Mehr als ein Erinnerungsort

Grenzmuseum Schifflersgrund feiert sein 30-jähriges Bestehen

Erinnerungen an die Zeit vor der Grenzöffnung: Wolfgang Ruske (von links) sprach mit Horst Zbierski, Eva Kühne-Hörmann und Dr. Peter Wurschi.
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Erinnerungen an die Zeit vor der Grenzöffnung: Wolfgang Ruske (von links) sprach mit Horst Zbierski, Eva Kühne-Hörmann und Dr. Peter Wurschi.

Zum 30-jährigen Bestehen des Grenzmuseums Schifflersgrund gab es eine Podiumsdiskussion.

Bad Sooden-Allendorf/Sickenberg – Das Grenzmuseum Schifflersgrund sei mehr als nur ein Ort des Erinnerns an die jahrzehntelange Teilung Deutschlands und ihre Opfer. Das betonte am Samstag in einer Feierstunde Dr. Christian Stöber, Geschäftsführer und Leiter der Mahn- und Gedenkstätte anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens.

Vor mehr als 50 Zuhörern, darunter zahlreiche politische Prominenz, wies Stöber der Einrichtung auf dem Terrain von Bad Sooden-Allendorf und dem thüringischen Nachbarort Sickenberg auch die Aufgabe zu, historisches Bewusstsein zu schaffen, weil Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht selbstverständlich seien. Im Rahmen der politischen Bildung gelte es außerdem, insbesondere der jungen Generation geschichtliches Wissen zu vermitteln und präventiv einer Geschichtsklitterung vorzubeugen.

Verbunden mit der Feierstunde in der Hessenhalle war am selben Ort eine Ausstellung, welche die pädagogische Leiterin Anne Vaupel-Meier eigenständig entwickelt hatte. Unter dem Titel „Das Wissen der Region“ werden Textdokumente, Bilder und Karten zur innerdeutschen Teilung gezeigt, denen die Besucher per Tablet ganz persönliche Erinnerungen hinzufügen können.

Wenige Stunden vor dem Tag der Deutschen Einheit hob der hessische Staatssek-retär für Europaangelegenheiten, Mark Weinmeister, das rein ehrenamtliche Engagement der Bürger beim Aufbau des Grenzmuseums hervor, das inzwischen nach den Worten des zweiten Vorsitzenden des Arbeitskreises, Stefan Heuckeroth-Hartmann, bislang mehr als 1,5 Millionen Besucher hatte.

In einer Video-Botschaft nannte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow die Gedenkstätte Schifflersgrund „einen Ort des Zusammenwachsens, wo wir aus dem lernen können, was uns lange Zeit getrennt hat“.

Er habe Tränen in den Augen gehabt, als im November 1989 die Berliner Mauer gefallen sei, gestand Wolfgang Ruske als langjähriger Leiter und treibende Kraft beim Aufbau des Grenzmuseums.

Bei einer Podiumsdiskussion, moderiert von der Berliner Historikerin Romy Köhler, unterstrich die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, niemals hätte von staatlicher Seite dieses Museum Wirklichkeit werden können. Auch in Zukunft dürfe das Ehrenamt nicht verdrängt werden. Kritisch merkte sie an, den Opfern der Teilung müsse mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Der Thüringer Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Peter Wurschi, bezeichnete Schifflersgrund als „wichtigen und würdigen Ort, die Erinnerung zu bewahren“.

Zwei Jahre vor der Gründung der DDR geboren, erzählte der frühere langjährige Bürgermeister von Wahlhausen, Horst Zbierski, schon als Kind habe er mitbekommen, wie die SED „die Daumenschrauben immer mehr angezogen“ habe.

In Kooperation mit der Stiftung Naturschutz Thüringen lud das Grenzmuseum gestern Vormittag zu einer Wanderung entlang des früheren Todesstreifens ein, ehe nachmittags zum Tag der Einheit ein ökumenischer Gottesdienst stattfand. (zcc)

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