-Allendorf – Rückblende: 19 Lenze zählt Adolf, als der fesche Bursche ein Tanzlokal in Sooden ansteuert. Dort fällt sein Blick auf die hübsche Ingrid. Der junge Mann ist wie elektrisiert. „Das ist sie“, schießt es ihm durch den Kopf. Er sollte Recht behalten. „Ich hab’ sie nicht mehr losgelassen“, sagt er heute.

Umgekehrt ist es Ingrid genau so ergangen. Als Adolf sie zum Tanz bittet, ist ihr schlagartig klar, dass ihr Traummann sie in den Armen hält. Apropos Tanzen: Wo immer das Paar später eine kesse Sohle aufs Parkett legt, ist es umringt von fröhlichen Menschen. „Wir waren immer die Ersten, wenn die Musik losging“, erinnern sich beide und ganz besonders gern an ein Urlaubserlebnis in der Türkei: „Bei unserem Tanz auf der Straße haben uns mehr als 100 Menschen zugejubelt.“ Dann nahm es Ingrid auch ohne Murren hin, wenn bei der Damenwahl das weibliche Geschlecht bei „ihrem“ Adolf fast schon Schlange gestanden hat. „Er konnte so gut führen“, weiß sie, warum. Die diamantene Braut mit dem Mädchennamen Hupfeld ist als waschechte Allendorferin mit Werrawasser getauft. Nach der Schule erlernte sie den Beruf der Köchin, arbeitete zunächst in einer örtlichen Klinik, dann in einem Eschweger und zuletzt in einem Hotel in Bad Sooden-Allendorf.

Adolf Schulz, Jüngster unter sechs Geschwistern, stammt aus dem nahen Sickenberg, wo seine Eltern eine Gast- und Landwirtschaft betrieben haben. Als das Dorf hart an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen nach dem Zweiten Weltkrieg der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen wurde, begann für ihn und seine Familie eine kleine Odyssee.

Unter Zurücklassung ihres Viehs, um das sich zwischenzeitlich der Schwager des Vaters im Nachbardorf Dietzenrode kümmerte, wurden sie aus der damaligen Sperrzone zwangsumgesiedelt in die Nähe von Bitterfeld. Der Bierlieferant des Vaters brachte sie bei Nacht und Nebel zurück ins Sperrgebiet nach Dietzenrode. Das blieb der Volkspolizei der DDR nicht verborgen. Es folgten eine kurzzeitige Verhaftung und die Abschiebung nach Ostberlin, wo die Familie sechs Wochen lang in einem Lager hausen musste.

Erst 1952 durfte sie ausreisen nach Bad Sooden-Allendorf, wohnte jahrelang beengt in der Innenstadt und betrieb von dort aus eine Landwirtschaft. Mit einem Pferdefuhrwerk ging es täglich auf die entlegenen Felder.

Seit 1960 ist ein Aussiedlerhof im Finstertal das Zuhause. Zwischenzeitlich hatte Adolf Schulz in Witzenhausen die Berufs- und Landwirtschaftsschule absolviert und ging seinen Eltern auch noch zur Hand, als er sich ab 1972 zwei Jahrzehnte als Gärtner bei einer örtlichen Klinik verdingte.

Viele Jahre Ackerbau und Viehzucht haben die Ehejubilare betrieben, die vor 55 Jahren Eltern von Sohn Stephan wurden. In ihrem Stall standen zunächst Kühe, dann Bullen und nach dem Umbau zehn Jahre lang Zuchtsauen. Als die Ferkelpreise in den Keller rauschten, sattelten sie um auf Pensionspferde. Heute genießen sie den verdienten Ruhestand.

Und was ist das Geheimnis eines so langen und glücklichen Ehelebens? „Jeder kann sich auf den anderen immer verlassen“, sagen beide unisono. Und wenn es mal Meinungsverschiedenheiten gebe, „dann wird darüber gesprochen. Das war so und ist bis heute so geblieben.“ Eine nachahmenswerte Diplomatie. (zcc)

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