"Geheimrezept": Bewegung, Bewegung und ganz viel frische Luft

Mathilde Mildner vollendet in Bad Sooden-Allendorf ihr 100. Lebensjahr

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„Das hätte ich nie gedacht“, sagt Mathilde Mildner. Sie wird heute 100 Jahre alt.

Bad Sooden-Allendorf – Seltenes Altersjubiläum in Bad Sooden-Allendorf: Mathilde Mildner feiert heute ihren 100. Geburtstag. 

Sie braucht nicht lange nachzudenken, wenn man sie nach ihrem Geheimrezept für ein langes Leben fragt. „Bewegung, Bewegung und ganz viel frische Luft“, sprudelt es aus der zierlichen Dame heraus, die geistig noch voll auf der Höhe ist. Im Kreise ihrer Lieben feiert Mathilde Mildner, geb. Hupfeld, heute ihren 100. Geburtstag.

Auserkoren hat sie dafür ein Lokal, nicht weit weg von den Balzerbornkliniken in Bad Sooden-Allendorf, wo sie sich im Geriatriezentrum zur Kurzzeitpflege befindet. Ein böser Sturz in ihrem Eigenheim in Hitzerode zwang sie zu dem nicht eingeplanten Aufenthalt. Die klaffende Wunde am Kopf musste genäht werden. Aber schon bald will sie wieder in den eigenen vier Wänden sein.

Die hatte sie sich mit ihrem Mann Heinrich geleistet, mit dem sie 47 Jahre lang verheiratet war. Beide kannten sich schon von der Schulbank, gingen in dem heutigen Ortsteil von Berkatal in dieselbe Klasse. Aber es habe lange gedauert, bis sie zueinandergefunden hätten, erinnert sich Mathilde, die zuvor schon einmal bitter enttäuscht worden war.

Auf Heinrich dagegen sei jederzeit Verlass gewesen, so auch, als 1952 das Haus gebaut wurde. Nach Inflation und zwei Kriegen sei von Eltern und Schwiegereltern keine Hilfe zu erwarten gewesen. Die hätten selbst ihr Tun gehabt, um über die Runden zu kommen, hegt sie noch heute Groll auf die Bank, die für das in kurzer Zeit abzuzahlende Darlehen Zinsen in Höhe von 14 Prozent verlangt habe. Vom Krieg wurde auch ihr Mann nicht verschont. Fünf Jahre war er als Soldat in Russland, wurde sechs Mal verwundet: „Ich denke noch oft an die schweren Stunden“, sagt Mathilde, die seit 27 Jahren Witwe ist. Im Straßenbau beschäftigt, sei ihr Mann viel unterwegs gewesen, „bis nach Hamburg und Westfalen“. Und, fügt sie hinzu, „manchmal war er drei Wochen weg.“

Das war dann die Zeit, in der Mathilde besonders viel zu tun hatte. Denn zu Hause gab’s ja noch eine kleine Landwirtschaft. Getreide wurde angebaut und verkauft, außerdem für den Eigenbedarf Kartoffeln und anderes Gemüse; nicht zu vergessen die Kühe, Schweine, Hühner und Gänse, die ebenfalls versorgt werden wollten. „Harte Arbeit. Geschenkt wurde nichts“, blickt das Geburtstagskind zurück, das man vergeblich nach einem Hobby fragt: „Der Tag war ausgefüllt, und man war froh, abends ins Bett zu kommen.“

Hohe Ansprüche habe sie nie gestellt und sie sei dankbar auch für die kleinen Dinge, sagt die bescheidene Frau, die fast jeden Tag Besuch bekommt von ihrer Tochter Ingrid (81) oder ihrem Sohn Wilfried (69), aber auch von Freunden und Bekannten.

„Da freue ich mich riesig drauf“, jubelt die 100-Jährige, die zu ihrem heutigen Ehrentag die ganze Familie erwartet, wozu auch jeweils drei Enkelkinder und Urenkel gehören.

Ob sie sich denn auch ein Gläschen Sekt gönne? Mathilde schüttelt den Kopf: „Früher hatte ich für Alkohol keine Kohle und danach kein Interesse.“

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