Die Liebe kam per Brief

Ein schönes Paar: Margarete und Eligio Pauluzzi am Tag ihrer Hochzeit vor genau 60 Jahren. Repro: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Eligio und Margarete Pauluzzi sind seit 60 Jahren verheiratet und feiern Diamantene Hochzeit.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Wohl wahr. Und manchmal geht sie Wege, an die man in den verrücktesten Träumen nicht gedacht hätte. So wie im Fall von Eligio (82) und Margarete Pauluzzi (80), die am Donnerstag in ihrem hübschen Fachwerkheim in der Obersten Straße in Bad Sooden Allendorf diamantene Hochzeit feiern.

Alles begann mit einem Brief an eine Unbekannte. Den schrieb Eligio, Sohn eines Italieners und dessen deutscher Frau, im weit entfernten München. Das war im Oktober 1954, als der fesche Bursche, der aus der Nähe von Neustadt an der Saale stammt, nach erfolgreicher Schreinerlehre in die Welt hinaus gezogen war und in der Isar-Metropole Arbeit gefunden hatte. Adressat war in Bad Sooden-Allendorf das hübsche Mädchen Margarete Hohmann, das er nie zuvor gesehen oder gesprochen hatte.

Zu dem Brief an die geheimnisvolle Fremde hatten Rudolf und Anneliese den im doppelten Sinne Jung-Gesellen überredet. Die nämlich hatten sich ebenfalls über einen so genannten Kettenbrief kennen gelernt. Und weil Rudolf mit Eligio und Anneliese mit Margarete befreundet waren, suchten sich die Beiden den jungen Tischler und das „Fräulein Hohmann“ als „Opfer“ aus.

Was Eligio zu Papier gebracht hatte, muss so geistreich und voller Witz gewesen sein, dass Margarete, die gerade eine Lehre als Einzelhandelskauffrau machte, die Neugier packte. Es entwickelte sich eine Brieffreundschaft, die nach zwei Jahren Post hin und her so innig war, dass die Beiden den Drang verspürten, sich endlich einmal gegenüber zu stehen und in die Augen zu schauen. Beide waren voneinander so angetan, dass Eligio schon sehr bald im Bayerischen sein Bündel schnürte und zu Margarete zog. „Ich hab’ ihn hierher gelotst“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

Im Mai 1956 gaben sich Margarete und Eligio das Eheversprechen, das sie keine drei Monate später einlösten. Mit einem Sohn und einer Tochter krönten sie ihre Liebe.

Zeit seines Lebens war Eligio, der bis zum Ruhestand 30 Jahre als Tischler in Göttingen gearbeitet hatte, ein leidenschaftlicher Wanderer, hat so nach eigener Einschätzung „bestimmt mehr als 100 000 Kilometer“ zurückgelegt. Noch heute schnürt er regelmäßig die Wanderstiefel, war in jungen Jahren auch ein erfolgreicher Radrennfahrer.

Margarete, die nach der Hochzeit viele Jahre im Service eines Hotels und später einer örtlichen Klinik arbeitete, kümmert sich um Haus und Hof, macht sich nach Kräften im Garten nützlich und strickt gern wärmende Wollsachen für die Urenkel. Drei gehören zur Nachkommenschaft, ebenso viele wie Enkelkinder. Und die ganze Verwandtschaft ist zur Feier des Tages dabei. (zcc)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.