Meisterliche Werke in Bad Sooden-Allendorf

Stürmischer Applaus: Den empfingen Thomaskantor Gotthold Schwarz, die Leipziger Kantorey und das Barock-Ensemble vom Publikum. Foto: Pujiula

Bad Sooden-Allendorf. Thomaskantor Gotthold Schwarz gastierte mit zwei Ensembles im Kultur- und Kongresszentrum und präsentierte unter anderem Stücke der Familie Bach.

Ein besonderes Musikereignis, man kann ruhig sagen eine Sensation, erlebten die Konzertbesucher am Samstagabend - Sie hörten ein Konzert mit Gotthold Schwarz am Pult, dem im August dieses Jahres neu gekürten Thomaskantor und dadurch 17. Nachfolger von Johann Sebastian Bach.

Gotthold Schwarz gastierte nicht zum ersten Mal in Bad Sooden-Allendorf. Er war schon früher bei Adventskonzerten in der St.-Cruciskirche dabei gewesen, nun erstmalig im Kultur- und Kongresszentum der Badestadt. Aber heuer war alles ein bisschen anders: Nun war Gotthold nicht nur ein exzellenter Musiker, sondern auch Inhaber der wohl berühmtesten Kantorenstelle Deutschlands. Er kam mit zwei Ensembles, die Leipziger Cantorey und das Sächsische Barockorchester, zwei Formationen, die hauptsächlich Barockmusik pflegen - mit beispielhafter Meisterschaft.

Sie spielten diesmal ein faszinierendes Programm mit bekannten und weitgehend unbekannten Werken, manche in Archiven aufgestöbert, die Gotthold Schwarz entdeckt und ihnen zu neuem Leben verholfen hat.

Am Anfang stand eine prachtvolle Kantate von Georg Philipp Telemann. Von jenem Vielkomponierer also, dessen Werke zwar technisch makellos klingen, aber meistens als stereotyp und blutleer gelten - aber nicht bei der nun interpretierten Adventskantate „Mache die Tore weit“. Diese Musik zieht den Zuhörer mit leidenschaftlichen Chören, mit geschmeidiger Musik und prachtvollen Soli an. Ein gefälliges Werk, das einen anderen Telemann offenbarte, als man ihn sonst kennt.

Nach weiteren Weihnachtsliedern, darunter „Es ist ein Ros entsprungen“, das bei der letzten Strophe auch vom Publikum gesungen wurde (unter der Leitung des Thomaskantors!), standen im Programm sehr schöne Werke von Mitgliedern der weit verzweigten Familie Bach, die in der Barockzeit eine große Zahl von Musikern hervorgebracht hatte; der Arnstädter Kantor Johann Christoph Bach, der Meininger Johann Ludwig Bach und der erste Schwiegervater von Johann Sebastian, der Arnstädter Johann Michael Bach. Sie alle waren mit ansprechenden Werken vertreten.

Und am Schluss der berühmteste Bach, Johann Sebastian. Von ihm wurde die Kantate BWV 62 „Nun komm, der Heiden Heiland“ gespielt - ein würdiger Abschluss eines großartigen Konzerts mit zwei Ensembles, die das Programm wundervoll gestalteten: dem kleinen Orchester besetzt mit Spezialisten, die der alten Musik Echtzeit gaben, und der „Canorey“ so perfekt und ausdrucksstark, wie man es von einem von Gotthold Schwarz stimmlich gebildeten und geführten Vokalensemble erwarten konnte.

Am Ende: Lange Ovationen im voll besetzten Saal und eine wundervolle Zugabe.

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