Weitere Helfer gesucht

"Lieblinge der Patienten" begleiten  Kranke durch Alltag in Hoher Meißner

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Geteilte Freude ist in diesem Fall dreifache Freude: Elfriede Wimmel (von links), Patientin Elke Bendt und Monika Junge.

Sie sind so was wie Lieblinge der Patienten: Elfriede Wimmel und Monika Junge aus Bad Sooden-Allendorf hellen jeden Freitag in der örtlichen Klinik Hoher Meißner Schwerkranken den grauen Alltag auf.

Von Tür zu Tür gehend, investieren die guten Seelen oft bis zu vier Stunden und viel Herzblut, um mit ihren Schützlingen über Gott und die Welt zu plaudern, ihnen vorzulesen, „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen oder Handreichungen zu machen, zu denen ihr Gegenüber nicht mehr oder nur noch mühsam in der Lage ist.

Seit 25 Jahren hat sich Elfriede Wimmel (76) dieser ehrenamtlichen Aufgabe verschrieben. Bis zu seinem Tod vor vier Jahren war auch ihr Mann Willy immer dabei. Und auf Monika Junge (72)  ist Verlass, seit sie vor 22 Jahren mit ihrem Mann von Berlin in die Kurstadt übergesiedelt ist. Bei im Schnitt fünf Kranken, denen sie jedes Mal ihre Aufmerksamkeit schenken, haben sie mittlerweile mehr als 6000 Patienten betreut.

Zu ihnen gehört seit Kurzem auch Elke Bendt. Bei der 58-Jährigen aus dem schleswig-holsteinischen Geesthacht wurde vor 14 Jahren Multiple Sklerose diagnostiziert. Die entzündliche neurologische Erkrankung zeigt seit einem Jahr ihre hässliche Fratze: Elke Bendt kann nicht mehr laufen und ist dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. „Dass es so was hier gibt, ist toll“, freut sie sich, als die Seelentrösterinnen ihr Krankenzimmer betreten. Es ist das erste Mal, dass die Patientin einen Besuchsdienst nutzt, nachdem sie bereits Aufenthalte in mehreren Rehabilitationskliniken hinter sich hat. Vier Wochen wird sie in der Soodener Klinik bleiben und kann in dieser Zeit anderen Besuch nicht erwarten: „Zu umständlich und zu aufwendig.“

Ein schönes Erlebnis von vor fünf Jahren ist Elfriede Wimmel und Monika Junge noch in Erinnerung. Damals besuchten sie am 1. Advent eine ALS-Patientin aus dem Allgäu. „Die lag wie Schneewittchen im Sarg, Arme und Hände wie an den Beinen angeklebt“, beschreiben sie die fortgeschrittenen Lähmungen aufgrund einer Erkrankung des zentralen Nervensystems. Aber ihre Sprache habe noch funktioniert. Man habe sich gut und lange unterhalten, Kaffee und Kuchen aufgetischt und aus dem Kassettenrekorder weihnachtliche Musik gespielt. „Die Frau hat vor Freude geweint.“ Und dann war da noch das junge Mädchen, das Besuch von seinem Freund hatte, mit dem es sich verloben wollte. Aber wie ohne Geld? Einen Ring aus eigenen Beständen brachten Elfriede Wimmel und Monika Junge mit, und einen zweiten kauften sie hinzu.

Warum sie das alles tun? „Wir haben immer ein gutes Gefühl dabei“, sagt die gelernte Kinderpflegerin Elfriede Wimmel. Und ihre Freundin Monika, von Hause aus Friseurin, ergänzt: „Das tut auch uns gut. Wir könnten ja selbst da liegen“, deutet sie auf das Krankenbett.

Einst waren es zehn Freiwillige, die sich um die Kranken kümmerten, jetzt sind es nur noch zwei. Und „wir sind glücklich, dass wir sie haben““, bekräftigt Chefarzt Dr. Carsten Schröter – der sich über personellen „Nachschub“ freuen würde.

Kontakt: Klinik-Pfarrerin Monika Waldeck, Tel. 0 55 42/ 10 87

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