Märchen zum Erinnern

Mitarbeiter der Seniorenresidenz in Bad Sooden-Allendorf erzählen für Demente

Rotkäppchen war nur der Anfang: Silke Hofmeyer (links) und Anita Eisel wollen mit den Märchen bei den Bewohnern der Seniorenresidenz Erinnerungen an frühere Erlebnisse wecken.
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Rotkäppchen war nur der Anfang: Silke Hofmeyer (links) und Anita Eisel wollen mit den Märchen bei den Bewohnern der Seniorenresidenz Erinnerungen an frühere Erlebnisse wecken.

Heute ist Welt-Alzheimertag, der die Woche der Demenz einläutet. Mit dieser bundesweiten Aufklärungsaktion soll für mehr soziale Eingliederung von Demenzerkrankten und deren Angehörigen geworben werden.

Bad Sooden-Allendorf – „Eine Demenz beeinträchtigt das Leben auf vielfältige Weise. Umso wichtiger ist es, nicht die Krankheit zu sehen, sondern die Menschen“, sagt Helena Klässig, die die Seniorenresidenz „Geriatrie Zentrum Rhenanus“ in Bad Sooden-Allendorf leitet. Diesen Ansatz verfolgen auch Silke Hofmeyer und Anita Eisel. Die beiden arbeiten als Alltagsbegleiterinnen in der Seniorenresidenz und haben sich nun als Märchenerzählerinnen für Demenzerkrankte weiterbilden lassen.

Wie der Name vermuten lässt, erzählen sie den Bewohnern Märchen: Angefangen haben sie mit Rotkäppchen. So einfach, wie es klingt, ist es aber nicht: „Mit Märchen verbinden wir alle Erinnerungen – das können positive, aber auch negative sein“, sagt Anita Eisel. Bei Demenzerkrankten müssen die Beiden darauf achten, möglichst keine negativen Erinnerungen hervorzurufen. Dies erreichen sie, indem sie zum Beispiel nicht auf den dunklen Wald eingehen, sondern auf die Blumenwiese. „Wir lassen nicht den Wolf weg, aber wir betonen eher das Positive“ erklärt Silke Hofmeyer.

Denn mit den Märchen wecken sie Emotionen bei den Erkrankten. „Die Gefühle bleiben bis zum Schluss“, sagt Hofmeyer. Um möglichst schöne Gefühle zu wecken, eignet sich nicht jedes Märchen, wie Eisel und Hofmeyer in der Weiterbildung „Projekt Unvergessen“, die von der BKK gefördert wurde, lernten. „Uns wurden vor allem die Märchen der Brüder Grimm empfohlen, weil die Leute damit am meisten anfangen können. Auf Hänsel und Gretel sollen wir aber besser verzichten“, sagt Hofmeyer.

Mit einigen Requisiten rund um das Märchen sprechen Hofmeyer und Eisel alle fünf Sinne ihrer Zuhörer an. „Jeder durfte mal die Kappe von Rotkäppchen aufsetzen und sich dann im Spiegel bewundern“, sagt Anita Eisel. An einem bunten Wiesenblumenstrauß konnten die Bewohner riechen und die Pflanzen fühlen. Sie haben gemeinsam Lieder gesungen, die zum Thema passten. Mit Kuchen und Rotbäckchensaft haben sie eine Verkostung zum Thema Rotkäppchen gemacht. „Beim Kuchen haben sie dann alle angefangen, zu erzählen, wie sie ihn früher gern gebacken haben: Die einen machten Rosinen rein, die anderen Kakao oder auch Rum“, sagt Hofmeyer.

Dass die Demenzerkrankten erzählen und sich an früher erinnern, ist das Ziel der Märchenerzählerinnen. „Alles, was bei Demenzerkrankten noch vorhanden ist, müssen wir jeden Tag wieder aktivieren“, erklären sie. Bei den Bewohnern der Seniorenresidenz kam die Märchenstunde gut an. „Einige sind nachmittags zur zweiten Gruppe gleich wieder gekommen“, so Hofmeyer und Eisel.

In der Seniorenresidenz leben 132 mit und ohne Demenzerkrankung zusammen. Für die Erkrankten und deren Angehörige ist es wichtig, aktiv zu bleiben, erklärt Einrichtungleiterin Helena Klässig. Wie das gelingen kann, dafür bieten die Mitarbeiter der Seniorenresidenz ihre Unterstützung an. zu.hna.de/Rhenanus1809 (elu)

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